Archiv der Kategorie 'Tennis'

Helden wie sie

Provinz rules!

Boris Becker, 40, aus Leimen. Er arbeitet nach einigen Erfolgen im Jugendsport heute als Türsteher einer Disko in Heidelberg, unweit seines Geburtsortes.

Johannes Baptist Kerner, 43, lebt in Hersel, Nordrhein-Westfalen, und betreibt einen Öko-Hof mit vier gemütlichen Gästezimmern.

Jürgen Klinsmann, 43, Konditor aus Göppingen, liebt Fußball: Wenn die Arbeit ihm Zeit gibt, begleitet er das deutsche Team zu internationalen Turnieren.

Wenn Comicfans Federball buchstabieren sollen

Silbereisen spielt in China Tischtennis

Wollte schon immer mal einen maschinensuchenden Volksmusikliebhaber listig auf die Seite locken. Also.

„Geschlagen wird während des Sprunges“

So einen Gemeinen Chinasprung kann man auch so …


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… oder so

Der Absprung erfolgt von beiden Beinen gleichzeitig. Dabei sind die Füße etwa schulterbreit auseinander. Geschlagen wird während des Sprunges. Die Landung erfolgt erneut auf beiden Beinen gleichzeitig und leitet sofort die Gegenbewegung Richtung zentrale Position ein.

… sehen.

Novak Lleyton Rafael Maria Scharafederewittadalkovic

Der vormals weiße Sport, der in den letzten 20 Jahren in den USA und Westeuropa schon viel von seiner Exklusivität eingebüßt hat, sich aber doch nur von einer großbürgerlichen zu einer auch partiell kleinbürgerlichen Veranstaltung transformiert hat, steht vor seiner wohl letzten Demokratisierung.

So beschließt Martin Krauß seinen Artikel über das kontemporäre Tennis in der aktuellen Jungle World. Beginnen tut der Text mit den Imitationskünsten des Australian-Open-Sieger Novak Djokovic. Hmm. Ich würde sagen: Geht so.

Generell scheint es aber glücklicherweise so zu sein, dass dieser Typ hin und wieder zu wenig Vollmilch zu sich nimmt.

via

Tsonga regiert

Aus dem Kapitel Körpersprache im Sport:
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Ein Spieler wirkt von Anfang an hektisch, nervös, übermotiviert. Das Match ist keine zehn Minuten alt, und er zieht die Augenbrauen zusammen, ärgert sich offen über sich selbst, streicht seine langen, schon verschwitzten Haare permanent zurück, freut sich über einfache, unwichtige Punkte die entscheidende Sekunde zu lange, die geballte Faust zu viel. Er spielt nicht, er kämpft; mehr mit und gegen sich als den Gegner. Sein Blick gleicht mit fortschreitender Spieldauer dem eines Rehs auf der Treibjagd, das spürt, keine Chance zu haben. Waidwund dekliniert er seine taktischen und technischen Möglichkeiten durch, doch was immer er anstellt – der Gegner ist schon da. Er hätte sich nach der Hälfte des Spiels auch auf die Stirn schreiben können Ich werde heut nicht gewinnen, und jeder hätte ihn irgendwie verstanden.

Der andere Spieler spielt sein Spiel. Selten, dass er dem Konkurrenten nach einem Ballwechsel hinterhersieht, dabei kaum eine Miene verziehend. Eine gelungene Aktion quittiert er hin und wieder mit kurzleiser Selbstanfeuerung, eine misslungene gar nicht. Gekonnt setzt er vulkanös ausbrechende Jubelsprünge, Publikumskommunikation und lautstarkes Lamentieren mit dem Schiedsrichter als feinpsychologische Nadelstiche ein. Trotzdem er ein bulliger, auf Kraft bauender Sportler ist, dringt seine Erschöpfung nur selten nach außen. Das selbstbewußte Auftreten wird durch sein Spiel gestützt, das er vom ersten bis zum letzten Ball unabhängig von einigen Misserfolgen konsequent durchzieht: Kontrollierte Offensive. Nach vorne. Die Entscheidung suchend. Für einen aufstrebenden Newcomer strahlt er genau die richtige Mischung aus traditionsbewusster Bescheidenheit und rebellischer Arroganz aus, die die Platzhirsche verunsichert und das Publikum auf seine Seite zieht.
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Der 22-jährige französische Tennisspieler mit dem trikontinentalsten Namen von allen hat heute das Halbfinale der Australian Open regiert. Jo-Wilfried Tsonga gewann gegen Rafael Nadal mit 3:0, und die Slow-Medien werden sich morgen in Lobhudeleien überschlagen ob dieser Demontage. Und sie werden Recht haben. Mich würde es nicht wundern, wenn sich Tsonga nach dem Finalsieg artig bei den Australiern bedankt, irgendwo schnell ein Mittelklasse-Cabrio ausleiht, die Siegerin Ana Ivanovic als Beifahrerin einlädt und ein paar Tage im Outback Urlaub macht.

Nadal jedenfalls braucht jetzt dringend einen Psychologen.


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Weltrekorde in 52 Jahren ausverkauft

2060 habe man dann, wenn sich die Bedingungen nicht grundsätzlich verändern, die Asymptote erreicht und die möglichen Rekorde zu 99,95 Prozent eingestellt. Um die Rekorde noch zu brechen, muss man dann den 100 Meter Lauf in Tausendstelsekunden, den Marathon in Hunderstel messen oder das Gewichtheben in Gramm entscheiden …

Das wird ein Spaß, den wir leider nicht mehr in voller Blüte erleben werden. Weltrekorde, so was blödes aber auch. Es lebe der Mannschaftssport!

Wer will zum Beispiel ausschließen, …
… dass in 100 Jahren ein Fußball-Starstürmer in einem Spiel fünf durch Torwartfehler verursachte Abstaubertore in Folge erzielt?
… dass in 90 Jahren eine Mannschaft Handballweltmeister wird, dessen Trainer einen Vollbart trägt?
… dass in 80 Jahren kräftige chinesische Vierlinge die Doppelkonkurrenzen im Frauen- sowie Herrentennis dominieren?
… dass in 70 Jahren Volleyballerinnen nur noch in Tangas spielen dürfen?
… dass in 60 Jahren der EBC Rostock die Basketball-Bundesliga im siebten Finalspiel erst nach der sechsten Verlängerung gewinnt?
… dass in 55 Jahren ein Eishockey-Crack nach einem brutalen Stockgrätschfoul einen dreifachen Salto aufs Eis, das die Welt bedeutet, zaubert?

„… aber wenigstens spielt er mir den Ball zurück.“


Außer Atem

Deshalb mag ich Sport so gern. Sportler sind nicht allein. Ich spiele so oft Tennis, weil ich ein Gegenüber habe. Zwar bezahle ich meinen Partner, aber wenigstens spielt er mir den Ball zurück. Den Techniker, der mit mir an einem Film arbeitet, bezahle ich auch, aber er spielt mir nicht den Ball zurück.

Filmemacher Jean-Luc Godard in der aktuellen Zeit

Sport im November

Am 17. und 21. bestreitet die deutsche Fußball-Nationalmannschaft zwei Testspiele gegen Zypern und Wales. Nach den mäßigen spielerischen Vorstellungen wird vom deutschen Boulevard vermutlich erwogen, das Löw-Team zurückzuziehen und den leider nicht qualifizierten, dafür aber schönspielenden Engländern unseren EM-Platz zu schenken.

Mit welchen europäischen Fußballzwergen sich Toni Kroos und Co. auf dem Weg zur WM 2010 herumschlagen müssen, entscheidet am 23. die Auslosung im südafrikanischen Durban. Ich hoffe auf Russland, damit wir hierzulande auch mal so eine unheimlich befruchtende Kunstrasen-Diskussion erleben wie unsere britischen Freunde.

Die USA haben ab 30. im oregonischen Portland ein Heimspiel im Finale des Tennis-Daviscups. Gegner ist Russland. Es werden drei Kampftage für die internationale Wettmafia. Nikolai Dawidenko verliert das entscheidende Einzel nach 6:0/6:0-Führung noch in einem dramatischen Fünfsatzmatch. Der Grund: Sein Hund hatte Angina.


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Sport im Oktober
Urlaub im September
Sport im August
Sport im Juli
Sport im Juni
Sport im Mai

Heulsuse der Woche

Ich war geschockt, als er mir das sagte. Ich war von der ganzen Sache so überrascht, dass ich sogar angefangen habe zu weinen.

Tennisspieler Nikolai Dawidenko erklärt der Welt seine Reaktion auf die Ermahnung des Schiedsrichters, er möge sich doch bitte ein wenig mehr anstrengen. Schön auch die Begründung, er habe nur so schlecht gespielt, um herauszufinden, ob er auch wirklich eine Strafe bekommen würde.

Dawidenko steht übrigens im Mittelpunkt der aktuellen Wettbetrugsaffäre im Tennis. Das kann dann schon mal auf die Seele schlagen.

Tischtennis nicht mehr live und umsonst


Tischtennis, der Sport mit dem großen Boll und dem kleinen Ball, gibts ab sofort nicht mehr live im Netzfernsehen. Contenthouse hatte die neu designte DTTL für umsonst übertragen, nebenbei sprang auch ein halbstündiges DSF-Magazin heraus. Doch damit ist vorerst Schluss:

Die contenthouse GmbH, der exklusive Rechtepartner der DTTL, setzt zunächst seine Produktionen von den Spielen der höchsten deutschen Spielklasse im Herrentischtennis aus und wird erst mit den Play-off-Spielen der laufenden Saison 2007/8 im April des kommenden Jahres wieder auf Sendung gehen. Benno Neumüller, Geschäftsführer contenthouse: „Es ist uns nicht gelungen, die Kosten für unsere hochwertigen TV- und Internetproduktionen durch die Vermarktung der verfügbaren Werbeflächen zu refinanzieren.“

Eine Wirkung hat dieser Minicrash dennoch gehabt: „Weitreichende Veränderungen im Spielsystem“ sollen alsbald zu einer erhöhten Medienpräsenz führen. Vielleicht sollten die Herrschaften erst mal bei der Länge der Spielerhosen anfangen, hat woanders auch schon nicht geklappt.