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Es geht wieder los.
Wer mit wem? Wann? Wo? Wetter? Übernachten im Zelt, im Auto, bei Freunden, gar nicht schlafen? Schon angemeldet? So teuer? Training? Speckröllchen? Alte Freunde da, neue Freundinnen vielleicht? Wer fährt? Wer trinkt? Wieviel?
Beachvolleyballspieler müssen viel bedenken. Denn sie treiben nicht nur Sport, sondern leben dabei jede Menge Lifestyle vor. Man kennt sich, man zeigt, dass man sich kennt, und man weiß genau, wie man zeigen muss, dass man sich kennt. Man pfeift auf poplige Ansetzungshefte und plant stattdessen irgendwo im Internet drinne, man verzichtet auf eine Gewinnerurkunde und postet stattdessen nach dem Turnier anderthalb Tausend pics in eine Online-Galerie. Man hat im Sommer jedes Wochenende verplant, um sich im Winter gemeinsam am virtuellen Kamin der glorreichen Beachpartys zu erinnern.
Es beginnt schon bei der Musik. An einem Mai-Morgen um halb elf bei der zweiten Spielrunde schon mit Jazzy Jeffs Summertime den Strand zu beschallen ist ein wenig schade und ähnelt denn doch der alten Geschichte mit den Perlen und Säuen. Kulinarisch sind wir ganz vorne dabei, signalisieren die dreizehn verschiedenen Wellnessisofitnessdrinks am Spielfeld. Leider vertragen sie sich magentechnisch nur schlecht mit den fettigen Bratwürsten, die ein ganz Spendabler zu vertrockneten Bröchen als Mittag serviert.
Der Clown vom Dienst hampelt alle fünf Minuten mit seiner arschteuren Digiknipse vorbei, um seinen 2-GB-Chip mit Gegenlichtaufnahmen zu vergewaltigen. Leider müssen wir später erkennen, dass er ohnehin zu 60 Prozent nur ass & tits in motion mit eifriger Aufmerksamkeit und Speicherplatz bedacht hat. Die Frauenspiele fangen grundsätzlich mit Verspätung an, es dauert eben eine Weile, bis frau sich aus bis zu sechs Teilen casualwear geschält, die Sonnenbrille (es ist bedeckt) ins Haar (sie hat einen Haarreifen) gesteckt und der Mitspielerin die ausgeklügelte Taktik (Annehmen, Passen, dann Schmettern) zugewispert hat.
Außerdem klingelt dauernd das Handy.
Am Nachmittag reibt jeder jeden mit überlagerter Sonnenmilch ein, so Klassenfahrten-Spielchen eben. Strittige Entscheidungen werden zunehmend von einigen besonders breitschultrigen Vertretern der Generation Dosenbier Spaß mitentschieden. Es kristallisiert sich heraus, wer gut Beachvolleyball spielen kann und wer schon öfter da war und es deshalb auch mal verdient hätte, das Turnier zu gewinnen (Du bist doch auch meine Meinung, oder, du Opfer?)
Sind eben alles Menschen. Nun.
Dennoch werde ich mich gleich so froh und frei fühlen wie Baron Davis beim heutigen Videostudium, wenn ich mit einem Kumpel zum einzigen öffentlichen Netz in der Gegend ziehe, das zufällig am größten Strand der Gegend liegt und selten zu dieser Jahreszeit keinen passenden Gegner für uns bereithält. Das Billig-Strudelwasser in den Sand gepfeffert, Ärmel hoch und los. Wir werden unsere Bindehäute mit klitzekleinen Quartzstückchen malträtieren und wieder mal darüber staunen, wieviel anstrengender Springen am Strand doch im Vergleich zum Hallenparkett ist.
Wenn wir Glück haben, weht aus dem nahen Jugendzentrum ein bisschen schlechter Punkrock herüber, jemand lässt uns knapp gewinnen und eine schöne Frau fragt mal nach der Uhrzeit. Wenn wir Pech haben, wehen aus dem nahen Jugendzentrum ein paar schlechte Punkrocker herüber, wir haben auf dem Platz keinen zu unserer Hautfarbe passenden blassen Schimmer, und einer von uns verstaucht sich den Fuß.
Aber egal. Hauptsache draußen, Frischluft, Ballsport, Abendlicht. Dann geht das schon.