Archiv der Kategorie 'Geschichte'

Parteitag

Da schoss ein Nürnberger, der früher bei Düsseldorf gespielt hat, im Spiel gegen Düsseldorf das entscheidende Tor für Nürnberg. Und ich sage, das muss für Detlef Szymanek ein innerer Reichsparteitag gewesen sein. Um Gottes Willen, Nürnberg, da habe ich gar nicht daran gedacht.

Manni Breuckmann schämt sich.

„Die Bilder in seinem Kopf sind die Plateauschuhe seines Charismas“


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Ich klebe an den Lippen Uwe Seelers und mein Respekt kennt keine Grenzen. Ich bin neidisch auf diese Bilder in seinem Kopf. Ich finde sein dunkelbraunes, hahnentrittgemmustertes Sakko brechreizerregend. Gerade deswegen und wegen der Kratzerei an den Eiern vor Millionenpublikum hatte ich nicht soviel Souveränität erwartet. Seeler gibt „Uns-Uwe“ als Rolle. In Wirklichkeit ist er ein scheissecooler kurzer Mann, der für adidas seit 40 Jahren erfolgreich noch an den letzten zweifelnden Hinterhof-Sporthändler die aktuelle hip-hop-Streetfucking-wear verkauft. Die Bilder in seinem Kopf sind die Plateauschuhe seines Charismas.

Texte wie dieser hier, geschrieben von einem Menschen mit dem höchst entspannten Pseudonym MC Hausmacherleberwurscht, sind der Grund, warum sich die so genannten Paparazzi auf dem nach ihnen benannten Portal das Attribut höflich gegeben haben.
Auch nicht uninteressant:

Es handelte sich um eine Stereoanlage und eine riesige Anzahl von Schlümpfen und Schlumpfhäusern. Ein Sammler, ein Schlumpfsammler, der Mann. Besagter Spielervermittler wusste ausserdem später zu berichten, dass sich Littbarski in der Folgezeit im eigenen Keller eine ‚Schlumpfwelt‘ eingerichtet hatte. Schön, sich vorzustellen, was sich dort für Szenen abgespielt haben mögen.

Sehr bildhaft vorgetragen folgender Fauxpas, der für den Autor glücklicherweise nicht mit einem technischen K.O. endete:

Auf einmal steht Graciano vor mir. „Wir haben jetze een echtet Problem, wa?“ versucht er zu artikulieren. „Keener nennt meenen Hund schwul, wa?“ Die Musik verstirbt, Gespräche verrecken, meine Runde weicht einen halben Meter zurück.

Außerdem erfahrenswert: Franz Beckenbauer lässt nicht genügend Sicherheitsabstand:

Und der Kaiser war leider toll. Besorgt, bemüht, freundlich und reuevoll. Schrieb uns die Nummer eines Menschen (Anwalt? Berater? Referent?) auf, an den wir uns wegen Schadensbegleichung wenden sollten. Machte einen flauen Witz (‚Fahrerflucht macht in meinem Fall wenig Sinn!‘ nicht wörtlich, aber so ähnlich), fragte nochmal, ob uns wirklich nichts passiert sei und fuhr dann seiner Wege. Er fuhr selber und er sass alleine im Auto. Der Blechschaden bei mir war minimal und ich habe die Beule immer noch im Heck. Meine Kaiser-Beule. Mein Auto-Gramm.

Die drei Jahreszeiten

Zum Sommermärchen planen wir ein mehrtägiges Oktoberfest mitten im Mai.

Irgendwie, so scheint mir, ist diese Wortmann-Kreation ein wenig außer Kontrolle geraten.

Wer hat einen Fotoapparat für Oliver Kahn?

Oliver Kahn, stellt sich dann heraus, hat noch nicht mal einen Fotoapparat.

Henning Sussebach hat für das Zeit-Magazin erneut über Oliver Kahn geschrieben. Das ist lesens- und aber auch deshalb bemerkenswert, weil der erste Porträtversuch vor zwei Jahren großartig gescheitert war. Jetzt sind Kahn und Kahns Manager offenbar altersmilde geworden.

Jedenfalls hoffe ich insgeheim, dass Hertha am Sonnabend in den Schlussminuten gönnerhaft einen Elfmeter verursacht, den das Titanchen mit einem vollkommen unromantischen Vollspannstoß in die Mitte verwandelt, woraufhin er aufgrund seines ersten Torerfolgs heulend zusammenbricht und vom Stadion direkt zu seiner Mittelmeeryacht jettet.

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Zeitenwechsel
Das Kahn-Prinzip
Kahn, schwarz-weiß

Zeitenwechsel

Aller schlechten Dinge sind drei.

1999. Seine Mannschaft steht im wichtigsten Klubfinale der Welt. Sie geht in Führung, dominiert das Spiel, trifft das Aluminium, wichtige Spieler werden in Siegesgewissheit ausgewechselt. Er hat wenig zu tun, wähnt sich als Sieger, Erster, Bester. Diese Sicherheit wird er nie wieder haben. Immer wieder denkt er später an dieses Spiel und bläut sich ein, nie wieder so sicher zu sein, wenn er den Abpfiff noch nicht gehört hat, immer weiter zu machen. Er denkt an den Schock nach dem späten Ausgleich, der allerdings nicht lange währte, weil er durch ein nachspielzeitiges Fußball-Koma abgelöst wurde. Ich habe dieses Spiel mit einem echten Bayern-Fan erlebt und konnte anschließend mein Mitleid in Kilogramm messen.

2002. Er ist der Beste des Turniers. Er hat seine Mannschaft mit einer konstant guten Leistung ins Finale gespielt, er ist die sichere Bank, derjenige, auf den sich alle verlassen können. Er hat sich auf dem Fußballolymp gesehen und in der letzten Partie selbst von den Stufen geschubst. Er hat ihn nicht festgehalten, diesen eigentlich festhaltbaren Ball. Es war der Anfang vom Ende, vom Ende dieses Spiels, dieser WM und seiner Hoch-Zeit. Er wurde wieder Mensch; und der Pfosten, an dem er schließlich konsterniert lehnte, hätte eigentlich für einen guten Zweck versteigert werden müssen.

2008. Seine letzte Spielzeit. Er hütet das Tor der besten Mannschaft Deutschlands, auf seiner Abschiedstournee werden alle, Freunde und Feinde, versöhnlich. Sie gönnen ihm die Meisterschaft, sie gönnen ihm den Pokalsieg. Durch den Uefa-Pokal huscht das Team so durch, sein fatalistischer Ausflug in gegnerische Strafraumgestade rettet das Halbfinale. Dort ist Schluß. Eine in Form und Inhalt vernichtende Niederlage besiegelt seine internationale Karriere, vier Mal muss er den Ball aus dem eigenen Netz klauben. Ein Titan der alten Schule scheitert an einer russischen Gas-Mannschaft. Es ist ein Zeitenwechsel. Hätte man ihn gefragt, hätte er sich vermutlich eine legendäre Fußball-Schlacht in Barcelona, Manchester oder Mailand für sein europäisches Byebye gewählt. Falsch: Er hätte sich natürlich einen sicheren Finalsieg in Moskau erbeten. So wurde er mitsamt Riberoni und der halben Nationalmannschaft von einer souveränen Staatskonzern-Elf gedemütigt. Aber er wird es wie ein Mann nehmen, ganz sicher.

Auf Wiedersehen, Oliver Kahn.


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Nachschlag: Die 17 schönsten Bayern-Schlappen

Bandy

Wo bei der Vorstellung des Schachboxens hier bereits ein hübscher Vertreter des Sportarten-Mischens aufschlug und die Thematik mit der Kombination Fußball und Sand anschließend noch vertieft wurde, möchte ich den fast verflüchtigten Winter noch schnell nutzen, um auf das wundervolle Fußballfeldeishockey hinzuweisen. Und da offenbar vor zwei Jahrhunderten jemand global gedacht hat, nennt sich das Ganze kurzknapp Bandy und sieht so aus (Pump up the volume! Endlich mal Scooter ins Blog gehievt):

Das Spektakel stammt in seiner Sportform aus England und hat sich größtenteils in den klassischen (Eis)-Hockey-Nationen Skandinavien, Kanada und Russland niedergelassen. Es gibt orangene Bälle, blaue Karten, eine Auslinie, Abseits, gespielt wird 11 gegen 11 und 2×45 Minuten. Leider krachen nur selten Menschen gegen Werbebanden, weshalb sich später das Halleneishockey durchsetzen konnte.

Was der VfB, das Westfalenstadion und Hertha BSC mit dem 2. April zu tun haben

Was viele gar nicht wissen: Der 2. April ist kein ganz unbedeutendes Datum. Zwar ob seines Humorgehalts kaum mit seinem Vorgänger vergleichbar, dennoch aber nicht unwichtig, besonders, wenn es um deutschen Fußball geht.

Was zunächst mit dem FV Stuttgart und dem Kronen-Club Cannstatt als zwei Rugby-Clubs begann, endete mit der Fusion am 2. April 1912 als VfB Stuttgart. Der Verein für Bewegungsspiele brachte die Jugendarbeit, den schwäbischen Dialekt und das Magische Dreieck in die Bundesliga. Und, was kaum noch jemand weiß vor lauter Bayern München, der VfB Stuttgart ist amtierender Deutscher Fußballmeister.

Am 2. April 1974 wird das Westfalenstadion in Dortmund mit dem Klassiker gegen Schalke eingeweiht. In den folgenden Jahrzehnten entwickelt sich das Stadion zu dem Fußball-Tempel Deutschlands, was nicht zuletzt das Neuville-Tor gegen Polen und das Verlängerungs-Aus gegen Italien bei der WMnullsechs eindrucksvoll bewiesen haben. Diverse Zuschauerrekorde wurden mittlerweile aufgestellt, und im Westfalenstadion mal eine volle und voll funktionsfähige Südtribüne live bestaunt zu haben, gehört zu auf jede seriöse „Was muss ich vor meinem Tod alles erlebt haben“-Liste.

Außerdem sagt das Lexikon, Hertha BSC sei an einem 2. April gegründet worden. Im Wikipedia-Artikel selbst als auch beim Verein ist jedoch der 25. Juli als Hertha-Gründungsdatum genannt. Die meisten Webquellen verweisen auch auf den 25.7.1892. Jedenfalls passt dieses kleine historische Netz-Kuddelmuddel ganz gut zur derzeitigen Form der blauweißen Tante – von ihrem Image jetzt mal ganz zu schweigen. Da können sie an der Spree noch so viele unsinnige Werbekampagnen schalten, solange sie keinen grandiosen Ball kicken oder übermäßig Erfolg haben, ist Hertha BSC in puncto öffentliche Wahrnehmung auch nur einer von drei Fußball-Bundesligisten aus dem Osten.

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Der Fußballspruch des Jahres 2007

In schöner Regelmäßigkeit ist Fußball doch immer das Gleiche.

Hans Meyer, 2007

Die Plätze zwo bis zehn sind hier aufgelistet, die aus 2006 jibbet dort.

Mondlahmdung

Bloggen ist das Bohren dicker Bretter, weiß man ja seit heute, und dann wollnwermal:

Astronaut Edwin „Buzz“ Aldrin war der erste Mensch, von dem ein Foto auf dem Mond gemacht wurde. Der Pilot der 69er Mondlandefähre war aber bereits drei Jahre zuvor das erste Mal in den Weltraum geflogen, am 11. November 1966 mit Gemini 12.

Genau 17 Jahre später, am 11. November 1983, erblickte der spätere Fußballspieler Philipp Lahm in München das Licht der Welt. Mit seinem Spezialtrick von der linken Außenbahn nach innen schwenken und den Ball ins lange Eck schlenzen eröffnete er die WM 2006 und scheiterte später dutzende Male an gelangweilten Außenverteidigern.

Und weil der 11. November außerdem der Geburtstag des amerikanischen Schauspielers mit deutschen Wurzeln namens Leonardo di Caprio sowie der Beginn der Karnevalszeit ist, staunt man nur wenig über diese Karte, die die erste menschliche Mondlandung 1969 auf ein Fußballfeld projeziert und dabei exakt den Laufradius von Philipp „Wireless“ Lahm beim jüngsten 2:1 gegen Leverkusen nachzeichnet.


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(Und wenn das jetzt kein dickes Brett war, weiß ich auch nicht.)
via

Dreimal Fußballfeedfutter, bitte!

Kid Klappergass quetscht Luciano Pavarotti, Edward Hopper und Eintracht Frankfurt in einen Beitrag und startet medienkritisch:

„Unbeschreiblicher Jubel“, lese ich in einer Zeitung oder höre im Radio von „unbeschreiblichen Szenen“, die sich gerade abspielen. In diesen Momenten reagiere ich leicht gereizt, weil ich mir sage, dass sich da gerade jemand vor seiner Arbeit drückt.

Der Stammplatz hat ihn gesucht und gefunden, den Mann mit früher mal schönste Frisur im Nordosten:

Er war auf seine Art ein Ästhet des Strafraums, wirkte fast vorsichtig im Umgang mit Ball und Gegner. Er war wie der große Onkel beim Kindergeburtstag, der den Kleinen beim Kick im Garten nicht aus Versehen weh tun wollte. Und nach seinen Toren drehte er ab, trudelte langsam aus wie ein Bodybuilder, der vor lauter Kraft nicht laufen kann, und küsste seinen Ring.

Die Süddeutsche Zeitung taucht kurz mit großen Kinderaugen in die schöne, neue Jutjubwelt:

Wer die Suche noch etwas konkretisiert und „Bundesliga“ eingibt, gerät ins Staunen: Da sind nicht etwa Franck Ribérys schönste Dribblings zu sehen, Luca Tonis tollste Tore oder Maik Franz’ derbste Grätschen. Stattdessen, auf Platz eins: „Greatest Bundesliga-Goals of the 80s“.

Wie mal ein kleiner Hund eine Sportart erfand

Der legitime Wochenrausschmeißer:

Am Ende des 19. Jahrhunderts soll dem damals bekannten Kunstradfahrer Nicholas Kaufmann ein kleiner Hund vors Rad gelaufen sein. Um sich den Sturz und dem Tier eine Verletzung zu ersparen beförderte er ihn sanft mit dem Vorderrad zur Seite.

Und Radball was born. Wieder mal eine dieser unbekannten Sportarten wie Faustball, Rodeln oder Losglückhaben, in denen Deutschland führend ist. Die Radballräder sehen aus wie Kunstinstallationen, in den Bällen stecken Haare vom Reh, und auch beim Radball stellt sich im Endeffekt die alles entscheidende und hiermit im Bewegtbild verewigte Kommentarfrage: „Gewinnen die oder wir?“