Der älteste Gehilfe des modernen Schiedsrichters


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Wenn die Fußballöffentlichkeit über Schiedsrichterhilfen redet und schreibt, und das tut sie in jüngster Vergangenheit dann doch hier und da, vergessen die Akteure zumeist die längst eingeführten Helferlein des Referees. Als da u.a. wären: Neonfarbenes Leiberl, zwei Untertanen, die erst Linienrichter, später Assistenten hießen und übermorgen wahrscheinlich SEOs (Second Executive Officer) genannt werden, in deren Händen zwei Haiteck-Flaggen (bald vermutlich mit WLAN, wegen Statistik und so), Gelbe Karte, der nachspielanzeigende und stollenkontrollierende vierte Mann, Rote Karte, Ereignisaufschreibblatt sowie – in einigen Fällen – ein nicht unerheblicher Brocken Charisma.

Und die Trillerpfeife.

Vor 130 Jahren, als im Walde zu Nottingham erstmals dem Schiri eine Pfeife beigegeben wurde, beschwerte sich niemand der Bepfiffenen, dass die ursprüngliche pfeifenlose Association-Football-Romantik durch das seelenlose Trillern zerstört würde; zumindest ist nichts Derartiges überliefert. Der Unparteiische sah sich stattdessen einer permanent kopflos vor sich hin dribbelnden britischen Meute von zwei Teams im 1-10-System gegenüber, die es zu bändigen galt. Also: Pfeife. Klar, laut, deutlich, unmissverständlich.

Wie in dieser Zusammenstellung des Deutschen Patentamtes zu erkennen ist, gab und gibt es durchaus Bestrebungen, dieses wesentliche Element des Schiedsrichterdaseins zu modifizieren.

Eine originelle praktische Idee betrifft die Seitenwahl vor dem Spiel. Zu diesem Zweck wurde in die Trillerpfeife zusätzlich zu der Kugel noch ein kleiner zweifarbiger Würfel in eine separate Kammer eingebracht, der statt einer Münze für die Platzwahl verwendet werden kann.

Für Raucher-Refs wurden Druckluftpfeifen erfunden, es gibt pistolenartige Pfeifen, mit Ballons betriebene, über Funk an Lautsprecher gekoppelte. Mittlerweile pusten die Schiedsrichter in „moderne kugellose Trillerpfeifen mit zwei Klangkammern, die bei niedrigem Einblasdruck von 0,035 atü schon eine Lautstärke von 90 Dezibel erreicht“. Das heißt auch: Gehörschäden bei langfristiger Einwirkung. In der Industrie wäre Gehörschutzpflicht die Folge. Eigentlich müssten alle Schiedsrichter Kopfhörer tragen. Headset sieht aber schon besser aus. Funkmikro dazu, nicht zu vergessen die Armvibrationen. Einzig die Pfeife, die bleibt.

Noch.

(Mitleid ist hier jedoch fehl am Platze. Sollte die Pfeife im Fußballwesen abgeschafft werden, kann man sich damit immer noch betrinken oder die Republik gefährden.)


1 Antwort auf “Der älteste Gehilfe des modernen Schiedsrichters”

  1. 1 Second Executive Officer - der SEO als Linienrichter - S-O-S SEO Blog Pingback am 28. November 2008 um 5:19 Uhr
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