Archiv der Kategorie 'Boxen'

Arthur A. und die ARD

Migration im Sport. Heute: Boxen:

Im Vorlauf wird viel über den Stolz Abrahams geredet, jetzt auch offiziell deutscher Staatsangehöriger zu sein (im Hintergrund glaubt man einen kurzen Moment Sauerland die Hände reiben zu hören, weil vermarktungstechnisch ein Deutscher halt mehr taugt, als ein Schlumpf aus dem Kaukasus).

Und ohne die aas-Diskussion „Hätte der Kampf gestoppt werden müssen?“ hier nachzuerzählen oder den Kampf selbst gesehen zu haben: Es ist gerade mal Montag, und schon wieder muss der Gebührenzahler ARD-Ärger bewältigen. Ich zitiere mal aus dem Box-Ticker vom Abraham-Kampf:

2. Runde: Ausgegliche Runde – Miranda schlägt nach dem Gong und Abraham haut zurück. Was für eine Straßenschlacht hier.
5. Runde: Pause – Abraham kämpft wie King Arthus, aber kann er mit der Verletzung durchhalten.
6. Runde: Die Runde ist vorbei. Aber macht das Ganze hier überhaupt noch Sinn. „Du liegst noch vorn. mach die Deckung zu. Sei ein Mann“, fordert Wegner. Abraham sagt: „Ich kann nicht mehr.“

Und aus den ARD- und ZDF-Texten:

Abraham kämpfte wie ein Löwe, bewies Mut und Courage. (…)
Selbst Manager Wilfried Sauerland litt mit: „Besser wäre es gewesen, in der fünften Runde abzubrechen und auszuzählen.“
Wegner feuerte seinen Schützling in den Pausen immer wieder mit Aufmunterungen wie „Wir sind doch Krieger“ oder „Jetzt entscheidet der Kerl“ an – Abraham gehorchte und wuchs über sich hinaus.

Das ist Profiboxen. Aber dass dieser reale Sportzirkus ARD-Aufmacher ist und fiktionale Werke wie Wut die Bezug zum Leben haben und Menschen zeigen, die „Schwuchteln“ und „ficken“ sagen, dass so ein Film , in der Bedeutungslosigkeit versendet wirden, dass lässt einen mal wieder schmerzlich zusammenzucken, wenn die Gebühren abgebucht werden.

Das gefährdete Wort

Heute: Faustkampf.

Spielertrainer Henry Maske

Oh je, Henry! Da willste nochmal uffn Showgegner Putz hauen, und niemand will dich trainieren.

Teddy Atlas hat laut american arena schon abgesagt, wegen nicht genug Geld. Das Problem: Auch Manfred Wolke fällt wohl als Maske-Trainer weg. Wolke will, darf aber nicht. Das Sauerland hat’s verboten.

Wird Maske eben Spielertrainer.

Warum macht der Maske das bloß?

Lust auf Opas kucken? Maske und Hill auf n-tv ab 12.30.

Back to the Seilgeviert

Alle, die jetzt mit unkoordinierten Hausfrauenpatschern versuchen, auf den Comebacker Henry Maske rumzukloppen, sollten sich in der medialen Ringecke mal ein wenig Frischluft zufächern lassen. Ist schließlich bannig heiß derzeit, da kann man schnell mal kollerkommunizieren.

Henry Maske ist 42 Jahre alt und wird demnächst einen Boxkampf bestreiten. Sein Gegner Virgil Hill ist genauso alt und amtierender WBA-Weltmeister im Cruisergewicht. Rein sportlich betrachtet hat der Fight genau so viel Wert wie Wrestling, die Tour de France oder Gewichtheben bei Olympia. Wer Männer sehen will, die sich vor ihrer demnächst anstehenden Mittlebenskrise nochmal prügeln, muss dafür aber nicht unbedingt RTL einschalten.

Doch wen stört’s?

Wenn Wilfried Sauerland, der sich komischerweise hin und wieder selbst Promoter schimpft, den Kampf im Januar 2007 als „klamaukes Profiboxen“ bezeichnet, ist das ein gar sommerlochiges Hechelheucheln und nix weidda. Denn natürlich ist es das. Was sonst? Wenn Sauerland von „alles sehr seltsam“ spricht und von „nicht ganz glaubwürdig“, dann meint er, über den Maske-Kampf zu urteilen. In Wirklichkeit spricht er aber vom Profiboxen an sich.

Was bleibt?

Ein Masken-Mann, den ich nie ausstehen konnte, nie reden hören konnte, in seiner brandenburgisch-verklärten Aalglattheit. Dass ein Dschäntelmän wie Henry Maske zum Berufsboxen passte wie Lukas Prolldolski ins Philosophische Quartett gehört, fand ich dagegen grandios. Manchmal denke ich, Henry hat sie damals alle verarscht, RTL, Helmut Kohl, Johannes Rau – der ihm das Bundesverdienstkreuz an die breite Brust nagelte – und nicht zuletzt das vereinigte Deutschland.

Jetzt war ihm langweilig.

Seit fast 10 Jahren bin ich nicht mehr im Ring gewesen, in dem Seilgeviert, in dem ich mich 26 Jahre mehr als wohl und auch sicher gefühlt habe. Mein letzter Kampf hatte nicht den Ausgang, den ich mir für das Ende meiner Karriere gewünscht hätte.

Maske wendet sich an Freunde, Gegner und Skeptiker des Boxsports (Ansprache made by Werner Schneyder, geil!), und seine Worte purzeln staubtrocken wie der Rasen im Görlitzer Park aus dem Netz. Ob das Antritts-Geld nun in junge Menschen, neue Schnellimbisse oder die Maske`sche Rente fließt, interessiert mich wie das Stürmerproblem des HSV – kaum.

Ein anderer Aspekt wurde von den Heulhyänen bislang dagegen kaum bedacht. Was hat sich Michael Jordan seinen Ruf mit dem Comeback bei den Washington Wizards versaut. Wir erinnern uns (das wollte ich immer schon mal schreiben): Jordan klaut Karl Malone den Ball, lässt seinen Gegenspieler ausrutschen und entscheidet mit einem eiskalten Jumper Sekunden vor Schluss das NBA-Finale. Der perfekte Zeitpunkt, aufzuhören. Jordan hörte auf – und kam wieder. Warum?

Fragt Jordan. Er managt wohl bald sein zweites Team und hat die Trümmer seines Denkmals mittlerweile ordentlich mit Parolen beschmieren lassen. Vielleicht ist er jetzt einfach glücklicher als zuvor, als er im Sommer seines Lebens als lebende Legende über der Erde schwebte.

Das war bei Henry Maske ganz bestimmt nicht der Fall. Aber ich stempele ihn nicht als Spinner ab, weil er die Niederlage gegen Hill noch nicht abgehakt ab. Er wollte noch einmal boxen, und natürlich tut er das nicht vor den Augen der versammelten Nachbarschaft auf dem Marktplatz seines Wohnorts Overath (was für ein urkölscher Name).

Ich frage mich nur eins: Warum hat er nicht gleich gegen Axel Schulz geboxt? Dafür wäre sogar ich mal wachgeblieben.