Archiv der Kategorie 'Schach'

Überschattet

Schach ist das wahre Dschungelcamp.

Die Handschlagaffäre hat während der letzten Tage das schachliche Geschehen überschattet.

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Die Toilettenaffäre im Nachspiel

Uppercut folgt Königsgambit

Es ist ja durchaus zu begrüßen, dass in Zeiten wie diesen auch Sportler ab und an politische Duftmarken setzen. Und sei es mit der Wahl des eigenen Kampfnamens.


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„Anti-Terror“ nennt sich der 36-jährige Polizist, Ex-Kickboxmeister Berlins und Schachspieler Frank Stoldt, der am Sonnabend um den Weltmeistertitel im Halbschwergewicht kämpft. Sein Gegner ist ein Konzern-Manager aus San Francisco mit einem IQ von 140. Der Kampf geht über elf Runden, nach folgenden Regeln:

Sechs vierminütige Runden für eine Blitzschachpartie, bei der jeder Spieler insgesamt zwölf Minuten Bedenkzeit hat, und fünf zweiminütige Boxrunden. Dabei wechseln sich Schach und Boxen regelmäßig ab, jeweils unterbrochen von einer 60-sekündigen Pause zum Umziehen. Der Wettkampf kann durch einen technischen Knockout oder Schachmatt bzw. Ablauf der Schachzeit beendet werden, bei einem Unentschieden entscheiden die Punktrichter. Endet auch der Boxkampf unentschieden, so gewinnt der jenige, der beim Schach mit den schwarzen Steinen gespielt hat.

Ja, beim Schachboxen sind mens und corpore gefordert, und es ist meines bescheidenen Wissens nach die einzige Sportart wo gibt, die auf das Konzept eines Comiczeichners zurückzuführen ist und von einem Aktionskünstler erstmals in die Tat umgesetzt wurde. Wichtiger scheint dabei das Schachspiel zu sein:

Bis jetzt wurden alle Schachboxmeisterschaften im Schach entschieden – entweder durch Zeitüberschreitung oder durch Schachmatt oder durch Aufgabe einer von beiden Gegnern. Ein Knockout gab es bis jetzt nicht.

Kein Wunder, sehen die Statuten doch vor, dass Schachboxer ein Mindestniveau im Schach (Elo-Zahl von 1700) vorweisen müssen, weil sonst viele Kämpfe ganz fix vorbei wären.

Der Erfinder Iepe Rubingh in Aktion:

Prima Sport, das. Und Stefan wird nun wissen, welches Sportarten-Mashup ihn beim nächsten Schlag den Raab eventuell erwartet.

Mit Freunden zärtlich schnurren

Ich habe Dekaden gewartet, Lexika gewälzt, Archive durchpflügt, mich halb tot gegugelt, unnütze Orakel befragt; bin durch die Schrebernachbarschaft getigert, bei anderen Blogs nicht fündig geworden, sämtliche Gehirnwindungen dreimal durchgewandert; ich wollte schon laut SCHEISSE schreien ob der scheinbaren Unmöglichkeit, Katzeninhalt in ein Sportblog zu quetschen.

Aber es ist mir gelungen.

Und wie schon bei der Klo-Geschichte bin ich im Schach fündig geworden. Gibt es doch einen Erstligisten aus dem vogtländischen Rodewisch, der Heimat Falko Götz', Henry Glaß‘ und Kevin Hampfs, der sich bei seiner Namenswahl offenbar von der nordamerikanischen Sitte leiten ließ, Tiernamen kunstvoll einfließen zu lassen. Bulls, Lions, Tigers, Bobcats, so was eben. Was sind also anderthalb Dutzend Brettspielerinnen aus dem Vogtland?

Schachmiezen
, genau.

Seit 23 Jahren lautet das Motto im Südwestzipfel Sachsens: Mit Freunden zärtlich schnurren – dem Gegner die Krallen zeigen! Die Rodewischer Schachmiezen behaupten sich in der deutschen Eliteliga, vor zwei Jahren wurde man Vizemeister, 2000 holte Tatjana Wasiljewitsch einen Einzeltitel, in der Ewigen Tabelle rangieren die Miezen auf Platz vier.

Zweithübschester Mannschaftsname in der Frauenbundesliga übrigens: Doppelbauer Kiel.

Gipfelmatt

So einfach ist das.

Gender Studies

Warum unterscheidet der Deutsche Schachverband eigentlich nach Männer- und Frauen-Bundesliga? Sollte es wirklich so sein, dass ein Geschlecht klüger ist als das andere? Und wenn ja, welches wäre das wohl?


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Mensch gegen Maschine

Wer das derzeit ausgetragene Schachduell zwischen Wladimir und Fritz live verfolgen möchte – bitte hier entlang. Das erste Spiel ging entgegen aller Expertenprognosen remis aus. Die weiteren Spiele:

1. Partie: Samstag, 25.November um 15 Uhr : remis
2. Partie: Montag, 27. November 15 Uhr: Fritz
3. Partie: Mittwoch, 29. November um 15 Uhr
4. Partie: Freitag, 01. Dezember um 15 Uhr
5. Partie: Sonntag, 03. Dezember um 15 Uhr
6. Partie: Dienstag, 05. Dezember um 15 Uhr

Neues aus Kalmückien

Wum und Wendelin Wladimir und Wesselin spielen wieder miteinander.

Topalows Taktik: Toiletten-Theater

Da duellieren sich in der Hauptstadt der Kalmücken die beiden besten Schachspieler der Welt, und niemand berichtet. Zumindest nichts über die Toiletten-Affäre.

Es ist nämlich so: Wesselin Topalow aus Bulgarien und der Russe Wladimir Kramnik ermitteln in zwölf Partien den wahren Schachweltmeister. Bislang gab es einen des Weltschachbundes FIDE und seit 1993 einen externen, meist war das der Bessere. Topalow (FIDE) und Kramnik (der Bessere) wollen nun im so genannten Wiedervereinigungskampf diese Zweiteilung beenden.

Dementsprechend zickig sind die beiden, was die äußeren Bedingungen der WM betrifft. Und hier kommen endlich die Toiletten ins Spiel. Topalow liegt aktuell 1:3 hinten und beschuldigt Kramnik des Toiletten-Schmus:

Die Topalov-Delegation beschwert sich, dass Kramnik während der Partien außergewöhnlich oft die Toilette aufsucht, den einzigen Raum ohne Videoüberwachung, und fordert, dass beide Spieler von nun an die öffentliche Toilette benutzen sollen. Andernfalls würde ernsthaft der Abbruch des Wettkampfes in Erwägung gezogen.

Der Protest zeigte Wirkung, beide Denksportler grübeln fortan auf derselben Klobrille. Damit aber nicht genug: Kramnik meckert nun seinerseits, weil das Beschwerdekommittee einfach mal eben die vorher vereinbarten Regeln ändert. Die eigene Toilette sei sehr wichtig für Mr. Kramnik:

The reasons that Mr. Kramnik is entering his own bathroom often is simple: The restroom is small and Mr. Kramnik likes to walk and therefore uses the space of the bathroom as well. It should also be mentioned that Mr. Kramnik has to drink a lot of water during the games.

Topalow wiederum ist ebenfalls nicht komplett zufrieden mit der Entscheidung und will Kramnik jetzt nicht mehr die Hand geben und mit ihm zur Pressekonferenz geben. Experten vermuten, das Toiletten-Theater ist nur Taktik von Topalow.

Aber wir sind immer noch nicht fertig.

Heute soll das fünfte Spiel stattfinden. Sicher ist das allerdings nicht:

Nachdem Partie 5 heute mit einer Verzögerung von 22 Minuten offiziell gestartet wurde, wartet Topalov am Spieltisch auf Kramniks ersten Zug. Kramnik ist nach 30 Minuten immer noch nicht erschienen. Anscheinend befindet er sich in seinem Ruheraum und wartet, dass die vertraglich fixierten Spielbedingungen wiederhergestellt werden, genauer: dass seine Toilette, die inzwischen wohl abgeschlossen wurde, wieder für ihn zugänglich gemacht wurde, so heißt es aus Elista.

Herrlich. Gibts das eigentlich irgendwo live? Netz, TV, Radio? Was gäbe ich für ein paar verruckelte Bilder aus Mr. Kramniks Ruheraum. Na immerhin ein Bild:


fotos_worldchess2006.com

Bevor neue Nachrichten eintrudeln, noch zwei Links zur geistigen Erbauung: Die Zeit beschrieb anlässlich der WM 2004 unter anderem die Rolle von Kramniks Manager Carsten Hensel und der autonomen Republik Kalmückien im Schachbetrieb. Und schließlich: Die 10 schönsten Schachfrauen der Welt.

Nachtrag: Auf der Live-Seite von worldchess2006.com wird Topalow derzeit als Sieger von Partie fünf geführt. Offenbar ist Kramnik nicht angetreten. Kramnik ist laut chessbase.com nicht angetreten. Das Duell stünde steht somit 2:3:

Im Moment ist unklar, wie es in Elista weiter gehen soll.

Elektronisches Doping

Jahaa! Nix mit Blut und Epo, Marihuana und Zahnpasta, Anabolika und Koffein – das mobile Telefon ist der Übeltäter. Zumindest in einer Sportart, von der nicht wenige glauben, dass es gar keine solche ist: Schach.

Shredder mobile, die neue Software von Stefan Meyer-Kahlen, macht aus dem Handy nämlich einen Weltklasseberater für die Hosentasche und ist seit Anfang September um 25 Euro zu haben.

Ein Fuentes der Schachszene, der Springstein der 64 Felder. Überhaupt scheint die internationale Schachszene schon ziemlich versaut zu sein:

Wenn Patzer auf einmal wie Meister agieren, stecken immer öfter elektronische Helfer dahinter. Eifrige Schiedsrichter sind schon auf Toilettenschüsseln geklettert, um zu überwachen, ob der Spieler im Häuschen daneben mit einem Handcomputer zugange war. Nun werden sie das wohl häufiger tun, und man wird wohl bei immer mehr Turnieren Metallschleusen sehen, wie man sie sonst vom Flughafen kennt.