Archiv für November 2007

Bin dann mal kurz weg

Und zwar im doppelten Sinne. Wie schon angekündigt, biege ich auf dem Weg zur Europameisterschaft 2008 kurz ab und mache es mir im Gemeinschaftsblog mit dem originellsten Namen von allen die nächsten Monate so richtig gemütlich. Also, wenn ich bitten darf:

Euro 2008.

Der restliche Weltsport passiert natürlich in gewohnter Quantität weiterhin hier. Allerdings erst wieder ab Mitte nächster Woche. Das erste Dezemberwochenende soll nämlich der Zeitpunkt mit dem geringsten Touristenaufkommen am schönsten Fleckchen Deutschlands überhaupt und generell sein. Das werde ich dort mal testen. Und sonst gar nichts tun. Drei Tage lang.

Ätsch.


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Volk jetzt wieder mit Raumdeckung

Och.

Das Eigentor des Monats: Contofalsky zum 1:0 für Nürnberg

Das kommt davon, wenn man zu viel Geld hat. Achthundertausendbillionen hat unser aller Gazprom in Zenit St. Petersburg gesteckt, damit man dem Abramowitsch in der Europaliga mal zeigen kann, was Russisch Roulette heißt. Der dicke Advocaat stellt also den slowakischen Nationaltorhüter Kamil Contofalsky zwischen die Pfosten. Und der macht gerade im UEFA-Cup-Spiel gegen Nürnberg einen auf Oliver Tomislav Piplica Reck, nur mit noch schlechteren Haltungsnoten.

Was für eine Gurke!

Contofalsky boxt einen harmlosen Klub-Schuss dermaßen unelegant ins eigene Netz, dass ihm die Wettmafia heute Abend entweder einen prall gefüllten Geldkoffer oder die goldene Patrone übergibt.

Gäbe es sowas nicht schon, müsste man jetzt glatt einen freies Internetvideoportal zum Sichnachhertotlachen erfinden. Das gepritschte Eigentor war übrigens nicht die erste contofaleske Dummerei.

„… aber wenigstens spielt er mir den Ball zurück.“


Außer Atem

Deshalb mag ich Sport so gern. Sportler sind nicht allein. Ich spiele so oft Tennis, weil ich ein Gegenüber habe. Zwar bezahle ich meinen Partner, aber wenigstens spielt er mir den Ball zurück. Den Techniker, der mit mir an einem Film arbeitet, bezahle ich auch, aber er spielt mir nicht den Ball zurück.

Filmemacher Jean-Luc Godard in der aktuellen Zeit

Ämterhäufung ist doof

Skurrilster Verdacht: Die Beförderung erschossener Schweine soll der passionierte Jäger der gGFL als „Schülertransport“ in Rechnung gestellt haben.

Der Magdeburger Handball-Mogul Bernd-Uwe Hildebrandt in der SZ-Mangel.

Nur nicht hängen lassen


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Gilt für das Gummiseilirgendworunterspringen wie für die regelmäßige Blogpflege. Dank des Hinterntritts von Herrn Wieland ist die Wegklickrolle jetzt wieder frisch. Guten Appetit.

Besser als Joggen

Ich wusste schon, warum ich immer weniger Sport treibe, seit ich immer mehr am Schreibtisch sitze. Es würde schlicht nichts bringen. Viel effektiveres Fettverbrennen ist dagegen:

+ regelmäßig irgendwann zwischen fünf und sechs geweckt werden (und geweckt heißt, dass mann dann wach ist. Hellwach.)
+ lebendiges, sprich zappelndes Wesen im zweistelligen Kilogrammbereich einarmig die Hindernisstrecke Auto – geschlossene Gartenpforte – Treppe – geschlossene Haustür – Treppe – geschlossene Wohnungstür tragen
+ in fünflagiger Komplettkleidung (weil kalt) gut zwanzig Minuten in einem gut, nein, sehr gut, nein, hervorragend geheizten Kindereinrichtungshaus die Kinder einrichten, also reinbringen, halb ausziehen, bisschen wieder anziehen, abschütteln, mit Betreuerin reden; und das Ganze dann noch einmal (und nein, mann hat keine Zeit und genug Hände, um sich selbst temporär einiger Klamotten zu entledigen
+ die höhere Schule ist dann der Kinderarzt: Noch besser geheizt (noch nie was von Ölkrise gehört, Doktor?), noch längerer Aufenthalt, noch mehr Anziehsachen, die es erst schnell auszuziehen gilt (Kind ruhig) und nach der Diagnose und Kurzbehandlung (Kind unruhig) sehr schnell (nächste Patienten warten) wieder anzuziehen sind (Kind stinksauer), während nebenbei das Fachpersonal sich in atemberaubendem Tempo sowie mittels Gebrauch von Fachtermini erkundigt, welche Medikamente noch da sind, welche noch gebraucht würden (bin ich Arzt?), wie lange Krankschreibung, für wen, Krankenkasse, nächster Termin, nein, die Schuhe bleiben an!, Nachmittag ist ganz schlecht, nicht schreien, bitte!, Zäpfchen oder Granulat?, bleibst du jetzt mal hier!, nein, ich weiß nicht ob wir noch fallongbizunol haben, nein bin nicht krank schwitze nur wie ein stier (scheiße ist das heiß hier) …
+ die existenzielle Frage nach dem wahren Eigentümer der potthässlichen, aber äußerst beliebten Puppe-mit-ohne-Sachen-an im Sinne des Salomon klären (sich gegenseitig wütend anschreiende Kinder versteht der aufmerksame Fußgänger trotz geschlossener Autofenster übrigens sehr gut; das schließe ich aus der hin und wieder sehr interessierten Mimik und Gestik der Außengehenden)

Fazit: Herzkreislauferkrankungen, Diabetes, Dickleibigkeit – ihr könnt mich mal.

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Causa Hartplatzhelden: Offenes Briefchen an zehn Prominente

Prolog:

Spätestens dann, wenn Fangruppen der DFL/den Rechteinhabern Verträge zur Ton-/und Bildverwertung von Aktionen, Gesängen und Choreographien anbieten und bei Nicht-Unterzeichnung a) mit dem Einstellen solcher Aktionen bzw. b) bei weiteren Bildern aus dem Fanblock mit Urheberrechtsklagen drohen, wird die Sache ziemlich schnell spannend.

Ein Zitatzitat vom 1. November 2006. Aktueller denn je.

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Lieber Miroslav Klose, Manfred Breuckmann, Oliver Bierhoff, Marcel Reif, Rainer Holzschuh, Günther Jauch, Oliver Welke, Katrin Müller-Hohenstein, Rafael van der Vaart und Rainer Schäfer!

Es sind eine Menge wunderschöner Aktionen dabei … Den Hartplatzhelden sieht man an, dass sie die Bandbreite von Ronaldinho bis Michael Kutzop abdecken … Gelungene Seite für den Amateurfußball … Generell finde ich die Art, wie hier Fußball behandelt wird, einfach schön … or dem Enthusiasmus der Hartplatzhelden und aller Amateurfußballer habe ich größte Hochachtung … Unverzichtbar, die Nummer 1 unter den Amateurfußball-Portalen … Videos davon zu drehen und zu veröffentlichen – eine sehr gute Idee … Die Scouts aus allen europäischen Ligen verbringen schlaflose Nächte, bevor endlich wieder eine neue Ladung von Hartplatzhelden-Clips das Netz erreicht … Spitze! Mensch, was haben wir Talente!

Sehr geehrte Damen und Herren!

Ich war mal so frei und habe sie zitiert. (Das können noch nicht mal Fußballverbände verhindern.) Sie haben bei dessen Start Ihrer Begeisterung für das Amateur-Fußballportal Hartplatzhelden Ausdruck verliehen, und ich glaube nicht, dass Sie damals lange über ihre Statements nachdenken mussten. Worüber Sie aber – vielleicht nach vorheriger Absprache mit Ihrem (und Sie haben bestimmt einen) Anwalt – mal ein paar Gedanken verschwenden sollten, ist folgendes: Sollten sie Ihre Parteinahme in Zeiten wie diesen erneuern, würden Sie garantiert die Herzen nicht weniger Amateurfußballer gewinnen. Selbst dann, wenn es die Seite vielleicht bald so nicht mehr gibt. Sollten Sie aber eine – wenn auch nur verbale und rechtlich irrelevante – Unterstützung unterlassen, sind Ihre hübschen Testimonial-Sprüche wertlos und – im Nachhinein betrachtet – nur noch höhnisch.

Sie brauchen übrigens aus einigen technischen und sehr vielen Image-Gründen gar nicht darüber nachzudenken, Ihr Engagement einfach nur umzuschichten und bald ein eventuell noch entstehendes Amateurfußballvideoportal des DFB auf fussball.de anzupreisen. Dort gibt es zwar alle Ergebnisse, aber der Coolness-Faktor dürfte dann in etwa so hoch sein wie der eines Fußball-Blogs vom kicker.

Beste Grüße
nolookpass

Nachtrag: Interessante Passage fussball.de betreffend im Spiegel-Artikel:

Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen gibt es aber seit langem Streit um die Zuständigkeiten beim Einpflegen des Contents. Zudem sei die Technik nicht ausgereift, so dass sich die Unterstützung der Landesverbände für www.fussball.de bislang in Grenzen halten soll. Außer Arbeit kommt für die Verbände nicht viel herum.
Das könnte sich bei einem Urteil im Sinne des wfv ändern. Die Landesverbände hätten dann künftig die Möglichkeit, die Bilder ihrer Spiele selbst zu vermarkten. Wird da ein Streit zwischen zwei Parteien aus einem Haus auf dem Rücken eines externen Dritten ausgetragen?

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Mehr zum Thema:
Sportveranstalter auf Fanvideo-Hatz (Spiegel)
Streit um Web-Videos (Spiegel)
DFB-Landesverband verklagt Videoportal (Heise)
Mehr schlecht als recht (American Arena)
Funktionäre vs. Fan-Unternehmer (Bolzplatz)

Billard-Soli-Clip:

Du gehst niemals allein

Am Sonntag ist es soweit. Das kapitalistischste sowie zugleich sozialistischste Nichtnurfußball-Sport-Weblog von deutsche Land hat die Zeichen der Zeit verstanden. Die Ära der Allesineinem-Angebote ist vorbei, der Markt differenziert sich aus, und billiger ist es sowieso.

Das Nachspiel lagert aus.

Ist schon ein bisschen blöd, bin ja ganz allein, aber diesen Trend kann und will ich einfach nicht verpassen. Die Fesseln des Flächentarifs abgestriffen, kein Betriebsrat breit und weit, outsourcing rules! Und um mich nicht selbst zu vierteilen, kupiere ich eben das Blog. Der Themenkomplex Fußball-Europameisterschaft 2008 wird pünktlich zur Auslosung in einer Tag-und-Nieselregen-Aktion hierheraus und in eine neue Bloggesellschaft eingegliedert. Damit die Gewerkschaft nicht vorher zum Streik aufruft, bleibt die Adresse noch geheim. Damit ihr bis dahin was zu lesen habt, noch mal der Link zum WM06-Blog.

Zusammen mit dem gloriosen Geisterhund (Spielmacher) und Lottogewinnerin Kittyluka (Geldgeber) unfugisiere ich den Weg des europäischen Fußballs zur EM. Und wie das mit uns Norddeutschen immer so ist – erssma logger machn. Während ich also am Wochenende an der Ostsee faulenze, dürfen die werten Mitblogger das obligatorische Losglück der Deutschen bejubeln.

Schön, wenn ihr zur Einweihung mal kurz zum Anstoßen vorbeikommt. Noch besser, wenn ihr mitmacht: Kommentare, Gastbeiträge oder regelmäßige Mitschreiber sind gern gesehen. Kontaktperson ist übrigens jene.

Am allerbesten jedoch, wenn Tim Borowski das Siegtor in der Finalverlängerung schießt. Aber naja.

Mach’s gut, Magenta: Telekom steigt vom Radsport-Sattel

Das Auspacken von Patrick Sinkewitz war der Tropfen, der das Doping-Fass aus Telekom-Sicht zum Überlaufen brachte. Die tragischen Folgen:

- der reiche Amerikaner macht jetzt eben ohne Konzern im Nacken weiter
- die Radsport-Rubrik in vielen Publikationen kann jetzt endgültig wieder zu Sonstiger Sport sortiert werden
- die herrlichen Fernsehbilder französicher Landschaften werden nicht mehr durch häßliches Quasi-Pink verunstaltet
- vorerst keine dramatischen Dopingkonferenzen im öffentlich-rechtlichen TV mehr.
- plötzlicher medialer Aufschwung für die Friedensfahrt
- die Telekom kann jetzt Geld in richtige Sportarten (also mit Ball) sowie – auch wenn es utopisch klingt – in besseren Kundenservice investieren
- die Politik wird pink


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„Es herrscht ein Klima der Straffreiheit“


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Wir haben hier sechs Millionen Menschen in prekären Arbeitsverhältnissen, junge Leute, die ihrer Zukunft beraubt sind. Für die ist ein Beamter in Uniform eine Reizfigur. Außerdem gibt es keine Grenzen mehr zwischen Legalität und Illegalität, es herrscht ein Klima der Straffreiheit. (…) Im Parlament sitzen 24 vorbestrafte Parlamentarier. Und wenn du einen Strafzettel nicht bezahlst, dann beschlaggnahmen sie deine Wohnung. Diese Ungerechtigkeit löst die Gewalt aus: Wenn du nichts mehr zu verlieren hast, wirfst du einen Stein. Bei uns ist nur deshalb nicht noch mehr passiert, weil wir die Straßen asphaltiert haben.

Italiens Starkomiker und -blogger Beppe Grillo in der jüngsten Zeit über die Gewalt italienischer Fußballfans