Archiv der Kategorie 'Leichtathletik'

Sport im April

Merkwürdig: Nachdem die Rekorde für das längste Eishockeyspiel in Deutschland jüngst reihenweise gepurzelt sind, haben sich auffallend wenige Fußballprofis über ihr sonst gerne bejammertes (englisch-)wöchentliches Arbeitspensum beschwert. Jedenfalls beginnen am 13. April die DEL-Playoffs, ein mögliches fünftes Entscheidungsspiel am 22.4. müsste ohne Penaltyschießen entschieden werden.

Am 19. suchen Bayern München und Borussia Dortmund in Berlin den Fußball-DFB-Pokalsieger. Die Hauptstadt wird in schönstem Schwarz-Rot-Gelb erstrahlen, West-Charlottenburg wird dezent nach Fanpisse riechen, und trotz Weltmeistertitel ohne Gegentor wird eine der häufig gestellten Fragen wieder mal lauten: „Wer spielt eigentlich bei den Frauen?“

Ein paar Minuten später, also in der Nacht zum 20. April, beginnen die NBA-Playoffs. Und sollten die Dallas Mavericks den Zwei-aus-Dreikampf gegen Denver und Golden State nicht verlieren, kann die deutsche Nationalmannschaft namens Dirk Nowitzki wieder einmal ein paar Spiele lang, doch am Ende schließlich vergeblich gegen seinen Spitznamen „der Bayer Leverkusen des nordamerikanischen Basketballs“ ankämpfen.

Mit kleineren Bällen spielen einige distinguierte Herren im englischen Sheffield ab 19. die Weltmeisterschaft im Snooker aus. Das nach den schönsten Bahnstrecken der Welt beste TV-Sedativum für Männer ist fest in britannischer Hand, aktueller Titelträger ist der Schotte John Higgins. Die unumgänglichen Hinweise auf das Snookerblog und Rolf Kalbs Eurosport-Break soll nicht fehlen.

Am 21. April, dem amerikanischen Patriot’s Day, fällt traditionell der Startschuss zum Boston Marathon. Seit 111 Jahren schon schrubben ehrgeizige Langläufer in Massachusetts ihre Glückskilometer. Im vergangenen Jahr sorgte Petrus für die schlechtesten Siegerzeiten der letzten drei Dekaden. Wenn das hier jemand liest, der mir plausibel erklären kann, warum man solange über asphaltierte Straßen hetzen sollte, möge er sich bitte mitteilen.


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März
Februar
Januar

Der diskuswerfende Leibwächter

Virgilijus Alekna ist Litauer, sehr groß und sehr schwer sowie amtierender Europameister und Olympiasieger im Diskusweitwurf. Wenn er im Mittelgang eines handelsüblichen Busses steht, kann er auf beiden Fensterfronten seine Fingerabdrücke hinterlassen – gleichzeitig. Außerdem hat Alekna einen Job, der mal ein wenig Schwung in die Werferszene bringt: Seit 1995 verdingt er sich als Leibwächter des litauischen Präsidenten.

Ich finde, Franka Dietzsch sollte bei der Sparkasse aufhören und mal ein ernstes Wörtchen mit Frau Merkel reden. Marktlücken sind schließlich dazu da, gefüllt zu werden.

Vicky Watzek darf nicht mehr radschlagstoßen

Die Erde ist eine Scheibe, Maschinen können keine Musik machen, Hochspringer hüpfen mit den Beinen voran und Kugelstoßer …

… , tja, Kugelstoßer haben beim Schwungholen gefälligst auf ihren Beinen zu bleiben. Sagt der Internationale Leichtathletikverband (IAAF). Grund für die Regelerweiterung Note: Cartwheeling techniques are not permitted ist die österreichische Mehrkämpferin Veronika Watzek. Die mehrmalige Staatsmeisterin im Kugelstoßen und Diskuswerfen schwingt die Kugel seit zwei Jahren probeweise mit einem einhändigen Radschlag an, was ich sehr erstaunlich finde und wie folgt aussieht:

Die IAAF begründet das Radler-Verbot mit Sicherheitsgründen, und in der Tat soll Watzek schon das ein oder andere Mal aus dem Kugelstoßring gekullert sein. Die 22-Jährige sieht die Regeländerung allerdings etwas anders:

Offenbar wurde so entschieden, weil wir den Athleten, die die konventionelle Drehstoßtechnik anwenden, die Show stehlen. Ich habe eine biomechanische Analyse machen lassen, bei der ausgerechnet wurde, dass ich mit dem Rad an die Weiten der Weltspitze herankommen könnte. Und gerade für Mehrkämpferinnen wäre diese Technik eine Chance gewesen, weil bei ihnen die Kugelleistungen im Vergleich zu anderen Disziplinen deutlich abfallen.

Untersuchungen des Technologischen Gewerbemuseums in Wien sollen ergeben haben, „dass der geradlinige Beschleunigungsweg bei Veronikas Cartwheel-Technik wesentlich länger ist als bei ihrer Angleittechnik“. Längerer Beschleunigungsweg – mehr Weite. Könnte man denken.

Jedoch: Der weiteste Radschlagkugelstoß von Veronika Watzek bisher flog bis 15,06 Meter. Es gebe noch Probleme, den Mords-Schwung auch richtig abzufangen. Schade.

Noch mehr cartwheel-shotputs gibt es hier und hier. Schön auch der Kommentar unter dem Watzek-Schnipsel:

i think yhat it is only joke, because profesionals throwers wouldnt throw like him

Das zweite Kommen ist nahe

Dejagah, Israel, Sport.

„Sport, Israel?“, klüngelte die Zwischenhirnrinde Alarm, wenn sie denn klingeln könnte; da war doch mal was, ja was war denn da mal, und nach Pauergugeln bin ich dann doch noch drauf gestoßen:

The Grand Prix priest. Israel fulfillment of prophecy says the Bible, the second coming is near

Diese beschwörerischen Worte füllten ein Schildeken, das ein durchgeknallter irischer Priester, der zudem betrunken gewesen sein soll, beim Olympischen Marathon 2004 um den Hals trug, als er den bis dahin Führenden ungefähr bei Kilometer 34 von der Strecke zerrte, worauf dieser 20 Sekunden Zeit verlor, am Ende nur Dritter wurde und vom Rogge-Jacques zu schlechter Letzt noch so ’ne pissige Fairplaymedaille umgebaumelt bekam. Die ganze traurige Geschichte des Cornelius Horan steht im Lexikon.

Und damit der Boulevard nicht zuckt: Mit Herrn Dejagah hat das überhaupt nichts zu tun. So sind sie eben, diese Assoziationen. Kommen und gehen. Und sind dabei komplett schlagzeilenungeeignet.

Brüderlein und Schwesterlein

Christina Obergföll Dirk Nowitzki

Die schnellsten Frauen der Welt

War das knapp! Minutenlang standen die 100-m-Finalistinnen in Osaka noch auf der Bahn, mal jubelte die eine, mal die andere, bis das endgültige Ergebnis endlich auf der Anzeigetafel aufleuchtete: Veronica Campbells Torso gewinnt den Sprint in 11,01 Sekunden mit einem, nun ja, einem Hundertstel kleinen Vorsprünglein auf die Torsi zwo und drei:

The athletes shall be placed in the order in which any part of their bodies (i.e. torso, as distinguished from the head, neck, arms, legs, hands or feet) reaches the vertical plane of the nearer edge of the finish line as defined above.

(aus den offiziellen Regeln)

Wie man aber wie Miss Campbell hier im Bild mit beiden Armen voran ein 100-Meter-Lauf beenden kann, erschließt sich mir nicht recht. Das ist in etwa wie die alten Schwarzweißfilme mit dem Straddle beim Hochsprung, wobei die Athleten nach einem tipselnden Anlauf bäuchlings über die Querlatte rübergemacht haben.

Irgendwie komisch.

Leichtathletik-WM im Netz

ARD
ZDF
offizielle Seite (englisch)
IAAF-Seite (englisch)
Eurosport
WM-TV auf WCSN
Fantasy-Spiel zur WM

Warum mitlaufende Uhren verbannt werden sollten


foto_flickr

Dazu zählt beispielsweise für mich die Überlegung, mittelfristig darüber nachzudenken, ob man im Fernsehen etwa während eines 100-Meter-Laufes die mitlaufende Uhr aus dem Bild verbannt, weil das Publikum sonst immer so stark auf diese Zeiten fokussiert ist und es am Ende mehr um Rekord und Höchstleistungen geht, als um den Sieg.

ARD-Dopingexperte Hajo Seppelt in einem Interview über das Rekordstreben in der Leichtathletik. Morgen beginnen im japanischen Osaka die Weltmeisterschaften.

Kugelstoßerhumor

Wie nennt der deutscher Kugelstoßmeister Peter Sack seine gemeinsam mit seinem ebenfalls nicht schlecht kugelstoßenden Bruder René betriebene Internetseite?

Genau.

(Und ich hätte die Titelillustration nicht fleischfarben koloriert.)

Heute neu: Leichtathletik.de

Die Anlaufstelle für Leichtathleten und Interessierte des Laufen, Springen und Werfens hat sich fein gemacht. Nach fünf Jahren in hellblau zeigt sich leichtathletik.de seit heute Nachmittag in rot und sandfarben.

Ursprünglich sollte Anfang Mai alles schon fertig sein, aber dann noch dieses und jenes und schwupps war es Mitte Juni. Gelohnt hat sich das Warten: Flash-Header, Briefmarken-Bildchen und framesets wichen einem schlichten Textkopf (der aber merkwürdigerweise nicht verlinkt ist), Breitformatfotos, RSS und einem Haufen CSS und Javacsript.

Leider hat der Verband es verpasst, der Rubrik Youth Athletics endlich einen vernünftigen Namen zu geben. Die Navigation ist nach oben geflutscht, die Unterpunkte gibts dann wie gehabt am linken Rand. Beim Text wird zu Gunsten der Gesamtoptik mehr mit Grautönen gearbeitet, die Seite ist aufgeräumter und wirkt durch die sehr dezenten Sandflächen größer als die alte Wasser-Optik.

Dass das jüngst erneuerte DLV-Logo von CNN und Vobis geklaut ist, hatte ich ja damals schon erwähnt.

Zahl des Tages: 43,5

Ein Marathon-Lauf ist 42,195 Kilometer lang, das weiß jeder Gelegenheitsjogger. Eine der berühmtesten Ausnahmen ist der Marathon beim Rennsteiglauf, der seinen Teilnehmern naturbedingt knapp anderthalb Kilometer mehr abverlangt.