Archiv für März 2008

Dreimal Fußballfeedfutter, bitte!

Kid Klappergass quetscht Luciano Pavarotti, Edward Hopper und Eintracht Frankfurt in einen Beitrag und startet medienkritisch:

„Unbeschreiblicher Jubel“, lese ich in einer Zeitung oder höre im Radio von „unbeschreiblichen Szenen“, die sich gerade abspielen. In diesen Momenten reagiere ich leicht gereizt, weil ich mir sage, dass sich da gerade jemand vor seiner Arbeit drückt.

Der Stammplatz hat ihn gesucht und gefunden, den Mann mit früher mal schönste Frisur im Nordosten:

Er war auf seine Art ein Ästhet des Strafraums, wirkte fast vorsichtig im Umgang mit Ball und Gegner. Er war wie der große Onkel beim Kindergeburtstag, der den Kleinen beim Kick im Garten nicht aus Versehen weh tun wollte. Und nach seinen Toren drehte er ab, trudelte langsam aus wie ein Bodybuilder, der vor lauter Kraft nicht laufen kann, und küsste seinen Ring.

Die Süddeutsche Zeitung taucht kurz mit großen Kinderaugen in die schöne, neue Jutjubwelt:

Wer die Suche noch etwas konkretisiert und „Bundesliga“ eingibt, gerät ins Staunen: Da sind nicht etwa Franck Ribérys schönste Dribblings zu sehen, Luca Tonis tollste Tore oder Maik Franz’ derbste Grätschen. Stattdessen, auf Platz eins: „Greatest Bundesliga-Goals of the 80s“.

Es lebe der Sport! Und: Frohe Ostern!

Ganz großes Kino. Besonders ab Minute zwoa, da gehts ab wie Kuranyis Barttrimmer. Jedoch: Einen Klassiker kann nichts entstellen.


(hier übrigens kurze Osterfunkpause)

Nachtrag: Na so war das aber nicht gedacht. Ist aber wieder alles bestens.

Zehn kleine Fußballklubs

… die spielen um die Wette.
Platz 3 bis 10 droht ein Geldproblem
das finden die gar nicht nette.

Verehrte Damen und Herren!

Wenn sie mir bitte in den Norden Deutschlands folgen möchten. In der dortigen Fußball-Regionalliga geht es in negativer Korrelation zur Bevölkerungsdichte verdammt eng zu. Also eng im Sinne von: Hat es sowas schon mal gegeben? Werfen wir einen Blick auf die aktuelle Tabelle:

Oberhausen 44
Union Berlin 43
Düsseldorf 42
Werder II 42
Wuppertal 42
RW Ahlen 41
Kickers Emden 41
Dortmund II 40
RW Erfurt 39
Dyn. Dresden 39

Wenn man zudem beachtet, dass Platz 9 und 10 ein Spiel weniger als der Rest absolviert haben, ist das schon, nun ja, eng eben. Rot-Weiß Ahlen könnte nach dem nächsten Spieltag neuer Tabellenführer sein. Union könnte von zwei auf acht rutschen, hat aber ja sowieso ein arges Förstereiproblem anne Hacken zurzeit. Dynamo Dresden kämpft von Rang 10 aus um den Aufstieg in die 2. Liga. Für alle diese Klubs gilt jedoch gleichermaßen: Taschenrechner parat haben! Wer nicht in die zwote Liga (Fernsehgelder! Aufmerksamkeit! Duelle gegen Aachen, 1860 oder Köln!) aufsteigt, muss in die dritte und somit mit nur 625.000 Euro garantierten Fernsehgeldern, dafür aber fast genauso strengen DFB-Auflagen rechnen.

Ein betriebswirtschaftlicher Balanceakt also. Sollte sich eine Mannschaft allerdings für die unsportliche Version entscheiden, also verlieren, um nächste Saison weiter finanziell eher sicher in der Regional-(dann also 4.)-Liga herumzudümpeln, sollte man bald damit anfangen – Oberhausen ist schon neun Punkte und zehn Tabellenplätze von einem Nichtaufstiegsplatz entfernt.

Von Rosenheim nach Peking



So ähnlich sah es heute in einigen Teilen Norddeutschlands auch aus: Es hagelte. Und ich musste an die Olympischen Spiele denken.

Die finden im August in Peking statt. Die Regenwolkenwahrscheinlichkeit wird dann bei ungefähr 50 Prozent liegen. Und damit die ganzen Sportlerproteste gegen chinesische Menschenrechtsverletzungen nicht im Regen untergehen, hat sich der chinesische Wetterdienst CMA (nicht mit diesem Milchmarketingdingens zu verwechseln) überlegt, den Regen ganz konservativ zu bekämpfen: Mit Raketen.

Geplant ist der Einsatz von Silberjodid, einem Kristall, das mit Raketen direkt in die Wolken geschossen wird. Das noch gasförmige Wasser kondensiert an dem Kristall, und die Wolken regnen sich ab, ehe sie über dem Olympiastadion Stellung beziehen können.

Ein erster Test mit drei Flugzeugen, 30 Technikern, drei Stunden Flugzeit und knapp drei Tonnen Diatomit (Kieselgur) wurde bereits durchgeführt. Rund um Peking wird das künstliche Regenmachen weiterhin getestet. Ob die Flugzeuge mit den Silberjodidraketen auch schon über Tibet gesichtet wurden, ist bislang nicht bekannt.

Eine chinesische Erfindung ist diese Art des Gottspielens allerdings nicht:

Trotz gegenteiliger Expertenmeinungen wird Silberjodid auch in Deutschland eingesetzt. Die so genannten Rosenheimer Hagelflieger etwa sollen bei Unwettern in Bayern die Gefahr von Verletzungen und Zerstörungen durch große Hagelkörner minimieren.

Bis 1974 wurden in Bayern die Wolken mit Raketen beschossen, heute tuns zwei Flugzeuge, die rund um die Uhr für die Hagelabwehr bereitstehen. 220.000 Euro lassen sich die beteiligten Landkreise diesen Spaß jährlich kosten. Ob das sinnvoll ist, wurde jedoch noch nicht eindeutig bewiesen.

„Aber Regen machen ist eine Sache, Hagelkontrolle eine ganz andere“, sagen Kritiker wie Hartmut Höller, Atmosphärenphysiker am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). „Die meteorologischen Verhältnisse in einer normalen Wolke sind überschaubar. Aber die Prozesse in einer Gewitterfront sind viel zu komplex und zu energiereich, um sie gezielt beeinflussen zu können“, so Höller. Es sei „reiner Zufall, wenn es mal funktioniert“.

Derselben Ansicht ist Jörg Kachelmann offenbar auch schon mal gewesen. Trotzdem gibt es auch eine Hagelabwehr in Österreich sowie für historisch Interessierte ein paar alte Hagelabwehrraketenbilder. Was es hingegen in den nächsten anderthalb Jahren definitiv nicht mehr geben wird, ist Meteorologie beim Nachspiel.


fotos_a.life/herrnegger

Ein Stadion weniger

Das Gottlieb-Daimler-Stadion heißt bald Mercedes-Benz-Arena. Steht online in der Stuttgarter Zeitung. Habe ich eben im Feedreader gelesen. Steht morgen in der Zeitung. Wird nächstes Jahr in Lexikon gedruckt. Die Wikipedia wusste es seit kurz vor sechs.

Fahnenwinker

Gestern in Dortmund gesehen, heute München: Wer hat wann eigentlich dieses Monsterflaggengewedele im Innenraum vor dem Anpfiff nach Deutschland verschleppt? Und, vor allem: Warum?


(Man hat fast den Eindruck, als würde gerade ein Weltsportereignis eröffnet.)

Meldungen über Filz

Ob Internationales Olympisches Komitee oder Weltfußballverband, Toni Samaranch oder Sepp Blatter – wenn es um Weltsport geht, ist nicht selten von Parallel-Universum die Rede oder Schreibe. Doch es muss gar nicht so weit weg sein, manchmal genügt es einfach, einem Landesrechnungshof in der Mitte Deutschlands bei der Arbeit zuzusehen.

Szenen aus der Sportlandschaft Sachsen-Anhalt. Da sind nicht nur begeisternde Storys über die Goldjäger bei Olympia und Weltmeisterschaften, das sind in jüngster Zeit ( leider ) auch Meldungen, die nur noch ein ungläubiges Kopfschütteln hervorrufen. Meldungen über Filz und ein offenkundig existierendes Parallel-Universum Sport.

35 Punkte

Fast einen UEFA-Cup-Platz ergattert in der Sportexpertenliga. War gar nicht so einfach, das. Und dass ich nicht wusste, welcher Hungare ’54 den Ball vor dem 3:2 verdaddelt hat, ärgert mich. Ein wenig.

Selbst mal?

Drei Nachspiel-Tipps zur Wochenmitte

Robert dröselt die Vergangenheit der Bundesliga-Führungsmenschen auf und stellt entscheidende Fragen:

Wieso gibt es so wenig Quereinsteiger in den Führungsetagen der Bundesliga und was würde passieren, wenn beispielsweise ein Klub wie Hertha BSC mal mit einer qualifizierten Vereinsspitze ausgestattet würde?

Uwe und Mareike beziehen sich im Schatten der Tribüne auf den Euronichtteilnehmer England und sinnieren über neutrale Austragungsorte schon bei Pokalhalbfinals:

Das Spiel des BVB gegen die Jenenser von Carl Zeiss würde, sagen wir mal, in Frankfurt ausgetragen werden, und könnte schon den Klassenunterschied ein wenig ausgleichen. Beiden Vereinen stände das gleiche Kontingent an Karten zu und ein kleiner Hauch von „Wallfahrt Halbfinale“ würde das „Wir-Gefühl“ von gleich vier Fanszenen stärken.

Martin verweist auf die fetteste Liga von allen – die Major League Eating:

Warum Wettessen wirklich zu einem Sport geworden ist und dass man das schon daran erkennen kann, dass nicht mehr die dicken Männer die Wettbewerbe dominieren, sondern durchtrainierte Profis.

Der Rekord steht übrigens bei 65 hart gekochten Eiern in 6:40 Minuten, gehalten von dieser eher schmalen Frau namens Sonya „Die Schwarze Witwe“ Thomas, die im MLE-Ranking auf Platz fünf rangiert und damit die bestplatzierte Frau überhaupt ist. Sie schafft auch 80 Chicken Nuggets in 5 Minuten sowie 5 1/2 Kilo Käsekuchen in 9 Minuten. Igitt.

(foto_drivenbyboredom)

Wann habt ihr eigentlich …

… das letzte Mal ein richtiges Ergebnis (samt Halbzeitstand) getippt?

Olympia-Boykott: Drei Kommentare und eine etwas andere Sicht

Evi Simeoni, FAZ

Die Sportler leben in einer vermeintlich elitären Traumwelt. Und da wollen sie – und sollen es nach dem Willen der Mächtigen auch – bleiben.

Thomas Hahn, Süddeutsche

Die Boykott-Diskussion dieser Tage wird am Ende das Wertvollste sein, was vom großen Sporttheater Olympia übrigbleibt.

Friedhard Teuffel, Tagesspiegel

Als der Westen 1980 seine Sportler nicht zu den Spielen nach Moskau schickte und der Osten sich vier Jahre später in Los Angeles revanchierte, war der Sport nur noch Werkzeug der Politik. Nie wieder so abhängig zu sein, das erklärte der Sport danach zum Ziel. Jetzt droht er wieder zum Spielball zu werden – weil das IOC nicht unterscheiden kann zwischen unabhängig und unpolitisch.

Harald Neuber, heise.de

Es ist deswegen kein Zufall, dass die Proteste in Tibet ausgerechnet vor den Olympischen Spielen eskalieren, die im Sommer in China stattfinden. Auch wenn der Dalai Lama Peking nun medienwirksam einen „kulturellen Völkermord“ in Tibet unterstellt, ist der Auslöser der aktuellen Eskalation unklar. Während man sich diesem Grund medial bestenfalls annähern kann, scheint die Verurteilung der chinesischen Seite als Aggressor von vornherein festgestanden zu haben. Kaum wahrgenommen werden andere Stimmen.