Archiv für Oktober 2007

Sport im November

Am 17. und 21. bestreitet die deutsche Fußball-Nationalmannschaft zwei Testspiele gegen Zypern und Wales. Nach den mäßigen spielerischen Vorstellungen wird vom deutschen Boulevard vermutlich erwogen, das Löw-Team zurückzuziehen und den leider nicht qualifizierten, dafür aber schönspielenden Engländern unseren EM-Platz zu schenken.

Mit welchen europäischen Fußballzwergen sich Toni Kroos und Co. auf dem Weg zur WM 2010 herumschlagen müssen, entscheidet am 23. die Auslosung im südafrikanischen Durban. Ich hoffe auf Russland, damit wir hierzulande auch mal so eine unheimlich befruchtende Kunstrasen-Diskussion erleben wie unsere britischen Freunde.

Die USA haben ab 30. im oregonischen Portland ein Heimspiel im Finale des Tennis-Daviscups. Gegner ist Russland. Es werden drei Kampftage für die internationale Wettmafia. Nikolai Dawidenko verliert das entscheidende Einzel nach 6:0/6:0-Führung noch in einem dramatischen Fünfsatzmatch. Der Grund: Sein Hund hatte Angina.


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Sport im Oktober
Urlaub im September
Sport im August
Sport im Juli
Sport im Juni
Sport im Mai

Auswahltakteure

Verbandschef Witali Mutko versprach für den Fall der erfolgreichen EM-Qualifikation jedem Auswahltakteur 104.000 Euro …

Professionelle Fußballspieler werden in Russland ehrlicherweise das genannt, was sie mitunter auch sind.

Deutschland vs. Kanada

15:30 Alle freuen sich. Nur der Blatter guckt wieder so komisch. Und unsere Queen of Eloquenz, Birgit Prinz, sagt: „Was soll ich dazu noch sagen?“
15:25 Kleiner Newscheck zehn Minuten danach: Spiegel hat noch nix, alle anderen waren schneller.
15:20 Birgit Prinz lässt sich widerwillig von Mayer-Vorfelder küssen. Dann die Erinnerungsfotos.
15:15 Schade, kaum Jubel in Zürich. Ich hätte Herrn Zwanziger und Frau von der Leyen gerne mal richtig miteinander freudeschreien sehen.
15:13 Es ist Deutschland.
15:10 Blatter spricht. Nach der gut zweiminütigen Begrüßungsorgie folgt das übliche Dankbarkeitsgesabbere. Der Fifa-Präsident ähnelt mit dem Alter immer stärker Danny de Vito. Nachtrag: Das Licht im Saal wird übrigens zu 80 Prozent von Franz Beckenbauer produziert.
15:03 Vor sieben Jahren saß ich in Berlin mit dem halben Wohnheim vor dem Fernseher, als Deutschland eine WM bekam. Von Frauenfußball war damals noch keine Rede.
15:00 Laut n-tv sind drei der 24 Wahlberechtigten nicht dabei. Also kein Unentschieden.
14:58 n-tv überträgt auch. N24 nicht. Die Fifa streamt live. Blitzlichtgewitter in Zürich.
14:55 Im Sitzungssaal des Sinsheimer Rathauses wird die Bekanntgabe auch live verfolgt, könnte man doch WM-Städtchen werden.
14:52 „Da hängt ein bisschen was in der Technik“, sagt die Moderatorin, und man kann nur hoffen, dass Phoenix nicht für den Bewerbungsfilm verantwortlich war.
14:50 Wer das Merkelsche Grußwort hören und sehen möchte, den bitte ich hier entlang.
14:45 Der frühere Bundestrainer Gero Bisanz ist im Studio. Er trägt einen Jogi-Löw-Gedenkrollkragenpullover. In schwarz.
14:40 Huch, auf Phoenix gibt es traurige Langzeitarbeitlose. Die schöne WM-Vorfreude ist futsch.

Kann. Nicht. Bloggen.

Hatte. Die. Carlos. Alberto. Krankheit. Und. Bin. Jetzt. So. Müüüüüddeee.

(Man kann nur hoffen, dass Herr Alberto nicht mal zu Milan wechselt.)

Heulsuse der Woche

Ich war geschockt, als er mir das sagte. Ich war von der ganzen Sache so überrascht, dass ich sogar angefangen habe zu weinen.

Tennisspieler Nikolai Dawidenko erklärt der Welt seine Reaktion auf die Ermahnung des Schiedsrichters, er möge sich doch bitte ein wenig mehr anstrengen. Schön auch die Begründung, er habe nur so schlecht gespielt, um herauszufinden, ob er auch wirklich eine Strafe bekommen würde.

Dawidenko steht übrigens im Mittelpunkt der aktuellen Wettbetrugsaffäre im Tennis. Das kann dann schon mal auf die Seele schlagen.

Tischtennis nicht mehr live und umsonst


Tischtennis, der Sport mit dem großen Boll und dem kleinen Ball, gibts ab sofort nicht mehr live im Netzfernsehen. Contenthouse hatte die neu designte DTTL für umsonst übertragen, nebenbei sprang auch ein halbstündiges DSF-Magazin heraus. Doch damit ist vorerst Schluss:

Die contenthouse GmbH, der exklusive Rechtepartner der DTTL, setzt zunächst seine Produktionen von den Spielen der höchsten deutschen Spielklasse im Herrentischtennis aus und wird erst mit den Play-off-Spielen der laufenden Saison 2007/8 im April des kommenden Jahres wieder auf Sendung gehen. Benno Neumüller, Geschäftsführer contenthouse: „Es ist uns nicht gelungen, die Kosten für unsere hochwertigen TV- und Internetproduktionen durch die Vermarktung der verfügbaren Werbeflächen zu refinanzieren.“

Eine Wirkung hat dieser Minicrash dennoch gehabt: „Weitreichende Veränderungen im Spielsystem“ sollen alsbald zu einer erhöhten Medienpräsenz führen. Vielleicht sollten die Herrschaften erst mal bei der Länge der Spielerhosen anfangen, hat woanders auch schon nicht geklappt.

Was ein Bayern-Trikot so alles anrichten kann

Da ich das gestrige Uefa-Pokal-Spiel der Bayern – übrigens nach den 111 Jahre alten original Jenaer Regeln gespielt – ohne langweilige Dusel-Klischees zu bedienen nicht kommentieren kann, hier jetzt lieber eine kleine, dafür aber gänzlich unoriginelle Fakten- und Linkschleuder:

Der Herbig heißt Bully, weil er beim Fußball immer ein Bayern-Trikot trug, das damals (1979-1984) vom Logo der Firma Magirus-Deutz geziert wurden, einem ehemaligen, beizeiten in Iveco aufgegangenen Lastwagen-, Omnibus- und Feuerwehrfahrzeughersteller, der unter anderem für eine Produktlinie bekannt war, dessen kantige, wuchtige Konstruktion mit freistehenden, eckigen Kotflügeln dieser Fahrzeugserie den Spitznamen „Bullen“ verlieh.

Ottfried Fischer hat damit also nichts zu tun.

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(Ich muss irgendwann mal in einem ungeeigneten Moment lässig den fantastischen Fachbegriff kubische Pressstahlfrontlenker fallen lassen. Ich muss!)

Bunt

Der Verein besinnt sich zudem stärker auf seine Traditionsfarben Grün, Schwarz und Weiß. Bei einem Fußballverein, dessen Spieler auch “die Roten” genannt werden (aufgrund der Trikotfarbe) und in dessen Stadion die Bestuhlung vorwiegend blau ist, gibt es reichlich Bedarf in Bezug auf die Schärfung der Marke.

Das Design-Tagebuch über Hannover 96

Das WM-Gesicht

Wird es analog zu Franz Beckenbauer auch eine zentrale Figur bei einer Frauen-WM geben?

Zwanziger: Ja, aber ich sage noch nicht, wer das werden soll. Das werde ich erst nach einem möglichen Zuschlag verraten. Es wird allerdings ein weibliches Gesicht sein.

Ich weiß es, ich weiß es:


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Phrase des CL-Spieltags

durch die Hosenträger

Der Ringkampf

Der hohe Favorit hatte es jetzt begriffen. Den viel jüngeren Kontrahenten mal eben zu bezwingen, ihn mit purer Stärke zu dominieren, mit Erfahrung, physischer wie psychischer Kraft; das würde nicht funktionieren. Nicht jetzt, nicht hier. Der Favorit hatte seinen Gegner unterschätzt.

Es war ein Finale, wie es sich die wenigen Zuschauer nur wünschen konnten. Packend, mit Tempiwechseln, dabei alle Abstufungen der sportlichen wie menschlichen Gefühlsskala durchspielend. Der Favorit war zwar optisch im Vorteil, doch alle auf und an der Matte wussten es besser und ließen sich nicht von seinen schnörkelig vorgetragenen griechisch-römischen Standardtricks blenden. Es war noch alles offen. Und wie das so ist bei einem Generationenduell: Um so länger der Kampf andauerte, um so stärker zog es das Publikum auf die Seite des Neulings.

Der Favorit bemerkte den atmosphärischen Wandel, er fühlte die grundlegende Bedeutung dieses Finales, die über das reine Gewinnen eines Ringerturnieres hinausging. Nichts weniger als sein Ruf stand hier auf dem Spiel.

Er wechselte die Taktik: Statt rigoros und offenbar erfolglos mit einer Allesodernichts-Strategie schnell für klare Verhältnisse zu sorgen, setzte er nun auf Abwarten. Wie eine Katze schlich er um den hoch konzentrierten Gegner, der scheinbar unbeteiligt in der Mattenmitte stand und dabei seine Arme aufreizend umherwirbelte. Da das Kampfende nahte, musste es jetzt zum unvermeidlichen Showdown kommen …

Am Ende siegte noch einmal der Favorit. Aber eines hatte er plötzlich begriffen: Er war von nun an die längste Zeit ein Favorit gewesen.

Und so höret und staunet: Das Ankleiden eines kräftigen, bewegungsfreudigen, quirligen und dabei recht modeunlustigen knapp anderthalbjährigen Sohnes ist nicht immer eine problemlose Angelegenheit.