Archiv für Februar 2008

Live: Bayern München vs. HSV

Kinderkrankheiten sind im Plural, bei Mistwetter und eigentlich erforderlicher Genesungsruhe (Ruhe und Kinder kleiner fünf Jahre ist im übrigen ein Paradoxon) durchaus eine sportliche Herausforderung für den Kinderkrankheitskoordinatoren, der schließlich in einem heroischen Akt sämtlichem Erregerungeziefer Asyl bot, selbst eine gewisse Zeit darniedersiechte und somit heute lieber den Fernsehton ausgeschaltet lässt. Die Kopfnerven danken es.

Eckball

Es gab ja mal diesen drittbesten Blondinenwitz aller Zeiten. Der war schon lustig. Jetzt also Fußball. Und ich muss gestehen, ich habe geschmunzelt. Obwohl ich das Wort „schmunzeln“ gar nicht mag und die Serie eigentlich „Die schlechtesten Fußballwitze“ heißt.

Russen tanzen besser

Auch in Berlin. Dort lesen sich die Tanzteilnehmerlisten wie ein Moskauer Telefonbuch, weiß man beim Heimvorteil:

Da wo sich der Nachwuchs richtig schinden muss, gibt es kaum noch Einheimische. Man muss sich nur mal die Situation im Boxen oder Ringen anschauen.

Von der Konferenz in Dortmund

Es erinnerte an vergangene Uni-Zeiten, nach dem abendlichen einen Bier zuviel am folgenden Vormittag erst eine Dreiviertelstunde nach Veranstaltungsbeginn einzutrudeln. Der erste Themenkomplex Ethik im Sportjournalismus und Sportwissenschaft als Erkenntnisquelle des Sportjournalismus fiel folglich mit seiner ganzen Wucht in meine Kaffeetasse. Erst wieder bei Jens Weinreich eingeklinkt, der Vom Versagen der Sportwissenschaft sprach und sehr anschauliche Beispiele von im Elfenbeinturm unreflektierten und teilweise sogar dort angesiedelten Sauereien vortrug.

Höhepunkt war für mich der Moment, als der gestern schon erwähnte Henrik Brandt frug, wie denn ein Sportjournalist ethisch vertretbar mit starken Dopingverdächten umgehen sollte. Zuvor hatte Prof. Dr. Claus Eurich von der TU Dortmund jegliche Verdachtsberichterstattung – aufgerollt an der aktuellen Biathlon/Humanplasma-Geschichte, u.a. in der Süddeutschen – für Qualitätssportjournalisten quasi ausgeschlossen. Auf den berechtigten Einwand „Verschweigen kann man es bei derartigen Hinweisen doch aber auch nicht“ antworteten die Wissenschaftler nur zögerlich mit einem für meine Begriffe waschigen und nicht wortwörtlichen „Man muss in diesen Fälle eine Art der Berichterstattung finden, die angemessen ist.“

Eben beendet der Workshop mit Ronny Blaschke zum Thema Warum Sportjournalisten mit der Aufarbeitung von Rechtsextremismus und Gewalt im Fußball oft überfordert sind. Das möchte ich an dieser Stelle nicht mit zweieinhalb Sätzen abtun, sondern vorerst nur faulerweise die ausgegebene Themen-Linkliste weiterreichen:

Bündnis aktiver Fußballfans
Fußball gegen Rassismus und Diskriminierung
Bundeszentrale für politische Bildung
Football Against Racism in Europe
Initiative gegen Homophobie im Sport
Koordinationsstelle der Fanprojekte

Jetzt noch die Blogrunde, dann ab nach Hus.

Zur Konferenz in Dortmund

Ich habe im Lotto gewonnen. Also symbolisch. Denn ungefähr so klein muss die Chance sein, an einem großstädtischen Hauptbahnhof den einen Taxifahrer um eine Mitfahrgelegenheit zu bitten, der nicht auf Anhieb weiß, wie es am schnellsten zur Universität geht. Vielleicht hätte ich mit russischem Akzent sprechen sollen, wir hätten uns vermutlich sofort blendend verstanden.

Hajo Seppelt spricht gerade über die Mission sauberer Sport, mein Aufmerksamkeitsfenster ist jetzt aber sowas von geschlossen, und andauernd Cola und Kaffee ist nicht gut fürs Herz. Der erste Tag der Konferenz Qualitätssicherung im Sportjournalismus ist fast vorbei, mein Schlussfazit steht aber schon jetzt: Es hat sich gelohnt.

Ich bin weit davon entfernt, alles nachzuerzählen, beim Sportnetzwerk und natürlich auch bei aas (stand das Kürzel eigentlich mal für eine andere Sportsendung?) gibt es jetzt und später Ausführlicheres.

Schade war, dass der Workshop Qualität im Lokalsport: Zwischen Online-Visionen und Alltagsproblemen krankheitsbedingt ausgefallen ist, er war einer der Gründe, mich sechs Stunden auf Bahn-Sesseln auszuschlafen. Anbei an dieser Stelle ein paar unreflektierte Schlaglichter, in den nächsten Tagen mehr und Tiefergehendes.

Thomas Hahn, Süddeutsche Zeitung, zu den hausinternen Verhältnissen:

Also wie die Verhältnisse der Print- zur Onlineredkation sind, wär‘ noch mal ein Thema für eine eigene Konferenz.

Jens Weinreich, Berliner Zeitung, zur Frage, wie Chefredaktion und Leserschaft auf den BZ-Boykott während der Tour de France reagiert hat:

Mit dem ersten Dopingfall war Ruhe im Karton.

Elmar Theveßen, ZDF, über eine seiner Moderatorinnen:

Kristin Otto ist eine gute Moderatorin und Journalistin.

Derselbe zu Hajo Seppelt nach einigen kritischen Bemerkungen über dessen Blutplasma-Geschichte:

Ich möchte mich bei dir entschuldigen, dass ich dich nicht vorher angerufen habe.

Michael Schaffrath, TU München:

Mir ist im Interview mit Martin Schmitt aufgefallen: Das ist ein Kind.

Freddie Röckenhaus:

Das Verhältnis von Sportlern und Sportjournalisten in der DDR war so, wie es sich Matthias Sammer vielleicht auch für Gesamtdeutschland wünscht: „Wir sitzen alle in einem Boot.“

Michael Schaffrath:

Aber machen wir uns nix vor: Spitzensportler lesen relativ wenig Bücher.

Henrik Brandt, Danish Institute for Sports Studies:

Man kauft die Zeitung nicht mehr, um Sportunterhaltung zu bekommen.

ps. Und wer es noch nicht bemerkt hat: Es darf gewählt werden.

pps. Ich weiß jetzt gar nicht, ob sie’s schon wußten … aber es gibt immer noch Hotels, die mit eine Viertelstunde Modeminternet für drei Euro verticken. Tief im Westen ist alles eben auch ein bisschen teurer.

Tief im Westen

Michael Schaffrath erinnert irgendwie an das Dschungel-Camp. Hm.

Na, mal sehen. Das Programm der Konferenz Unter Druck: Qualitätssicherung im Sportjournalismus ist nicht atemberaubend, aber frisch und dringend notwendig. Und wenn die Herren Pahl, Kalwa und Fritsch reden, will ich gerne zuhören. Und senfen, wenn nötig. Kenne Dortmund nicht, hatte nur mal eine Klassenfahrtsfreundin dort. Ist es eigentlich weit bis Schalke? Gibts noch Karten für gegen Wolfsburg? Jemand dort? Bierchen?

Treckflüchtling Thomas Schaaf

Wer kam eigentlich ursprünglich auf die Idee, Menschen des Sports beim beiläufigen Gespräch wie ein Zeitzeuge aus einer Guido-Knopp-Doku vor der Kamera zu inszenieren? Thomas Schaaf sah heute beim ZDF-Vorbericht zu Bremen-Braga aus wie ein 87-jähriger Treckflüchtling, der sich im grünlichen Halbdunkel – die linke Gesichtshälfte lag komplett im Schatten – im Jahrzehnt verirrt hat und statt über die hoffnungslose Taktik der Wehrmacht an der Ostfront plötzlich über die Vorteile Aaron Hunt gegenüber Tim Borowskis im Werder-Mittelfeld sprach. Irgendwie gruselig, das.

Nachtrag: So geht das, Bayern. Und „keine Frage“ sowie „in der Tat“ sind keine Formulierungen, die in einem Fußballkommentar zwingend öfter als dreimal pro Halbzeit vorkommen müssen, Herr Poschmann.

Nachtrag II:
Mir fällt gerade auf: Seit gefühlten dreißig Jahren stand hier kein linkloser Beitrag mehr.

Schwachgelb

Wieviel Verblendung gehört eigentlich zu solchen Aussagen? Selbst wenn der Artikel direkt nach dem Derby unter Einfluss von viel Alkohol und einem erhöhten Adrenalinspiegel geschrieben wurde (wovon nach der Lektüre einfach mal auszugehen ist), irgendwann ist die Grenze auch erreicht. Erschreckend in diesem Zusammenhang finde ich, dass die Website nach eigenen Angaben eine Reichweite von 20-30.000 Lesern pro Tag hat. Wenn ein Großteil davon das, was dort so geschrieben wird, wirklich glaubt und verinnerlicht, wundert mich an den neu entflammten Agressivitäten im Zusammenhang mit den Derbies gar nichts mehr.

Fünfzehndreißig ärgert sich zurecht über schwatzgelb.de

Gedoppter „Elf-Meter“ von drüben gekabelt

Zur Feier der Eröffnung eines großen Wissens- und Archivportals unter dem Spiegeldach anbei die ersten Sport-Texte des Spiegels, ersterschienen am 4. Januar 1947 auf Seite 13 (pdf), zu einer Zeit also, in der es offenbar noch Dopping, gedoppt, fashionable und „Elf-Meter“ hieß und „von drüben gekabelt“ wurde:

Coffein brachte ihn zum Rasen
Auf den Fußballstadien hört man das Wort „Schiebung“ nicht so häufig wie auf den Tribünen der. Rennbahnen. Ganz Schlaue wissen immer wieder von Stallgeheimnissen, wonach nur durch Schiebung der von ihnen getippte Außenseiter das Rennen verlor. Dabei ist im heutigen Rennbetrieb kaum noch Platz für dergleichen Manöver, zumal in Deutschland, wo ständige bahnärztliche Dopping-Prüfungen veranstaltet werden.
Frankreich, das Land des Apéritifs, erfreut sich größerer Freiheit. In Longchamp, dem fashionablen Rennplatz von Paris, wurde der Renner Lua mit Coffein gedoppt, wodurch er seine Geschwindigkeit so erhöhte, daß er Sieger wurde und eine Sensationsquote einbrachte. Der Trainer wurde mit 3000 Franc in Strafe genommen. In jedem andern Lande hätte er sich nie wieder auf dem Rasen sehen lassen dürfen.

Der Medizinmann als Torwächter
In Oberhessen begab sich ein Weihnachtswunder. Der Torwart eines kleinen Fußballklubs bekam einen bösen Tritt und mußte ins Krankenhaus. Er war völlig verzweifelt, denn sein Verein hatte am Sonnabend darauf sein wichtigstes Spiel. Als der Arzt kam, klagte er Gott und die Welt an.
Der Arzt lachte und sagte, er werde ihn vertreten, und es geschah, daß der Herr Doktor an seine Stelle trat. Er spielte so meisterhaft, daß er unter anderem einen „Elf-Meter“ hielt. So rettete der Medizinmann dem kleinen Klub einen wichtigen Punkt.

Louis macht eine Voraussage
Es ist für einen Boxweltmeister schwer, sich für den Irgendwann-Termin in Form zu halten, an dem irgendwo auf dem Globus ein Mann auftaucht, mit dem es lohnt, die Handschuhe zu kreuzen.
So geht’s gegenwärtig dem Weltmeister aller Klassen, Joe Louis, der seit langem keinen Gegner von Format mehr vor den Fäusten gehabt hat. (Tami Mauriello, den letzten Herausforderer, schlug er im September in der ersten Runde ko.) Vor einigen Wochen hieß es, Joe habe genug – auch genug Geld – vom Ring, er wolle endlich, 33 Jahre alt, zu leben beginnen. In diesen Tagen aber wurde von drüben gekabelt, der Mann aus Detroit freue sich auf den – wie er meint, lukrativen – Wettkampf mit dem Schwergewichtsmeister Europas dem Briten Bruce Woodcock, „aber das Ergebnis werde nicht anders sein, als alle anderen Titelkämpfe“. Mit anderen Worten: Joe läßt dem Briten voraussagen, daß er ihn „killen“ werde.
Noch ist letzterer damit beschäftigt, sich von Ring zu Ring an Louis heranzuschlagen. Und er macht eine gute Figur. Daß ihm dennoch schon heute eine Niederlage im kommenden Titelkampf bescheinigt wird, überrascht keineswegs. Die „amerikanische Front“, versessen darauf, den Titel Box-Weltmeister aller Klassen im Besitz eines Amerikaners zu wissen, marschiert, und der „Braune Bomber“ glaubt, dem Briten schon vor dem Kampf „das Herz abkaufen“ zu können
Aber Woodcock scheint sich auf seine Rechte verlassen zu können. Nisse Andersson hielt ihr kurz vor Jahresschluß nur bis zur dritten Runde stand, dann wankte er, von Kopf- und Herztreffern zermürbt, aus dem Ring. Der 96 Kilo schwere Riese aus Schweden brachte erheblich mehr Gewicht als sein Besieger; er dürfte der letzte kontinentale Partner des Briten gewesen sein, dem man drüben, bevor er in die „Schlußrunde“ gehen kann, noch etliche harte Nüsse zu beißen geben wird.

Der Freund des Users, der in dem Autohaus nen Typen kennt

Hmmm….
also ich glaube eher dem Freund des Users der in dem Autohaus nen Typen kennt der da immer rum rennt und Internas ausplaudert…
Sorry, HL, aber danke für die Mühe.

Reaktion eines kicker-Forenschreibers auf die zuvor veröffentlichte dpa-Meldung, in der hinsichtlich Meyer noch alles paletti klang.

via

Einlaufkind


foto_jürgen fromme/ots/olympia-verlag

Das ausdrucksstarke Siegerfoto mit dem Titel „Einlaufkind“ gelang Jürgen Fromme (41) beim Fußball-Bundesligaspiel Bochum – HSV. Das Einlaufkind sollte eigentlich Vincent Kompany vom HSV auf den Platz begleiten. Plötzlich macht der kleine Junge völlig aufgelöst und weinend kehrt. Hat ihn der HSV-Spieler übersehen? Hat ihm die lautstarke Kulisse Angst gemacht? Fußball ist eben eine aufregende Sache – für die großen und die kleinen Fans.

Das ist also das Sportfoto des Jahres des kicker. Rewirpower wird sich freuen. Und es bleiben Fragen:

? Schlägt Vincent Kompany kleine Kinder?
? Wissen schon Kleinkinder um die fußballhistorische Tragik seines Vereins namens „Zebras“?
? Heißt es nun Einlaufkind oder eher doch Auflaufkind? Und wo ist der Unterschied?
? Wann präsentiert der kicker endlich das echte Sportfoto des Jahres?

Nachtrag:
Die Top-Ten der Welt