Archiv für Januar 2008

Poor Odonkor


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Odonkor unglücklich.
Dies gab die Frankfurter Rundschau am 12. Juni 2007 auf Seite eins bekannt, was mich insofern erstaunte, als ich noch nie zuvor auf Seite eins irgendeiner Zeitung eine so lakonische Mitteilung über die Gefühlszustände eines Menschen gelesen hatte. Neben Odonkor unglücklich stand Belgien vor Regierungswechsel, darüber Deutsche Waffen sind begehrt. Aber Odonkor, der deutsche Fußballspieler, war nicht dieser Waffen oder des Regierungswechsels wegen unglücklich, sondern weil er sich in Sevilla, wo er beim FC Betis spielt, nicht wohl fühlte. Ich warte seitdem auf die Zeile Odonkor glücklich, aber nichts war zu lesen. Bis jetzt. Poor Odonkor.

SZ-Hacke ist erstaunt über diese Schlagzeile auf der FR-Titelseite vom Juni 07.

Fuchs, du hast die Gans gestohlen

Der VfL Wolfsburg, deren Spieler gemeinhin auch gern mal die Wölfe genannt werden, hat eher kein Image. Nicht schlecht, nicht gut, nicht böse, nicht brav, nicht opi, nicht öko, gar nichts. Außer VW. Ein kleine Idee, das zu ändern, kommt derzeit aus Berlin, wo das Tier zum Mensch und der Vereinsname zur Kampagne gemacht wurde. Besonders schön finde ich die schlappe Gans im Fuchsmaul. So ein Magath mit fletschendem Wolfsgesicht hätte schon was. Und für das Spiel gegen Duisburg gäbe es da auch gleich ein Motiv für das Ankündigungsplakat.

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In Essen heißt Volleyball manchmal anders

Dies ist eine eigene Sportart, auch wenn diese sehr stark ans Volleyball angelehnt ist …
Als Bekleidung ist prinzipiell alles zugelassen. Diese sollte aber eventuell den Witterungsbedingungen angepasst werden. Das tragen von Pyjamas (auch ESP Ein-Schlaf-Pyjama) kann zur Lächerlichkeit führen, muss aber jeder selbst wissen …
Sofern vorhanden werden die Punkte von unserer Automatischen-Punkte-Zähl-Anlage mit weiblich, erotisch, stöhnender Stimme, S.A.N.D.R.A. („Seufzende, Ausdauernd Nachzählende Duracellbetriebene Rechen-Anlage“) gezählt …
Das Netz hat in unseren Spielen in erster Linie die Aufgabe, die Spieler voreinander zu schützen, indem es mit brachialer Gewalt revers beschleunigte Bälle abfängt, bevor diese anderen Mitspielern weh tun könnten …
Sich über andere Spieler lustig zu machen und sie bei Spiel zu stören ist nicht nett – wenn sich jemand beispielsweise die Hose aufreißt, ihn beim Aufschlag mit Sprüchen wie „Dein Puller hängt aus der Hose“ abzulenken …
Ein „Ölen“ von Mitspielern sollte nach Möglichkeit nicht während des Spieles erfolgen. Nach oder vor dem Spiel ist dieses jedem frei gestellt und sollte auch nicht verpöhnt werden.

So aufgelockerte Spielregeln (pdf) sind zwischen den ganzen hochernsten 380-seitigen Profiverfassungsordnungen, in denen noch der kleinste Schnürsenkel exakt reglementiert wird, eine erfrischende Angelegenheit. Auch wenn sie die Unwahrheit spricht, denn Grugaball ist noch keine eigene Sportart, sondern nur eine Volleyball-Modifikation einer Freizeitgruppe in Anlehnung an den Spielort in Essen. Aber immerhin.

Länderspiel live im Netz

Und zwar die U21 am kommenden Dienstag auf dfb.de. Und noch nicht im neuen AC-Mailand-Gedenkauswärtstrikot.

Schnelle Ecke alla Roma

Die Beschleunigung des Spielverlaufs im modernen Fußballspiel ist an sich eine Sache, die man begrüßen kann. Mehr Nettospielzeit, mehr Spielaktionen, mehr Spaß, mehr von allem. Der Fußball kann da durchaus noch vom Handball (Schnelle Mitte), Basketball (24 Sekunden pro Angriff) oder auch Schach (Schachuhr) lernen. Hat er auch schon, sonst gäbe es die modifizierte Rückpassregel heute nicht.

Dennoch gibt es Grenzen. Balljungen, zum Beispiel, sollten trotz ihres guten Willens dem Spiel eher fern bleiben, weil sonst leicht ein Parteinahmeverdacht entstünde, was zu hässlichen Nachdiskussionen führen kann. Passiert solch merkwürdige Spieler-Balljunge-Kooperation auch noch in Italien, das für sachlichnüchterne Fußballerörterungen im allgemeinen weniger berühmt ist, dann gibt es plötzlich schadenfrohe, whitestripesuntermalte Bewegtbilder wie diese hier zu entdecken:

Und Sizilianer zu ärgern muss auch nicht immer glimpflich enden, lieber Gianluca.

Hintern hauen

A smack on the ass can be used any time.

USA erklärt den butt slap.

DFB-Pokal: BVB vs. Werder

Ab heute Abend live und ungekürzt von zu Hause. Ich freu‘ mich!

Nackt


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Schon mal nackt Sport getrieben? Von der Nacksportart Nummero 1 mit dem Hauptbetätigungsort Matratze mal abgesehen? Vollkommen frei den Federball geschlagen, den Schmetterschlag probiert oder die Beachblutgrätsche angewandt?

Ich noch nich. Komische Vorstellung, irgendwie. Liege aber ja auch nicht angezogen in der Badewanne. Und es gibt so Disziplinen, die eher nicht prädestiniert für Blankgezogene sind, Fechten zum Beispiel, aber auch Skispringen oder Judo. Aber Nacktsport ist – wie Geräteturnen auch – wenig in den Medien präsent, dafür mit umso längerer Historie ausgestattet. So ritt neulich mal eine Lady aus Steuerprotestgründen nackt durch die Grafschaft. Olympia war lange Zeit ein Hort der Nackedeis. In der DDR erfand der FDGB in Zusammenarbeit mit der DHFK die FKK. Schließlich beschloss der Weltvolleyballverband, die Beachvolleyballhosen zu kürzen, auf dass die Spielerinnen quasinackt durch den Sand toben.

An den Ufern kann der Nackte und die Nacktin nicht nur volleyballen, sondern auch beachbalgen, sprich: Rheinisch Raufen, und dem Motto der Beachbalger Hirn – Herz – Hand – Hoden folgen. Und natürlich gibt es Regeln:

Die Rasur des Körpers gilt für männliche Ringer als höflich. Kleidungsfrei ringenden Frauen schlage ich die Beibehaltung vorhandener natürlicher Körperbehaarung vor. Schlechte Chancen für Spanner!

Weitere Interessantheiten: Der Deutsche Verband für Freikörperkultur bietet in seinem Webshop Hemden an, vor zwei Wochen war es wieder mal so kalt, man kann auch integral nacktiv sein und in Roskilde gibt es einen Nacktwettlauf. So schließe ich denn mit der Erklärung, warum demnächst in Peking alle angezogen sein werden:

Aufgrund des kommerziellen Interesses der Sportbekleidungsindustrie hat der Nacktsport keine wirtschaftliche Interessenvertretung (Lobby).

Überschattet

Schach ist das wahre Dschungelcamp.

Die Handschlagaffäre hat während der letzten Tage das schachliche Geschehen überschattet.

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Die Toilettenaffäre im Nachspiel

Dritte Liga startet mit Live-Übertragung

Direkt von der Quelle ein paar Fakten zur Dritten Liga:

$ erster und zweiter Spieltag im Juli nur 3. Liga, danach setzen Bundes- und zweite Liga ein
$ große Eröffnungsveranstaltung, Live-Übertragung des Eröffnungsspiels
$ schon in der Rückrunde Ausschnitte von drei (bisher zwei) Regionalliga-Spielen in der Samstags-Sportschau
$ Bericht über Topspiel der 3. Liga in der Sonntags-Sportschau oder ZDF-Sport-Reportage
$ ausführliche Berichterstattung in den Dritten Programmen, bei Bedarf Live-Spiele
$ Einteilung der drei Regionalliga-Staffeln nach regionalen Gesichtspunkten und individuellen Wünschen, möglichst Gleichverteilung der zweiten Mannschaften,

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Dritte Liga beim Nachspiel

Tsonga regiert

Aus dem Kapitel Körpersprache im Sport:
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Ein Spieler wirkt von Anfang an hektisch, nervös, übermotiviert. Das Match ist keine zehn Minuten alt, und er zieht die Augenbrauen zusammen, ärgert sich offen über sich selbst, streicht seine langen, schon verschwitzten Haare permanent zurück, freut sich über einfache, unwichtige Punkte die entscheidende Sekunde zu lange, die geballte Faust zu viel. Er spielt nicht, er kämpft; mehr mit und gegen sich als den Gegner. Sein Blick gleicht mit fortschreitender Spieldauer dem eines Rehs auf der Treibjagd, das spürt, keine Chance zu haben. Waidwund dekliniert er seine taktischen und technischen Möglichkeiten durch, doch was immer er anstellt – der Gegner ist schon da. Er hätte sich nach der Hälfte des Spiels auch auf die Stirn schreiben können Ich werde heut nicht gewinnen, und jeder hätte ihn irgendwie verstanden.

Der andere Spieler spielt sein Spiel. Selten, dass er dem Konkurrenten nach einem Ballwechsel hinterhersieht, dabei kaum eine Miene verziehend. Eine gelungene Aktion quittiert er hin und wieder mit kurzleiser Selbstanfeuerung, eine misslungene gar nicht. Gekonnt setzt er vulkanös ausbrechende Jubelsprünge, Publikumskommunikation und lautstarkes Lamentieren mit dem Schiedsrichter als feinpsychologische Nadelstiche ein. Trotzdem er ein bulliger, auf Kraft bauender Sportler ist, dringt seine Erschöpfung nur selten nach außen. Das selbstbewußte Auftreten wird durch sein Spiel gestützt, das er vom ersten bis zum letzten Ball unabhängig von einigen Misserfolgen konsequent durchzieht: Kontrollierte Offensive. Nach vorne. Die Entscheidung suchend. Für einen aufstrebenden Newcomer strahlt er genau die richtige Mischung aus traditionsbewusster Bescheidenheit und rebellischer Arroganz aus, die die Platzhirsche verunsichert und das Publikum auf seine Seite zieht.
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Der 22-jährige französische Tennisspieler mit dem trikontinentalsten Namen von allen hat heute das Halbfinale der Australian Open regiert. Jo-Wilfried Tsonga gewann gegen Rafael Nadal mit 3:0, und die Slow-Medien werden sich morgen in Lobhudeleien überschlagen ob dieser Demontage. Und sie werden Recht haben. Mich würde es nicht wundern, wenn sich Tsonga nach dem Finalsieg artig bei den Australiern bedankt, irgendwo schnell ein Mittelklasse-Cabrio ausleiht, die Siegerin Ana Ivanovic als Beifahrerin einlädt und ein paar Tage im Outback Urlaub macht.

Nadal jedenfalls braucht jetzt dringend einen Psychologen.


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