Archiv der Kategorie 'Fußball'

Helden wie sie

Provinz rules!

Boris Becker, 40, aus Leimen. Er arbeitet nach einigen Erfolgen im Jugendsport heute als Türsteher einer Disko in Heidelberg, unweit seines Geburtsortes.

Johannes Baptist Kerner, 43, lebt in Hersel, Nordrhein-Westfalen, und betreibt einen Öko-Hof mit vier gemütlichen Gästezimmern.

Jürgen Klinsmann, 43, Konditor aus Göppingen, liebt Fußball: Wenn die Arbeit ihm Zeit gibt, begleitet er das deutsche Team zu internationalen Turnieren.

Kreativ, zuverlässig, fleißig

Aber was zählt auch zum Fußball, zum modernen Fußball? Kreativität, Zuverlässigkeit, fleißig. Das sind alles Kriterien die Homosexuellen bei uns in Deutschland im Berufsleben erstklassig erfüllen. Ich kenne viele Unternehmer die sagen: „Meine besten sind die Homosexuellen.“

Dieses Zitat von Rainer Calmund aus der DSF-“Reportage“ über Homosexuelle im Fußball bestätigt nicht nur meine Skepsis hinsichtlich dieses offensichtlichen Medienparadoxons.
via

„Die Bilder in seinem Kopf sind die Plateauschuhe seines Charismas“


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Ich klebe an den Lippen Uwe Seelers und mein Respekt kennt keine Grenzen. Ich bin neidisch auf diese Bilder in seinem Kopf. Ich finde sein dunkelbraunes, hahnentrittgemmustertes Sakko brechreizerregend. Gerade deswegen und wegen der Kratzerei an den Eiern vor Millionenpublikum hatte ich nicht soviel Souveränität erwartet. Seeler gibt „Uns-Uwe“ als Rolle. In Wirklichkeit ist er ein scheissecooler kurzer Mann, der für adidas seit 40 Jahren erfolgreich noch an den letzten zweifelnden Hinterhof-Sporthändler die aktuelle hip-hop-Streetfucking-wear verkauft. Die Bilder in seinem Kopf sind die Plateauschuhe seines Charismas.

Texte wie dieser hier, geschrieben von einem Menschen mit dem höchst entspannten Pseudonym MC Hausmacherleberwurscht, sind der Grund, warum sich die so genannten Paparazzi auf dem nach ihnen benannten Portal das Attribut höflich gegeben haben.
Auch nicht uninteressant:

Es handelte sich um eine Stereoanlage und eine riesige Anzahl von Schlümpfen und Schlumpfhäusern. Ein Sammler, ein Schlumpfsammler, der Mann. Besagter Spielervermittler wusste ausserdem später zu berichten, dass sich Littbarski in der Folgezeit im eigenen Keller eine ‚Schlumpfwelt‘ eingerichtet hatte. Schön, sich vorzustellen, was sich dort für Szenen abgespielt haben mögen.

Sehr bildhaft vorgetragen folgender Fauxpas, der für den Autor glücklicherweise nicht mit einem technischen K.O. endete:

Auf einmal steht Graciano vor mir. „Wir haben jetze een echtet Problem, wa?“ versucht er zu artikulieren. „Keener nennt meenen Hund schwul, wa?“ Die Musik verstirbt, Gespräche verrecken, meine Runde weicht einen halben Meter zurück.

Außerdem erfahrenswert: Franz Beckenbauer lässt nicht genügend Sicherheitsabstand:

Und der Kaiser war leider toll. Besorgt, bemüht, freundlich und reuevoll. Schrieb uns die Nummer eines Menschen (Anwalt? Berater? Referent?) auf, an den wir uns wegen Schadensbegleichung wenden sollten. Machte einen flauen Witz (‚Fahrerflucht macht in meinem Fall wenig Sinn!‘ nicht wörtlich, aber so ähnlich), fragte nochmal, ob uns wirklich nichts passiert sei und fuhr dann seiner Wege. Er fuhr selber und er sass alleine im Auto. Der Blechschaden bei mir war minimal und ich habe die Beule immer noch im Heck. Meine Kaiser-Beule. Mein Auto-Gramm.

Nanofußball

Von wegen, Fußball sei das allergrößte. Mal ein paar Nummern kleiner denken, liebe Kickerfreunde, auch mal physikalische Bescheidenheit üben, und hört mir auf mit höchster Berg und Gipfel und so Reklameraschelei. Will gar nicht den laufenden Kleingag Lahm heranziehen, oder irgendwelche Ich stopfe die halbe Welt miniatusiert in eine Weinflasche-Spinner, aber klein ist manchmal eben doch oho. Und ich kann heute endlich mal wieder guten Gewissens behaupten, etwas dazugelernt zu haben.

Eine dritte Modifikation von Kohlenstoff, neben Grafit und Diamant, wurde 1985 entdeckt. Es handelt sich um symmetrische Kugelmoleküle aus reinem Kohlenstoff, sogenannt Fullerene. Am besten bekannt ist das C60-Fulleren aus 12 Fünfecken und 20 Sechsecken – es gleicht einem Fußball.

Die Zeit, 8. Mai.

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Bin i Strand, bin i Kaiser

Kaum hat der letzte Schneesturm seinen Kopf traurig in den Finnischen Meerbusen vergraben, quälen sich dem Freiluftsport Zugeneigte in farbenfrohe, kurze Hosen, schütten irgendwo einen eigentlich tollen, ehrlichen Bolzplatz mit Sand zu und treiben ab sofort Beachsport. Die bekannteste Variante ist sicherlich die Volleyball-Modifikation, man kann Handball auf Sand spielen, Basketball, Tennis, Frisbee und Boule. Und Fußball spielen natürlich auch.

Das schimpft sich dann Beach Soccer. Und ich glaube, bei der Wikipedia haben sie sich irgendwie vertan:

Wird der Ball in der Halle an die Decke gespielt, erhält die andere Mannschaft einen Freistoß an der Mittellinie.

Wie auch immer. Weltmeister wird – noch öfter als auf dem Rasen – meist Brasilien, auch die Gras-Loser Spanien und Portugal dürfen ab und an aufs Sand-Treppchen klettern. Jedoch begab es sich vor 50 Jahren, dass die brasilianische Polizei den Strandfußball verbot, weil der ehrgeizig-hitzige Wettkampf zunehmend die wohlproportionierten Schönheiten vertrieb. (Schätze ich mal.) Findige Dribbler wussten eine Ausweichlist: Sie wichen auf Volleyballfelder aus und kickten weiter.

So entstand Footvolley. Es ist nicht zu verwechseln mit dem etwas spröderem Fußballtennis, was in unterklassigen Ligen oft schon als halbe Trainingseinheit gewertet wird und dann nicht selten ob der sprichwörtlichen Amateurhüftsteifigkeit in wahre Knochenbruchorgien ausartet. So, und wenn wir jetzt noch das im Vergleich zum kommerziellen und leider stärker verbreiteten Bandenhallenfußball viel graswurzeligere Futsal dazunehmen, hamma doch ein ordentliches Vereinsportfolio.

Dann noch ein hübscher Name, Strandkaiser vielleicht, und man assoziiert Krefeld und Fußball vielleicht bald nicht mehr nur mit Funkelbrüdern oder Dynamo Dresden. Einen kleinen Eindruck vom unglaublich kräftezehrenden Strandfußvolleyball vermittelt dieser mit entspannender Wochenbeginnsmusik unterlegter Ballwechsel:

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Sport kann man aber auch nackt treiben.

Der Fußballspruch des Jahres 2007

In schöner Regelmäßigkeit ist Fußball doch immer das Gleiche.

Hans Meyer, 2007

Die Plätze zwo bis zehn sind hier aufgelistet, die aus 2006 jibbet dort.

Näkemiin, Janne Ahonen!

Interviews mit ihm waren vor allem eines: kurz. Sein Blick dabei meist beerdigungsernst, seine Aussagen: Trivialitäten an der Grenze zum Surrealismus. Vor drei Jahren flog mit an den Fuß geschnallten Brettern er soweit wie niemand vor ihm: 240 Meter. Dass er bei der Landung stürzte, war ihm vermutlich ein halbes Augenbrauenzucken wert.

In Würdigung eines großen Sportlers, der es in der Öffentlichkeit dann aber auch dabei belassen konnte, nun nüchtern und knapp die Nachricht: Die skispringende Stimmungskanone aus Finnland, Janne Petteri Ahonen, hat heute seine Karriere beendet.

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Dreimal Fußballfeedfutter, bitte!

Kid Klappergass quetscht Luciano Pavarotti, Edward Hopper und Eintracht Frankfurt in einen Beitrag und startet medienkritisch:

„Unbeschreiblicher Jubel“, lese ich in einer Zeitung oder höre im Radio von „unbeschreiblichen Szenen“, die sich gerade abspielen. In diesen Momenten reagiere ich leicht gereizt, weil ich mir sage, dass sich da gerade jemand vor seiner Arbeit drückt.

Der Stammplatz hat ihn gesucht und gefunden, den Mann mit früher mal schönste Frisur im Nordosten:

Er war auf seine Art ein Ästhet des Strafraums, wirkte fast vorsichtig im Umgang mit Ball und Gegner. Er war wie der große Onkel beim Kindergeburtstag, der den Kleinen beim Kick im Garten nicht aus Versehen weh tun wollte. Und nach seinen Toren drehte er ab, trudelte langsam aus wie ein Bodybuilder, der vor lauter Kraft nicht laufen kann, und küsste seinen Ring.

Die Süddeutsche Zeitung taucht kurz mit großen Kinderaugen in die schöne, neue Jutjubwelt:

Wer die Suche noch etwas konkretisiert und „Bundesliga“ eingibt, gerät ins Staunen: Da sind nicht etwa Franck Ribérys schönste Dribblings zu sehen, Luca Tonis tollste Tore oder Maik Franz’ derbste Grätschen. Stattdessen, auf Platz eins: „Greatest Bundesliga-Goals of the 80s“.

14 15 Freunde

Wieviel Freunde haben die 11 Freunde eigentlich mittlerweile? Spontan sind mir Tages-, Spiegel und Derwesten eingefallen. Und könnte man sowas schon Sportfeuilleton-Monopol nennen?

Der älteste Gehilfe des modernen Schiedsrichters


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Wenn die Fußballöffentlichkeit über Schiedsrichterhilfen redet und schreibt, und das tut sie in jüngster Vergangenheit dann doch hier und da, vergessen die Akteure zumeist die längst eingeführten Helferlein des Referees. Als da u.a. wären: Neonfarbenes Leiberl, zwei Untertanen, die erst Linienrichter, später Assistenten hießen und übermorgen wahrscheinlich SEOs (Second Executive Officer) genannt werden, in deren Händen zwei Haiteck-Flaggen (bald vermutlich mit WLAN, wegen Statistik und so), Gelbe Karte, der nachspielanzeigende und stollenkontrollierende vierte Mann, Rote Karte, Ereignisaufschreibblatt sowie – in einigen Fällen – ein nicht unerheblicher Brocken Charisma.

Und die Trillerpfeife.

Vor 130 Jahren, als im Walde zu Nottingham erstmals dem Schiri eine Pfeife beigegeben wurde, beschwerte sich niemand der Bepfiffenen, dass die ursprüngliche pfeifenlose Association-Football-Romantik durch das seelenlose Trillern zerstört würde; zumindest ist nichts Derartiges überliefert. Der Unparteiische sah sich stattdessen einer permanent kopflos vor sich hin dribbelnden britischen Meute von zwei Teams im 1-10-System gegenüber, die es zu bändigen galt. Also: Pfeife. Klar, laut, deutlich, unmissverständlich.

Wie in dieser Zusammenstellung des Deutschen Patentamtes zu erkennen ist, gab und gibt es durchaus Bestrebungen, dieses wesentliche Element des Schiedsrichterdaseins zu modifizieren.

Eine originelle praktische Idee betrifft die Seitenwahl vor dem Spiel. Zu diesem Zweck wurde in die Trillerpfeife zusätzlich zu der Kugel noch ein kleiner zweifarbiger Würfel in eine separate Kammer eingebracht, der statt einer Münze für die Platzwahl verwendet werden kann.

Für Raucher-Refs wurden Druckluftpfeifen erfunden, es gibt pistolenartige Pfeifen, mit Ballons betriebene, über Funk an Lautsprecher gekoppelte. Mittlerweile pusten die Schiedsrichter in „moderne kugellose Trillerpfeifen mit zwei Klangkammern, die bei niedrigem Einblasdruck von 0,035 atü schon eine Lautstärke von 90 Dezibel erreicht“. Das heißt auch: Gehörschäden bei langfristiger Einwirkung. In der Industrie wäre Gehörschutzpflicht die Folge. Eigentlich müssten alle Schiedsrichter Kopfhörer tragen. Headset sieht aber schon besser aus. Funkmikro dazu, nicht zu vergessen die Armvibrationen. Einzig die Pfeife, die bleibt.

Noch.

(Mitleid ist hier jedoch fehl am Platze. Sollte die Pfeife im Fußballwesen abgeschafft werden, kann man sich damit immer noch betrinken oder die Republik gefährden.)

Trialog des Tages

E.R.: Und dat, lieber Lothar, dat is een Ball.
L.M.: Aha. (leise zu sich) Merke: Ball. (wieder laut) Fässt sich aber gut an.
E.R.: Wo guckst du denn jetzt schon wieder hin, Lothar!?
L.M.: Entschuldigung, Herr Rutemöller, aber der Mehmet hat mit Papierkugeln geschmissen.
E.R.: Ruhe jetzt!
M.S.: (zu L.M.) Petze!
E.R.: Jungs, nun merkt euch endlich: Beharrlichkeit in der Verfolgung von Zielen ist die Grundlage des Erfolgs!