Archiv für April 2008

Fußballromantik, Anglo-Virilität und ein nichtsnutziger Kropf

Da Lesespaß zu produzieren eine der ungeschriebenen Anforderungen des Autors an dieses Weblog ist, nun einige Verweise auf meiner Meinung nach in dieser und auch anderer Hinsicht beispielhafte Texte.

C. Antonius vom Fohlenkommando zieht den Bogen von Rhönradfahrern bis zum Economist und schließt seine Anti-Olympia-Suada folgendermaßen:

Egal, wie Sie die politische Situation in China bewerten, ob Sie den Tibetern Unabhängigkeit wünschen (und den Basken?, den Korsen?, den Kurden?, den Kosovo-Albanern?) oder nicht, rufe ich Sie auf, meinem Beispiel zu folgen und Olympia NICHT ZU BEACHTEN! Was soll ich denn dann machen, C., bitteschön, im Sommer?, werden Sie fragen. Keine Ahnung! Was Sie wollen. Lassen Sie sich mal wieder vernünftig volllaufen oder einen blasen. Streichen Sie die Wohnung oder die Zigaretten. Mirdochegal, nur nicht Olympia, dieser nichtsnutzige Kropf…

Dogfood erweist sich als ausgewiesener Frauenversteher:

Der Gegenentwurf beider Mannschaften heißt derzeit Manchester United. Die strotzen derzeit derart vor Virilität, dass man sich bei weiblichen Zuschauer wegen Fernschwangerschaften via Ätherwellen sorgen muss.

VfLog-Christoph hofft für das montagliches Derby gegen Köln auf schönspielende Gladbacher und erkennt:

Aber ebenso berechenbar ist allzu oft ihre Spielweise, und so gibt es wenig jener inspirierten Kombinationen und überraschenden Ideen, die das Herz des romantisch veranlagten Fußballfans erwärmen würden.
Wobei ja speziell im Land des Zweckrationalismus Ästhetik unter dem Generalverdacht des Überflüssigen steht, mit mancherlei fatalen bildungs- und kulturpolitischen Konsequenzen. Entsprechend verbreitet ist unter hiesigen Fußballfans die Neigung, zwischen schönem und erfolgreichem Spiel einen Widerspruch zu konstruieren.

Der Veruntreute

(Wer den Agenturrechtschreibfehler findet, braucht sich dennoch nichts einzubilden.)

Die ganze Situation ist enttäuschend. Das ist ein Schlag ins Gesicht. Ich bin 14 Jahre hier, habe mir nie etwas zu schulden kommen lassen.

Sagt Bernd Dreher, Torwarttrainer bei Bayern München. Der Künftige, Jürgen Klinsmann, möchte nämlich jemand anderen als Sepp-Maier-Nachfolger. Dreher könnte nun – dem gnädigen Hoeneß sei Dank – Amateur- und Jugendtorwächtern das Toreverhindern lehren. Im Moment ist er aber nur stinkig.

Verständlich. Er hat sich bestimmt schon ausgemalt, wie es denn wäre, so als Bayernobertorwarttrainer. Mit Klinsi und diesem exotischen Mexikaner, und Nerlinger, und dann noch dieser dynamische Amerikaner. Und mit dabei: Bernd Dreher. Der übungsleiterische Neuanfang bei Bayern München hätte auch seinen Namen getragen. Er hätte dem Rensing seine Keeper-Handschrift verpasst, die Bernd-Dreher-Torwart-Schule hätte Einzug in die Fußballtore europäischer Spitzenclubs gehalten.

Stattdessen: Amateure und Nachwuchs.

Wer wäre da nicht sauer, wer könnte die mediale Trotzbockigkeit Bernd Drehers nicht nachvollziehen, gerade beim deutschen Fußballmedienparadies Bayern München. Dennoch: Entweder bringt Dreher harte fachliche Armgumente, oder er jault drei Klage-Oktaven tiefer. Ersteres verbietet sich, mit einem Querulanten, und habe er noch so Recht, möchte niemand bei einem Verein als Trainer beginnen. Zweiteres, tja, zweiteres ist oft die bessere, leider nur ganz selten auch wirklich angewandte Alternative.

Dreher spielt also den Veruntreuten und schmeißt zwei der furchtbarsten Begründung auf den Tisch, die es in puncto Fachkompetenz überhaupt gibt:

1. Ich bin schon xx Jahre hier.
2. Ich habe mir nichts zuschulden kommen lassen.

Ich kenne das Torwarttraining Bernd Drehers nicht, wahrscheinlich gehört es zu den besten der Republik. Aber aus den Tatsachen, dass er knapp anderthalb Jahrzehnte bei ein und demselben Klub gearbeitet hat und, wie er es formuliert, keine goldenen Bayern-Löffel geklaut hat, leitet sich vielleicht ein küchenpsychologisches Kurzgutachten über den Angestellten Bernd Dreher ab, keineswegs jedoch seine Befähigung für den Torwarttrainerposten bei den Bayern unter J. Klinsmann.

Rollenselbstverständnis

Das Nachspiel ist ein kurzes, heiteres und teilweise derbes, possenhaftes Stück, das (…) nach der Aufführung eines dramatischen Bühnenwerks folgte. (…) Inhaltlich bestand meist kein Zusammenhang zur Hauptaufführung.

So ist das nämlich.

waschechter mutterehrgeiz

die zeitung bleibt liegen, ich musste erstmal testen, aber nein, keine unterzuckerung, es ist waschechter nicht völlig entspannter ehrgeiz, also kein kindesehrgeiz (gut), ein mutterehrgeiz (beobachten). und ich erkenne den irgendwie wieder, der war die ganze zeit da, schon beim schuhkauf für das kind, beim gewähren von trainingszeiten mit den freunden, beim meistern komplexer logistischer aufgaben zur hinbringung/abholung, mann, das war das. um ein haar hätte ich meinem kind quer über den platz praktsche tips zugezischt, in einem tonfall! hab ich nicht. war aber knapp.

Fußballzuschauereuphorie befällt eine Mutter, und wir können mitlesen.

Bandy

Wo bei der Vorstellung des Schachboxens hier bereits ein hübscher Vertreter des Sportarten-Mischens aufschlug und die Thematik mit der Kombination Fußball und Sand anschließend noch vertieft wurde, möchte ich den fast verflüchtigten Winter noch schnell nutzen, um auf das wundervolle Fußballfeldeishockey hinzuweisen. Und da offenbar vor zwei Jahrhunderten jemand global gedacht hat, nennt sich das Ganze kurzknapp Bandy und sieht so aus (Pump up the volume! Endlich mal Scooter ins Blog gehievt):


Das Spektakel stammt in seiner Sportform aus England und hat sich größtenteils in den klassischen (Eis)-Hockey-Nationen Skandinavien, Kanada und Russland niedergelassen. Es gibt orangene Bälle, blaue Karten, eine Auslinie, Abseits, gespielt wird 11 gegen 11 und 2×45 Minuten. Leider krachen nur selten Menschen gegen Werbebanden, weshalb sich später das Halleneishockey durchsetzen konnte.

Stadienhüpferei

Das heitere Gugelmäps-Stadionraten bei Blogck M geht in die 16. Runde. Gesucht wird dieses Mal der ganze Sportstättenkomplex. Ich habe keinen Schimmer. Das muss allerdings nichts bedeuten.

Was der VfB, das Westfalenstadion und Hertha BSC mit dem 2. April zu tun haben

Was viele gar nicht wissen: Der 2. April ist kein ganz unbedeutendes Datum. Zwar ob seines Humorgehalts kaum mit seinem Vorgänger vergleichbar, dennoch aber nicht unwichtig, besonders, wenn es um deutschen Fußball geht.

Was zunächst mit dem FV Stuttgart und dem Kronen-Club Cannstatt als zwei Rugby-Clubs begann, endete mit der Fusion am 2. April 1912 als VfB Stuttgart. Der Verein für Bewegungsspiele brachte die Jugendarbeit, den schwäbischen Dialekt und das Magische Dreieck in die Bundesliga. Und, was kaum noch jemand weiß vor lauter Bayern München, der VfB Stuttgart ist amtierender Deutscher Fußballmeister.

Am 2. April 1974 wird das Westfalenstadion in Dortmund mit dem Klassiker gegen Schalke eingeweiht. In den folgenden Jahrzehnten entwickelt sich das Stadion zu dem Fußball-Tempel Deutschlands, was nicht zuletzt das Neuville-Tor gegen Polen und das Verlängerungs-Aus gegen Italien bei der WMnullsechs eindrucksvoll bewiesen haben. Diverse Zuschauerrekorde wurden mittlerweile aufgestellt, und im Westfalenstadion mal eine volle und voll funktionsfähige Südtribüne live bestaunt zu haben, gehört zu auf jede seriöse „Was muss ich vor meinem Tod alles erlebt haben“-Liste.

Außerdem sagt das Lexikon, Hertha BSC sei an einem 2. April gegründet worden. Im Wikipedia-Artikel selbst als auch beim Verein ist jedoch der 25. Juli als Hertha-Gründungsdatum genannt. Die meisten Webquellen verweisen auch auf den 25.7.1892. Jedenfalls passt dieses kleine historische Netz-Kuddelmuddel ganz gut zur derzeitigen Form der blauweißen Tante – von ihrem Image jetzt mal ganz zu schweigen. Da können sie an der Spree noch so viele unsinnige Werbekampagnen schalten, solange sie keinen grandiosen Ball kicken oder übermäßig Erfolg haben, ist Hertha BSC in puncto öffentliche Wahrnehmung auch nur einer von drei Fußball-Bundesligisten aus dem Osten.

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Sport im April

Merkwürdig: Nachdem die Rekorde für das längste Eishockeyspiel in Deutschland jüngst reihenweise gepurzelt sind, haben sich auffallend wenige Fußballprofis über ihr sonst gerne bejammertes (englisch-)wöchentliches Arbeitspensum beschwert. Jedenfalls beginnen am 13. April die DEL-Playoffs, ein mögliches fünftes Entscheidungsspiel am 22.4. müsste ohne Penaltyschießen entschieden werden.

Am 19. suchen Bayern München und Borussia Dortmund in Berlin den Fußball-DFB-Pokalsieger. Die Hauptstadt wird in schönstem Schwarz-Rot-Gelb erstrahlen, West-Charlottenburg wird dezent nach Fanpisse riechen, und trotz Weltmeistertitel ohne Gegentor wird eine der häufig gestellten Fragen wieder mal lauten: „Wer spielt eigentlich bei den Frauen?“

Ein paar Minuten später, also in der Nacht zum 20. April, beginnen die NBA-Playoffs. Und sollten die Dallas Mavericks den Zwei-aus-Dreikampf gegen Denver und Golden State nicht verlieren, kann die deutsche Nationalmannschaft namens Dirk Nowitzki wieder einmal ein paar Spiele lang, doch am Ende schließlich vergeblich gegen seinen Spitznamen „der Bayer Leverkusen des nordamerikanischen Basketballs“ ankämpfen.

Mit kleineren Bällen spielen einige distinguierte Herren im englischen Sheffield ab 19. die Weltmeisterschaft im Snooker aus. Das nach den schönsten Bahnstrecken der Welt beste TV-Sedativum für Männer ist fest in britannischer Hand, aktueller Titelträger ist der Schotte John Higgins. Die unumgänglichen Hinweise auf das Snookerblog und Rolf Kalbs Eurosport-Break soll nicht fehlen.

Am 21. April, dem amerikanischen Patriot’s Day, fällt traditionell der Startschuss zum Boston Marathon. Seit 111 Jahren schon schrubben ehrgeizige Langläufer in Massachusetts ihre Glückskilometer. Im vergangenen Jahr sorgte Petrus für die schlechtesten Siegerzeiten der letzten drei Dekaden. Wenn das hier jemand liest, der mir plausibel erklären kann, warum man solange über asphaltierte Straßen hetzen sollte, möge er sich bitte mitteilen.


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März
Februar
Januar

Dienstags-Dreier

Die Kollegen postieren sich zum Rebound, der Gegenspieler verfällt in nervösen Verteidigungsaktionismus, Dribbling nach links, schneller Crossover, ein langer Schritt parallel zur 6-Meter-25-Linie, beidbeiniger Absprung, abdrücken, nachklappen, beim Landen nicht auf des Gegners Fuß landen, swoooosh!

Das Liveblog-Werkzeug Cover it live (gkuckst du) hat auch Heimvorteil-Blogger Jörg Leopold neugierig gemacht. Heute also ab viertel acht live beim Tagesspiegel das erste DEL-Halbfinale zwischen den Eisbären und der DEG.

Ebenfalls derart gechatbloggt wird seit einem Monat beim Basketball-Blog Sprungball. Thomas Käckermeister (mit Crossover-, Five- und Fiba.com-Hintergrund) bittet jeden Montag Abend zur Sprungball-Sprechstunde. (Bei der Fiba ist das Tool im übrigen auch im Einsatz.)

Jürgen Kalwa lässt auf American Arena den deutschen Golfer Alex Cejka geschickt für Red Bull werben: Sechs Dosen für 500 Kilometer und knapp 12.000 Dollar Preisgeld.

Die Olympischen Spiele in Peking fallen aus

So, Thema abgehakt. Weiter im Blog. (Obwohl das Sarkozy-Ribery-Techtelmechtel schon eine feine Sache ist. Dazu Trainer-Nachschlag.)