Archiv der Kategorie 'Fußball UEFA-Pokal'

Keine zwei Minuten

Nicht schlecht: Die TV-Wiederholung war gerade vorbei, und der 1:1-Ausgleich der Nürnberger war im Vereinsticker gemeldet.

Das Wunder von der Weser, Teil IV

22.33 So, Freunde der Nacht, soweit. Wie Chelsea London verabschiedet sich Werder Bremen sukzessive von allen Wettbewerben, in denen sie Titelchancen besaßen. Nach dem Theater der vergangenen Tage und dieser, hmm, unglücklichen Partie heute Abend muss Papa Schaaf jetzt ganz nett zu seinen Balltretern sein, damit die am Wochenende einigermaßen geradeaus laufen können. Morgen diskutiert die Nation unnötigerweise über den nicht sehr viel glücklicheren Referee, ich meine, sie sollte lieber aufpassen, dass Miro und Pannen-Reinke in den nächsten Tagen nicht enden wie Ernst Middendorp. Adios.

ps. Achso, die Überschrift: Mit Wundern ist das so eine Sache. Generell passieren die aber nur, wenn elf gegen elf spielen.
22.30 Du meine Güte, in den nächsten zweieinhalb Wochen werde ich Dynamo Ostberlin nicht mehr hören können, zu oft wurden die Wunderteile I-III heute repetiert.
22.20 Diego versucht es nochmal aus 60 Metern – das hätte ich dem Lahmarsch im spanischen Tor gegönnt. Außerdem ist meine Nervenschokolade gerade alle geworden, Mist.
22.10 Schön, wenn so ein Kommentator mitfühlt. Aber dieses „Tjawattwillstedenndamachen“ nervt – spätestens bei der fünften Wiederholung.
22.05 Die Entscheidung: Als wäre es das Einfachste der Welt, köpft Lacruz gegen Christian Schulz zum 2:1.
22.00 Also ich bin ja Schreiber und kein Fußballer, deswegen darf ich das: Wäre ich jetzt in grünweißorange auf dem Platz, ich würde frustfoulen. Aber sowas von.
21.55 Konter für Espanyol. Reinke hat den Ball – und patscht ihn ab. Ein Lilahemd staubt ab, 1:1, Werder braucht jetzt vier Tore, oh je. Reinke kann sich heute Nacht mit Klose an einer drittklassigen Hotelbar betrinken gehen.
21.50 Der 18-jährige Kevin Schindler heißt die Bremer Sturmhoffnung für den zweiten Durchgang. Für ihn darf Bobby Owomoyela jetzt alle Duschen gleichzeitig alleine benutzen.
21.35 Auch ein ganzes Rudel an Eckbällen bringt nüscht: Bremen geht mit einem schlichten 1:0 zum Luftholen in die Halbzeit. Für den zweiten Durchgang heißt es Augen zu und run and gun, als wenn es kein Morgen mehr gäbe.
21.30 Patrick Owomoyela sieht aus wie der frühe Bobby McFerrin. Und der französische Schiedsrichter bastelt gerade an seiner Definition von Kleinlichkeit.
21.20 Es gibt keine drei Minuten, die am Stück durchgespielt werden, was dem giftigen Einsatz der Bremer und der Zeitschinderitis von Espanyol geschuldet ist. Jede Wette: Dieses Spiel geht nicht 1:0 mit 21 Spielern auf dem Platz zu Ende.
21.15 Rein ästhetisch betrachtet sind die lilagestreiften Trikots der Spanier selbst des Eintopf-Pokals definitiv nicht würdig.
21.10 Es ist nicht der Frühling des Miroslav Klose. Erst Torflaute, dann Transfer-Tohuwabohu, dann schießt er gegen Bielefeld ein Tor, legt hier eine gute Startviertelstunde hin. Und dann Gelb-Rot. Klose riskiert bereits verwarnt eine Schwalbe und fliegt wie eine solche vom Platz. Muss man nicht geben. Muss aber auch nicht schwalben.
21.05 Also ich weiß ja nicht. Ist es eigentlich pingelig, solche Sätze bei einer Fußballübertragung nicht hören zu wollen?

Er hat jetzt schon mehr Ballkontakte wie im gesamten Spiel in Barcelona.

21.00 Bremen spielt kick and rush, nicht mehr und nicht weniger. Barcelona spielt auf Zeit, jetzt schon. Und die Zeit spielt gegen Werder.
20.50 Bin noch anderthalb Zimmer vom Fernseher weg, von hier aus hört es sich nicht so an, als würde Klose ausgepfiffen. Außerdem schießt Almeida das 1:0. Das ist dann durchaus zu hören.
20.45 Der übertragende Privatsender hat eindrucksvoll bewiesen, dass es durchaus möglich ist, die Rechte an diesem Spiel zu erwerben und die komplette halbe Stunde vor Anpfiff mit Reklame vollzukleistern. Nun denn.
20.15 Ja, warum denn auch nicht. Welche Überschrift soll man einem Blogbeitrag zu diesem Spiel sonst schon geben können. Zumal der Pflaumen-Kai wieder moderiert. Und wo ich Kalle Riedle Kalle Riedle Riedle sehe: Der tut so, als bloggt er für Eurosport.

Ein UEFA-Pokal-Abend mit Nolookpass

22.50 Stam mutiert zum Spielmacher und Mittelstürmer in Personalunion, hilft aba nüscht: Werder verliert 1:3, watet weiter inner Krise und steht im Achtelfinale. So, dann mal fix den Deckel drauf und ab in die Heia. Und kann dem Wiese nachher mal jemand ein Pils bestellen, danke. Bis neulich!
22.40 Wiese hat zwar ne scheiß Frisur, fischt aber soeben das sichere vierte Ajax-Tor von der Linie. Noch zehn Minuten. Dass die Restspielzeit überhaupt noch mal wichtig sein würde …
22.30 Boah, eben prallte Jaap Stam auf Torsten Frings, und meine Vollmilch erzitterte im Glas. Bremen zu verspielt, Babel fährt einmal sein Bein aus, durchschlitzt die Werder-Abwehrkette und bläst mit seinem 3:1 zur zwanzigminütigen Schlussoffensive. Aber immer noch: No way!
22.20 Huntelaar dreht sich am Fünfer um Naldo und trifft zum 2:1. Fehlen noch drei Dinger. No way! Auch wenn Ajax jetzt aufdreht: Leonarde fallrückzieht gegen Naldo, Wiese kann noch retten. Genau so, wie kurz darauf allein gegen Babel.
22.05 Werder jetzt mit Vranjes für den angeschlagenen Diego. Borowski jetzt Spielgestalter. Wiese jetzt mit Gelb für Sekundenschinderei. Und ich jetzt noch verschwunden in Richtung zweites Abendbrot.
21.45 Almeida köpft nochmal knapp neben das Tor. Klose spielt aber auch mit, echt jetzt. Sieht übrigens so aus, als träfe Leverkusen auf RC Lens, die nach 3:1 im Hinspiel zur Pause bei Panathinaikos Athen ein 0:0 halten. Und Ajax verschleudert wieder eine 95-Prozentige. So wird dat nix. Halbzeit, 1:1.
21.30 Ganz nett, was die jungen Amsterdamer da noch veranstalten. Aber ich glaube, ich muss jetzt noch unbedingt unsere Abstellkammer aufräumen, Blumen gießen und auch mal wieder früh schlafen gehen. Am aktivsten noch die Bremer Fans, is aber wohl auch kalt dort. Almeida verschenkt mit seinem linken Aussenrist einen prima Klose-Tiefenpass, was Thomas Schaaf mit dem Zusammenzucken seines dritten Nasenhaares von rechts oben quittiert.
21.15 Toll, Tim. Der Borowski verarscht die linke Ajax-Defensive recht formidabel, seine Hereingabe verwandelt Almeida zum 1:1-Ausgleich. Amsterdam fehlen jetzt vier Tore, huihuihui. Das scheinen die noch nicht verinnerlicht, Womé verweigert kurz darauf Leonardos Kopfball die Einreise ins Bremer Tor.
21.10 Das Antwörtchen gibt Hugo Almeida, sein Schuss zu hoch jedoch. Die Anfangsoffensive der Holländer dünkt mir schon vorbei, vielleicht auch nur ein Luftholen. Werder traut sich jedenfalls wieder Kurzpassspiel zu, weit in der eigenen Hälfte. Und Frings macht italienische Gesten, komisch sieht das aus.
21.00 1:55 gespielt, und Wesley Sneijder donnert Wiese aus 20 m fast in dessen Tor. Das 1:0 für die Gastgeber fällt eine Minute später, als nach missratener Mertesacker-Abwehr plötzlich drei Ajaxusse mit Ball vor der Werder-Linie auftauchen und Leonardo vollendet. Da warens nur noch zwei Tore Vorsprung.
20.55 Glückwunsch, Leverkusen schindet sich ins Achtelfinale. 0:0, aufgrund des Hinspiels ist das Weiterkommen verdient. Blackburn gegen routiniert verteidigende Bayeraner zu wenig durchschlagkräftig. So, und jetzt ab zu Hippie Frings und seinen Buben.
20.45 So kann man die Zeit auch rumbringen: Sie rudeln sich, es ist ein fröhliches Schubsen und Fallen. Ramelow und Barbarez versuchen es mal, und Blackburn ist so dumm und steigt drauf ein. Kostet gut zwei Minuten sowie Gelb für Barbie und den linken Rover-Verteidiger Warnock.
20.40 „Der Druck wird immer wilder“, sagt der Fernsehmann, und was soll man dem Geschwafel noch Großes hinzufügen. Noch ne Viertelstunde. Und die Schluss-Schwalbereien haben bereits begonnen.
20.35 McCarthy rutscht drei Zentimeter an der sicheren Führung vorbei. Puh. Doch Barbie bleibt kühl: In einer brodelnden Fußballertraube köpft Sergeij die Kugel mal locker anderthalb Meter auf den knapp vor der Torlinie postierten Butt zurück. Bei Blackburn jetzt Stürmer für Flügel, bei Bayer Barnetta für Freier rechts.
20.30 Wie erwartet drückende Briten. Besonders Spielchenmacher Mortengamstpedersen lässt den Herrn Castro auf links oft richtig scheiße aussehen. Butt muss hektisch per Fuß klären. Die Leverkusender Konter verdienen diesen Namen noch nicht. Und wenn das hier so weitergeht, stecke ich es wieder rein, das Netzkabel.
20.20 Butt geleitet einen labbrigen, aber sehr platzierten Kopfball von Blackburns linkem Flügel David Dunn ins Seitenaus. Das war jetzt mal wirklich eine Torchance. Neverkusen muss sich vorsehen: Eine halbe Stunde lang halten sie das sich langsam streckende und räkelnde Druck- und Kraftspiel der Gastgeber nicht durch. Is so. Und jetzt ham se mit Haggui einen Bayer-Innenverteidiger rausgetreten. Für ihn kommt Jan-Ingwer Callsen-Bracker. Jan-Ingwer. Hmm, schade dass ich schon einen Sohn habe.
20.15 So, Tagesguck vorbei, Verbindung stabil, Holsten geöffnet. Die Rovers kontrollieren, aber dominieren nicht. Selbst beste Spielsituationen bleiben ungenutzt, meist hatte Juan seinen Zeh dazwischen. Dennoch: Bayer immer seltener mit Ball jenseits der Mittellinie.
19.50 0:0 zur Halbzeit. Schnicks Schneider könnte auch alleine gegen die Rovers spielen. Barbarez ist ein alter Mann. Das Publikum pfeift, die DSF-Bilder laufen plötzlich rückwärts, und ich wusste gar nicht, dass man Fußballmoderationen mittlerweile bei SMS-Spielchen gewinnen kann. Und ich bin zu doof für kabellos, offenbar.
19.40 Blackburn natürlich am Zug, aber harmlos bis na ja. Meist über links oder mit scharfhohen Flanken, dann steht aber der Juan dort und macht seine Arbeit. Beide Teams recht nervösitiv und nickelig, torlos bleibt das hier nicht lange. Logisch, Rückspiel halt. Wenn auch nur Sechzehntelfinale.
19.30 Tach auch. Dauertest des heimischen WLANs dringend nötig. Warum also nicht jetzt und heute. Noch ruckelts ganz schön. Ach ja, Leverkusen hält das 0:0 gegen Blackburn (25.). Noch.

Wo ist der Koeffizient?

Weil ich zu faul zum Selberrechnen bin: Weiß jemand, ob irgendwo der aktualisierte UEFA-Koeffizient zu finden ist? Die UEFA selbst erhebt die Liste offiziell nur im Jahresrhythmus.

Nachtrag:
Die Antwort von Leodator ist offenbar im spam-Filter klebengeblieben: Hier ist die aktuelle Liste.

Vielen Dank!

Worte zum Wochenende

Das Aus der anderen deutschen Clubs ist gut für uns, weil der Pott mit den Fernsehgeldern jetzt durch weniger Mannschaften geteilt wird.

Heribert Bruchhagen, Vorstand Eintracht Frankfurt

Der UEFA-Pokal und seine Namen

Es gab Zeiten, da kannte ich alle Vereine im UEFA-Cup. Wirklich alle. Vom Namen her, versteht sich. Dann zerbröselte die UdSSR in einen Haufen Länder mit eigenen Ligen, Fußball und Kommerz paarten sich und bekamen viele, kleine Kinderchen, die prächtig gediehen. Und, ja, Freizeit wurde zu einer endlichen Größe, die mittlerweile nicht mal mehr das Synonym Größe zu Recht tragen sollte.

Und so kommt es, dass sich bei der wie immer sehr erbaulichen Lektüre der ersten UEFA-Pokal-Runde in meinen Augen gar Illustres tummelt. Schön beispielsweise ist das Attribut Tschornomorets vor der Mannschaft aus Odessa. Heißt nämlich Schwarzes Meer und sollte die deutschen Nordklubs mal zu einem Namens-Relaunch bewegen: Ostsee Rostock, Nordsee Hamburg, Bodensee Freiburg. Na ja.

Oder Ethnikos Achnas aus Zypern, wenn die mal nicht prädestiniert für den Fair-play-Preis sind. Wer hingegen behauptet zu wissen, aus welchem Land der Verein Rubin Kasan stammt, lügt oder hat wirklich nix Wichtiges zu tun ist offenbar ein Eishockey-Fan. Wer mir dagegen glaubhaft begründen kann, warum ihm schon bekannt war, dass Kasan die Hauptstadt Tatarstans ist, dem schreibe ich eine vierzeilige Ode auf Russisch.

Weiter im Text: ein Superfund ist Superfund Pasching, Skoda Xanthi oder auch Rabotniki Skopje (FC Arbeiter Schalke klänge doch prima). Ruzomberok hätte ich eher in die Anagramm-Ecke als in die Slowakei gesteckt, bei Zulte-Waregem eher auf SPD-Hinterbänklerin als belgischen Durchschnittsklub getippt.

So kann ich nur lernen und insgeheim froh sein, dass der Cup der Pokalsieger schon abgeschafft ist.

Evolution statt Revolution

Michel Platini will Präsident der UEFA werden, die französische Fußball-Legende kandidiert im Januar 07 gegen den aktuellen Amtsinhaber Lennart Johansson. Jüngst ist sein Fünf-JahresPunkte-Plan bekannt geworden. Demnach will Platini

  • die „Familie des Fußballs“ wieder einigen. Soll heißen: Die Großkopferten der Europäischen Fußball-Union, und nicht irgendwelche unabhängigen Richter, sollten über die Zukunft des Fußballs entscheiden.
  • die Macht der Verbandspräsidenten wieder stärken
  • das Solidaritätsprinzip stärken und die Zentralvermarktung beibehalten – die G14 wirds freuen.
  • der EU klar machen, dass Fußball anders ist als andere wirtschaftliche Tätigkeiten: ein Spiel, das nicht nur Marktgesetzen unterworfen werden kann. Das heißt: Kampf den Manipulationen, dem Doping, Rassismus und anderen Marktgesetzesbrechern.
  • die Champions League offen halten

Theo Zwanziger hat sich schon festgelegt, er stimmt auf jeden Fall für Johansson. Mit seinem Programm hat sich Platini aber zumindest positioniert, auch wenn seine Punkte nicht meilenweit von der Politik des seit 1990 amtierenden Schweden entfernt ist. Eine Alternative stellt der Europameister von 1984 aber auf jeden Fall dar, auch wenn nicht alle Ankündigungen realisiert werden können.

Nur eins gefällt mir nicht: Die Erwähnung der „Fußball-Familie“. Erstens sagt das der Schummel-Sepp von der Fifa auch immer, und zweitens muss ich immer – und mit dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen in Italien ist die Assoziation gleich noch stärker – an eine andere Familie denken.