Archiv der Kategorie 'Fußball Bundesliga'

Zeigt her eure Füße, zeigt her eure Schuh …

… und sehet den fleißigen Fußballspielern zu:
Sie spielen, sie spielen, sie spielen den ganzen Tag.
Sie spielen, sie spielen, sie spielen den ganzen Tag.


foto_monster

Nur mal so ein viel zu kurz gedachter Gedanke eines vollkommen vereinsunabhängigen, nur regional und lokal aktiv konsumierenden Sportbegeisterten zum neuen DFL-Spielplan: Wer sich zu Recht darüber aufregt, sollte seine Beschwerde meiner Ansicht nach auch an die Adresse der in den letzten Jahren nicht gerade zu Boden sinkenden Anzahl an Stadiongängern, Pay-TV-Abonennten und Fernsehfans mit GfK-Kiste richten, die es offenbar vermieden haben, den Entscheidern ein klares Statement auf die Stirn zu tackern. Die Volksabstimmung per Fernbedienung und Eintrittskarte mögen manche vielleicht mit den Attributen „wirkungslos“ und „anachronistisch“ belächeln, aber wer keine Grenzen setzt, darf die jetzige Salamitaktik namens „Dann reizen wir die Grenzen eben weiter aus“ nur bedingt beheulen.

Aber ich hab‘ auch gut schreiben, so als Nicht-Junkie.

Wer hat einen Fotoapparat für Oliver Kahn?

Oliver Kahn, stellt sich dann heraus, hat noch nicht mal einen Fotoapparat.

Henning Sussebach hat für das Zeit-Magazin erneut über Oliver Kahn geschrieben. Das ist lesens- und aber auch deshalb bemerkenswert, weil der erste Porträtversuch vor zwei Jahren großartig gescheitert war. Jetzt sind Kahn und Kahns Manager offenbar altersmilde geworden.

Jedenfalls hoffe ich insgeheim, dass Hertha am Sonnabend in den Schlussminuten gönnerhaft einen Elfmeter verursacht, den das Titanchen mit einem vollkommen unromantischen Vollspannstoß in die Mitte verwandelt, woraufhin er aufgrund seines ersten Torerfolgs heulend zusammenbricht und vom Stadion direkt zu seiner Mittelmeeryacht jettet.

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Zeitenwechsel
Das Kahn-Prinzip
Kahn, schwarz-weiß

Bayern zensieren Bayern

Die taz nennt es Maulkorb, die SZ druckt einen kleinen Sondertext darüber, vergisst jedoch, ihn auch online zu stellen; und ich habe wieder mal einen Grund gefunden und ihn zu den anderen 37 gesteckt, warum mich die professionellen Ligen immer weniger interessieren. Ribery hofft auf neue Spieler, Rummenigge will das nicht in der Zeitung lesen, und schwupps, wird das Bayern-Mediendirektorat tätig.

Kurz vor Redaktionsschluss – selbstverständlich genau dann, denn da kann eine Redaktion nicht mehr reagieren – hatte die Presseabteilung, angeblich auf Geheiß von Vorstandchef Rummenigge, diese „zentralen Passagen gestrichen“.

Tja, liebe Süddeutsche, schon blöd, so ein Redaktionsschluss.

Zeitenwechsel

Aller schlechten Dinge sind drei.

1999. Seine Mannschaft steht im wichtigsten Klubfinale der Welt. Sie geht in Führung, dominiert das Spiel, trifft das Aluminium, wichtige Spieler werden in Siegesgewissheit ausgewechselt. Er hat wenig zu tun, wähnt sich als Sieger, Erster, Bester. Diese Sicherheit wird er nie wieder haben. Immer wieder denkt er später an dieses Spiel und bläut sich ein, nie wieder so sicher zu sein, wenn er den Abpfiff noch nicht gehört hat, immer weiter zu machen. Er denkt an den Schock nach dem späten Ausgleich, der allerdings nicht lange währte, weil er durch ein nachspielzeitiges Fußball-Koma abgelöst wurde. Ich habe dieses Spiel mit einem echten Bayern-Fan erlebt und konnte anschließend mein Mitleid in Kilogramm messen.

2002. Er ist der Beste des Turniers. Er hat seine Mannschaft mit einer konstant guten Leistung ins Finale gespielt, er ist die sichere Bank, derjenige, auf den sich alle verlassen können. Er hat sich auf dem Fußballolymp gesehen und in der letzten Partie selbst von den Stufen geschubst. Er hat ihn nicht festgehalten, diesen eigentlich festhaltbaren Ball. Es war der Anfang vom Ende, vom Ende dieses Spiels, dieser WM und seiner Hoch-Zeit. Er wurde wieder Mensch; und der Pfosten, an dem er schließlich konsterniert lehnte, hätte eigentlich für einen guten Zweck versteigert werden müssen.

2008. Seine letzte Spielzeit. Er hütet das Tor der besten Mannschaft Deutschlands, auf seiner Abschiedstournee werden alle, Freunde und Feinde, versöhnlich. Sie gönnen ihm die Meisterschaft, sie gönnen ihm den Pokalsieg. Durch den Uefa-Pokal huscht das Team so durch, sein fatalistischer Ausflug in gegnerische Strafraumgestade rettet das Halbfinale. Dort ist Schluß. Eine in Form und Inhalt vernichtende Niederlage besiegelt seine internationale Karriere, vier Mal muss er den Ball aus dem eigenen Netz klauben. Ein Titan der alten Schule scheitert an einer russischen Gas-Mannschaft. Es ist ein Zeitenwechsel. Hätte man ihn gefragt, hätte er sich vermutlich eine legendäre Fußball-Schlacht in Barcelona, Manchester oder Mailand für sein europäisches Byebye gewählt. Falsch: Er hätte sich natürlich einen sicheren Finalsieg in Moskau erbeten. So wurde er mitsamt Riberoni und der halben Nationalmannschaft von einer souveränen Staatskonzern-Elf gedemütigt. Aber er wird es wie ein Mann nehmen, ganz sicher.

Auf Wiedersehen, Oliver Kahn.


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Nachschlag: Die 17 schönsten Bayern-Schlappen

Bundesliga-Kicker im Netz: Ernüchternd

Eine ganze Weile habe ich mich jetzt durch die privaten Internetseiten der Kicker-geranglisteten Bundesligaprofis gewühlt. Immer in der Hoffnung, neue, mir unbekannte Seiten der Akteure zu finden. Oder spannende Geschichten, oder spannende Gestaltung. Ernüchternderweise ist das ziemlich frustrierend.

Das Schlussfazit: Sieg für Robert Enke, Diego, Ionannis Masmanidis und Moritz „The Hoff“ Volz.

Wieder Ausschreitungen im West-Fußball

Frankfurt, Nürnberg, Gladbach, Köln – es wird wieder mal randaliert in Deutschlands Fußball-Westen. Gewaltforscher Hans U. Pilz dazu exklusiv gegenüber Nachspiel:

Vor allem ist es die niedrige Arbeitslosigkeit. Der Stress und die finanzielle Sicherheit bei vielen jungen Menschen sorge dafür, dass die sich sagen: Wir haben sowieso nichts zu verlieren, können uns jeden Anwalt leisten. Viele dieser Hooligans sind immun gegen Stadionverbote oder eine Verhaftung, weil es eh wieder schnell aus dem Knast kommen.

Die Gewaltszene im Osten sieht laut Pilz anders aus, agiert deshalb auch weniger dumpf: Oft kommen die Schläger dort aus niederen Schichten, sind weniger gebildet. „Die treffen Strafen eher weniger“, sagt Pilz. Die zweite Ursache sind seiner Ansicht nach die neuen Stadien im Westen, in denen jeder Winkel videoüberwacht wird und somit Reize zur Selbstdarstellung der Ultras gegeben sind.

Und ein weiterer Grund sei hausgemacht: Der DFB unterstützt nur die Fanprojekte von der ersten bis zur dritten Liga finanziell. Im Westen gibt es zahlreiche erst- und zweitklassige Klubs mit großem Fanpotential. Die können sich ohne das Geld vom Verband jede Menge hauptamtlichen Sozialarbeiter leisten. Bei Problemklubs wie dem 1. FC Köln oder dem 1. FC Nürnberg gebe es „im Prinzip viel zu viele, die präventiv arbeiten“, beklagt Pilz. Und das trotz äußerst schwierigem Umfeld.

Textbausteine von hier

Zum Einsetzenden Wehklagen

Nächstes Jahr wird es bei uns eine klare Devise geben – und das vom ersten Spieltag an: Wir müssen dafür sorgen, dass nächstes Jahr wieder das Wehklagen einsetzt, wenn die anderen uns in der Tabelle mit dem Fernglas anschauen.

Das Zitat liegt bei mir seit elf Monaten auf Wiedervorlage. Jetzt nicht mehr.

„Deine Mutter klaut bei Kik!“

Kürzlich haben Sie sich kaputt gelacht, als ein Comedian in Ihrer Sendung gesagt hat: „Deine Mutter klaut bei Kik!“ Ist das ihr Sinn für Humor?
Raab: Ja, wenn Sie das jetzt so schreiben, hört sich das scheiße an. Ein Witz lebt vom Timing. Waren Sie mal bei Kik? Das kennt Ihr SZ-Typen gar nicht, ne? Gehen Sie mal hin. Sie werden mich anrufen und sagen: Das war der lustigste Witz, den ich je gehört habe.

Erstaunlich ist ja, dass sich der von Stefan Raab angesprochene Textil-Discounter passenderweise zwei Bundesligisten mit eher unterdurchschnittlichem Glamour-Faktor an die Brust geschmissen hat. Bochum und Hansa treffen am finalen Spieltag aufeinander, und die dann sicherlich wieder intensiv diskutierte Konstellation ist nach derzeitigem Stand nicht unwahrscheinlich: Dass sich Abstieg oder Klassenerhalt in jenem Match entscheiden kann.

Aber natürlich hält sich der Sponsor aus diesen sportlichen Fragen komplett heraus.

Der Veruntreute

(Wer den Agenturrechtschreibfehler findet, braucht sich dennoch nichts einzubilden.)

Die ganze Situation ist enttäuschend. Das ist ein Schlag ins Gesicht. Ich bin 14 Jahre hier, habe mir nie etwas zu schulden kommen lassen.

Sagt Bernd Dreher, Torwarttrainer bei Bayern München. Der Künftige, Jürgen Klinsmann, möchte nämlich jemand anderen als Sepp-Maier-Nachfolger. Dreher könnte nun – dem gnädigen Hoeneß sei Dank – Amateur- und Jugendtorwächtern das Toreverhindern lehren. Im Moment ist er aber nur stinkig.

Verständlich. Er hat sich bestimmt schon ausgemalt, wie es denn wäre, so als Bayernobertorwarttrainer. Mit Klinsi und diesem exotischen Mexikaner, und Nerlinger, und dann noch dieser dynamische Amerikaner. Und mit dabei: Bernd Dreher. Der übungsleiterische Neuanfang bei Bayern München hätte auch seinen Namen getragen. Er hätte dem Rensing seine Keeper-Handschrift verpasst, die Bernd-Dreher-Torwart-Schule hätte Einzug in die Fußballtore europäischer Spitzenclubs gehalten.

Stattdessen: Amateure und Nachwuchs.

Wer wäre da nicht sauer, wer könnte die mediale Trotzbockigkeit Bernd Drehers nicht nachvollziehen, gerade beim deutschen Fußballmedienparadies Bayern München. Dennoch: Entweder bringt Dreher harte fachliche Armgumente, oder er jault drei Klage-Oktaven tiefer. Ersteres verbietet sich, mit einem Querulanten, und habe er noch so Recht, möchte niemand bei einem Verein als Trainer beginnen. Zweiteres, tja, zweiteres ist oft die bessere, leider nur ganz selten auch wirklich angewandte Alternative.

Dreher spielt also den Veruntreuten und schmeißt zwei der furchtbarsten Begründung auf den Tisch, die es in puncto Fachkompetenz überhaupt gibt:

1. Ich bin schon xx Jahre hier.
2. Ich habe mir nichts zuschulden kommen lassen.

Ich kenne das Torwarttraining Bernd Drehers nicht, wahrscheinlich gehört es zu den besten der Republik. Aber aus den Tatsachen, dass er knapp anderthalb Jahrzehnte bei ein und demselben Klub gearbeitet hat und, wie er es formuliert, keine goldenen Bayern-Löffel geklaut hat, leitet sich vielleicht ein küchenpsychologisches Kurzgutachten über den Angestellten Bernd Dreher ab, keineswegs jedoch seine Befähigung für den Torwarttrainerposten bei den Bayern unter J. Klinsmann.

Was der VfB, das Westfalenstadion und Hertha BSC mit dem 2. April zu tun haben

Was viele gar nicht wissen: Der 2. April ist kein ganz unbedeutendes Datum. Zwar ob seines Humorgehalts kaum mit seinem Vorgänger vergleichbar, dennoch aber nicht unwichtig, besonders, wenn es um deutschen Fußball geht.

Was zunächst mit dem FV Stuttgart und dem Kronen-Club Cannstatt als zwei Rugby-Clubs begann, endete mit der Fusion am 2. April 1912 als VfB Stuttgart. Der Verein für Bewegungsspiele brachte die Jugendarbeit, den schwäbischen Dialekt und das Magische Dreieck in die Bundesliga. Und, was kaum noch jemand weiß vor lauter Bayern München, der VfB Stuttgart ist amtierender Deutscher Fußballmeister.

Am 2. April 1974 wird das Westfalenstadion in Dortmund mit dem Klassiker gegen Schalke eingeweiht. In den folgenden Jahrzehnten entwickelt sich das Stadion zu dem Fußball-Tempel Deutschlands, was nicht zuletzt das Neuville-Tor gegen Polen und das Verlängerungs-Aus gegen Italien bei der WMnullsechs eindrucksvoll bewiesen haben. Diverse Zuschauerrekorde wurden mittlerweile aufgestellt, und im Westfalenstadion mal eine volle und voll funktionsfähige Südtribüne live bestaunt zu haben, gehört zu auf jede seriöse „Was muss ich vor meinem Tod alles erlebt haben“-Liste.

Außerdem sagt das Lexikon, Hertha BSC sei an einem 2. April gegründet worden. Im Wikipedia-Artikel selbst als auch beim Verein ist jedoch der 25. Juli als Hertha-Gründungsdatum genannt. Die meisten Webquellen verweisen auch auf den 25.7.1892. Jedenfalls passt dieses kleine historische Netz-Kuddelmuddel ganz gut zur derzeitigen Form der blauweißen Tante – von ihrem Image jetzt mal ganz zu schweigen. Da können sie an der Spree noch so viele unsinnige Werbekampagnen schalten, solange sie keinen grandiosen Ball kicken oder übermäßig Erfolg haben, ist Hertha BSC in puncto öffentliche Wahrnehmung auch nur einer von drei Fußball-Bundesligisten aus dem Osten.

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Mondlahmdung

Bloggen ist das Bohren dicker Bretter, weiß man ja seit heute, und dann wollnwermal:

Astronaut Edwin „Buzz“ Aldrin war der erste Mensch, von dem ein Foto auf dem Mond gemacht wurde. Der Pilot der 69er Mondlandefähre war aber bereits drei Jahre zuvor das erste Mal in den Weltraum geflogen, am 11. November 1966 mit Gemini 12.

Genau 17 Jahre später, am 11. November 1983, erblickte der spätere Fußballspieler Philipp Lahm in München das Licht der Welt. Mit seinem Spezialtrick von der linken Außenbahn nach innen schwenken und den Ball ins lange Eck schlenzen eröffnete er die WM 2006 und scheiterte später dutzende Male an gelangweilten Außenverteidigern.

Und weil der 11. November außerdem der Geburtstag des amerikanischen Schauspielers mit deutschen Wurzeln namens Leonardo di Caprio sowie der Beginn der Karnevalszeit ist, staunt man nur wenig über diese Karte, die die erste menschliche Mondlandung 1969 auf ein Fußballfeld projeziert und dabei exakt den Laufradius von Philipp „Wireless“ Lahm beim jüngsten 2:1 gegen Leverkusen nachzeichnet.


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(Und wenn das jetzt kein dickes Brett war, weiß ich auch nicht.)
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