Archiv für Juli 2007

Gewalt in Fußballstadien –
ein Kavaliersdelikt?

Ein Aufsatz aus aktuellem Anlass

Nu, wasndis eechendlich, so‘n Gavalierschdeliggt. Guggisch nach bei de Wiggipedscha, schtedda „Vergehen von Adligen, für die die Gesetze nicht galten“. Oha. Gaisor und Gönsch also. Bin ich nich, bin dor Ronny neemlisch, immoar schon gewäsn.

Also weiddor im Text:

… Straftaten, die gemeinhin als moralisch so gut wie einwandfrei gelten, aber per Gesetz verboten sind.

Nu, gennaou! Morolisch einmonnfreeei, düs soag ich immoar im Stahdjon zu‘n Majioh. Weeß nüsch, warum die Bollezeier da daornd so fuchdch währn müssen. Die knübbeln doar, dass wa beede Beene inne Hand nehmüssn. Und andaornd diese gräfdsche Anflaumerei! Unnur, weil diese Luhmische sisch nich vorgaggeiern lassen wolln.

Nu gut, mer lassn uns die Bämme da ni vom Brodde nähm. Und ooch wennma nu alle in diesen Gombschuddor drinne sind, tun mer schon den nehsten ullgschen Schnulli aushäggn. Awer ni mär uffe Schdrase, da simmer neilich bidschenass geworn unnerm Bohdex – bleede Wassorschmeeßer! Hädden de Grünröggschen doch ooch mol ä Häbbchen wenscher schdängorn gönne, nor?

Schulldchnsä, is doch woar. Un dann erscht diesor Gommunigadschohns-Eggsbärde, dor Gundor Bilz. Tut schnugglisch reden und gluch guggn, kann awer selbscht gorni bäbbln, nur ständisch die Gusche oofmachn und Unfuch babbln. Dem würdsch gärn moal in seene Wessiwambbe ladschn.

Richdsch, freilich gönne mar uns ooch am Riemschn reeßen, dor hündert uns nüscht. Sonst müsse mer alle noch inne Brodduggdzschohn und gönn nimmer dä sieße Schnegge vom Imbissheißsche vorbahl ongrobbln odor de begnoggden Dräsdnor vormeebln.

So, nu muss ich mer ausmährn, bin schon gonz bedäbbord im Gobbe.

Nu. Ferdsch.

Machenses hibsch!

(Dankeschön)

Das große Krabbeln gen Liga drei beginnt


fotos_flickr

Nachtrag: Den genauen Modus dröselt der DFB hier auf.

Mit den Partien HSV II gegen Dynamo Dresden (Nord), Siegen gegen 1860 II, KSC II gegen Wacker Burghausen und Ingolstadt gegen Stuttgarter Kickers (alle Süd) startet heute die Beerdigungs-Saison für die Regionalliga-Staffeln Nord und Süd. An ihre Stelle treten 2008/09 eine dritte Profi-Liga sowie eine dreigeteilte Regionalliga (Nord, Mitte, Süd). Das große Krabbeln zum Geldtopf beginnt. Bloß wer geht in einem Jahr wohin, und warum?

Nehmen wir als Denk-Beispiel mal die jüngsten Abschlusstabellen der beiden Regionalligen:

1. St. Pauli
2. Osnarbrück
3. Magdeburg
4. Emden
5. Wuppertal
6. HSV II
7. Dresden
8. Werder II
9. Lübeck
10. Düsseldorf
11. Erfurt
12. Union
13. Ahlen
14. Dortmund II
15. Kiel
16. Gladbach II
17. Leverkusen II
18. Hertha II
19. Wilhelmshaven
1. Wehen
2. Hoffenheim
3. VfB Stuttgart II
4. Kickers
5. Ingolstadt
6. Aalen
7. Pfullendorf
8. Bayern II
9. Elversberg
10. Kassel
11. Reutlingen
12. Siegen
13. 1860 II
14. KSC II
15. Saarbrücken
16. Darmstadt
17. Pirmasens
18. Lautern II

So, und nun programmieren wir den Fluxkompensator auf den 27.7.2008. Jetzt würden Wehen und Hoffenheim sowie Osnarbrück und St. Pauli in die 2. Liga aufsteigen – ganz normal. Die Plätze 3 bis 10 rutschen in die neue 3. Liga. Komplettiert wird das 20er Feld von den vier Zweitligaabsteigern:

Magdeburg – Emden – Wuppertal – HSV II
Dresden – Werder II – Lübeck – Düsseldorf
VfB II – Kickers – Ingolstadt – Aalen
Pfullendorf – Bayern II – Elversberg – Kassel
Braunschweig – Essen – Haching – Burghausen

In diesem Fall spielten also vier Zweitvertretungen von Bundesligaklubs in der 3. Liga. Das ist auch die Obergrenze: Bei fünf oder mehr Berechtigten würde ein „Normalo“ nachrutschen. Die Zweitvertretungen verzichten für ihr Qualifikationsrecht auf ihren Anteil an den Fernsehgeldern und spielen künftig auch nicht mehr im DFB-Pokal. Die Limitierung gilt jedoch nur ein Jahr lang, ab 2009/10 entscheidet der sportliche Wettbewerb.

Die Plätze 11 bis 18 (19) rutschen in die dann viertklassige Regionalliga (18 Vereine) ab, die mit den sechs (Nord, Nordost, plus 1 Wildcard) oder vier (Hessen, NRW, BW, Südwest, Bayern) besten Oberligisten aufgefüllt wird. Wie die Amateur-Oberligen künftig aussehen werden, entscheidet der DFB-Bundestag am 26. Oktober.

ps. wo ich mir das ganze mal so ansehe, hätte ich da noch einen Wunsch für die Zukunft: Ich möchte bitte den Mitschnitt des Radiokommentars der Drittligapartie Aalen gegen Ahlen bekommen. Würde zu gerne wissen, wie viele Zwangssynonyme das arme Reporterlein so ausgräbt, wenn sich der Städte(sind es denn welche?)namen aus akustischen Gründen von selbst verbietet.

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Kategorie Dritte Liga
Stand der Dinge

Homer oder ein Freudscher Vertipper

Jetzt denken sogar schon simple Überschriften nur noch an das eine. Oder hat diese Gelbverweigerung irgendwie doch mit den Simpsons zu tun?

Wie der Internationale Skiverband Doping bekämpft

Mit einem Quiz.

Michael Rasmussen wird sich in seinen Hühnerhintern beißen: Hätte er nur vor der Tour de France an diesem „Falsch-oder-richtig?“-Ratespielchen der FIS teilgenommen, sein ganzes „Wissen beziehungsweise Unwissen“ wäre ihm vor Augen geführt worden, und ganz geläutert wäre er auf der Stelle in ein dänisches Kloster eingetreten.

Also, kleiner Test: Stimmts oder nicht?

Manchmal ist es erforderlich, dass man betrügt, um zu gewinnen, indem man verbotene Substanzen einnimmt.

Na? Noch am Grübeln? Dann sollten Sie in der nächsten Zeit vielleicht keine legendären Drei-Wochen-Rundfahrten mitmachen. Sonder lieber noch eine Runde spielen.

Quelle

Und täglich ruft Kevin Johnson

Es passiert nach dem dritten Viertel. Wenn der Buzzer Beater durch die Reuse gerauscht ist und die Kamera vom Spielfeld wegzoomt, müsste eigentlich ein Statistik-Screen auftauchen, der über Ballbesitz, Wurfquoten und gesammelte Rebounds informiert. Tut er aber nicht. Stattdessen dreht die CD-ROM Ehrenrunden, und nach einigen Sekunden ploppt die Fehlermeldung auf und versaut mir den Abend.

Zugegeben, ich bin nicht ganz unschuldig an diesem tragischen Zocker-Dilemma.

Als ich ein kleiner Junge war, habe ich meiner Mutter mal fast 70 Dehmark aus ihrer abgewetzten Kunstlederbörse gequengelt, um ein Computerspiel zu kaufen. Ein Argument damals war (und ich bin heute noch erstaunt, wie diplomatisch ich sein konnte, wenn ich etwas haben wollte), dass das Game derart komplex sei, dass ich mich lange daran ergötzen könne und somit das Familienbudget in der nächsten Zeit nicht mit solch hedonistischen Konsumwünschen strapazieren würde. Ich ahnte nicht, wie Recht ich haben sollte.

Zuerst ruckelte „NBA Live ’97″ – denn darum geht es hier – auf meinem hoffnungslos überforderten Personalcomputer in beängstigender Weise; ein epileptischer Anfall meinerseits hätte niemanden wundern müssen. Ich musste das Spiel auf die Hälfte des sowieso schon unterdurchschnittlich dimensionierten Bildschirms herunterskalieren, um überhaupt eine nebulöse Ahnung vom Spielgeschehen zu bekommen, vom Ton ganz zu schweigen.

Derart armselig konfiguriert gewann ich mein erstes Spiel.

Dann kamen neue Rechner und Bildschirme, ich durchspielte ganze Saisons mit einer Mannschaft, irgendwann konnte ich sogar den Ton einschalten und mich über die seelenlosen deutschen Kommentare ärgern. Ich freute mich, dass Kobe Bryant (im Spiel als Rookie geführt) auch in der Pixel-Variante einen Threesixty nach dem anderen in die konturenarmen Gegenspielerfressen hämmerte. Und eine Saison lang – es muss die Zeit gewesen sein, als ich selbst noch aktiv spielte – habe ich mich per Editor als Lakers-Pointguard ins Spiel gebeamt. Als ich in den Conference-Finals im siebten Spiel den entscheidenden Dreier nur auf den Ring gesetzt habe, hat mein Schreibtischplatte aus Holz ihre bis heute charakteristische Absplitterung am rechten Plattenrand erleiden müssen.

Nun bringt EA Sports jedes Jahr eine neue Version der NBA Live-Reihe heraus, mit neuen Features, verbesserter Grafik, verbessertem Gameplay. Sagen sie. Ich habe mal bei einem Freund die 99er-Version ausprobiert und war entsetzt. Das hatte nichts mehr mit ernsthaftem Basketballsport zu tun, das war ein visuelles Massaker, die Steuerung unmöglich, die Moves sowas von unrealistisch, und überhaupt wollte konnte ich mich überhaupt nicht daran gewöhnen.

Außerdem gab es immer das leidige Problem, dass meine irgendwo zusammengeklaubten Computerkomponenten meist immer einen Tick zu schwach waren für die neuen NBA Live-Versionen. Hinzu kam, dass Zeit und Lust für tage- und nächtelange virtuelle B-Ball-Orgien schwanden. So blieb ich bei meinen 97er Leisten, reizte die Taktik-Funktionen bis zum Erbrechen aus und gewann die erste Meisterschaft im mittelschweren Modus.

Nun ist so eine CD-ROM ja auch kein zeitloses Ding. Sie altert, wird launisch, bekommt Falten. Schon das vorletzte Laufwerk hatte seine Mühe und Not, so manche Jahrhundertpartie verschwand durch einen Spontanabsturz ungespeichert in den Ewigen Digitalen Jagdgründen. Aber immerhin konnte ich auf einem großen Flachbildschirm nun mit unvorstellbarer Rasanz zocken, der Allstar-Modus wurde dabei zu einem guten Bekannten. Bald war ich so gut, dass ich mein Team mit einem unterdurchschnittlichen Zufallsteam ungeschlagen durch die 82-Spiele-Saison führte.

Dann kamen die Playoffs. Erste Runde, Gegener Phoenix Suns. Mittlerweile – eine Dekade nach der Veröffentlichung – zelebriere ich das Spiel auf einem neuen Laptop. Brillante Grafik, jetzt sogar Original-Kommentar, wir führen in der Serie mit 2:0. Die letzten Partien habe ich manchmal doppelt spielen müssen, weil der Klapperechner nach dem dritten Viertel eine Sprachdatei nicht einlesen kann. Aber irgendwie ging es dann immer noch.

Bis jetzt.

Jetzt geht es mir wie Bill Murray – es ist immer das Gleiche. Spiel an, wir liegen vor dem letzten Viertel meist klar in Führung, dann der Bug. Ich kenne jetzt jede Angriffsvariant der Suns, ich weiß, dass ich über Dino Radja (jahaa!) die einfachen Punkte bekomme, aus Langeweile habe ich sogar schon einmal drei flagrant fouls in siebzig Sekunden geschafft. Manchmal wette ich mit mir, wie oft ich Suns-Pointguard Kevin Johnson den Ball bei zwei Angriffen hintereinander klauen kann. Ansonsten bin ich aber auch ein ganz normaler Mensch.

Fakt ist aber, dass ich nicht weiterkomme. Ist das das Ende?

Daily Dope™

Heute: Christian Moreni (Cofidis)

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(Als Verdauerli noch mein ganz persönlicher Vergleich des Tages:

Wenn ich an einer Landstraße 15 Blitzer aufstelle, bekomme ich 15 Mal mehr Leute, die zu schnell fahren.

Statt.1-Sportreporterlegende Mike Kluge analogiert, und kaum jemand sieht zu.)

Das Stadion der Freundschaft liegt nicht in Polen

Gerade beim neuen Sportsender vorbeigeschaut, und siehe da – nix mit Boulevard und seichtem Bonbonjournalismus. Neihein, knallharte Fakten und kritischer Wettbewerb sind gefragt:

Also, auf zum fröhlichen Fußballstadienraten. Überhaupt sollte BAT.I mal das altmodische Fernsehen vergessen und mehr in Internet-Gewinnspiele machen. Sind bestimmt ordentlich Rendite drin.

Wirklich kein Thema?

Es war kein Thema für uns, die Tour zu stoppen, nur weil einige Russisches Roulette spielen.

Das sagte heute Abend der Chef der Tour de France, Christian Prudhomme, nach Bekanntwerden des Blutdopings von Mitfavorit Alexander Winokurow. Im Prinzip hat er nicht Unrecht. Ich bin mir aber nicht mehr sicher, ob es in absehbarer Zeit nicht eine größere Rundfahrt auch mal eben abgeblasen wird, wenn es links und rechts des Weges nur noch um Doping geht.

Gut, dass das mal jemand nachgezählt hat

Der SV Meppen hat fünf Gewalt suchende Fans.

SZ goes Dada

16.10 Uhr:

München und die Olympischen Winterspiele 2018


foto_flickr

Thomas Bach hat ein Problem. Dem Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes und IOC-Vizepräsidenten läuft die Zeit davon. Bach ist 53 Jahre alt und erörtert zur Stunde die Chance einer baldigen deutschen Olympiabewerbung.

Nach Berchtesgarden (1992), Berlin (2000) und Leipzig (2012) steht nun München für die Winterspiele 2018 als erster möglicher Kandidat zur Wahl. Eine Sommerbewerbung muss warten, nach London 2012 dürfte Europa 2016 keine Chance haben, und die außereuropäischen Mitbewerber (u.a. Tokio, Rio de Janeiro, Katar, Chicago) sind auch nicht von Pappe. Für Berlin und Hamburg, die gerne Sommerspiele veranstalten möchten, heißt es also erst einmal abwarten und Bier trinken.

Ein wenig lichter sieht es bei den Winterspielen aus. Mit Ächzen und Knarren einigte sich die DOSB-Führung auf die interessante Einordnung Sotschis als „zwar Europa, aber doch irgendwie mehr Kaukasus“. Immerhin habe bei der jüngsten IOC-Wahl Salzburg verloren, die Alpen, konkreter: München, könnte dann doch 2018 vielleicht mal wieder …

Hmm. Die Sportnation Deutschland wird 2018 seit 46 Jahren keine Olympischen Spiele mehr ausgerichtet haben. Verlockend auch, dass München als erste Stadt mit Sommer- und Winterspielen in die Geschichtsbücher eingehen würde. Und ein nicht unwesentliches Kapitel müsste dann auch dem Unterfranken Thomas Bach gewidmet werden, als Lichtgestalt reloaded könnte sich der – dann 64-jährige – ehemalige Fechter vor seiner Haustür in seinem Lebenswerk sonnen.

Und hier liegt das erste Problem. Legt sich der DOSB wirklich auf eine Bewerbung Münchens fest, könnte es die letzte Chance für Bach sein, Olympia nach Deutschland zu holen. Bewirbt sich München nicht, ist der Zug für Bach auch so bald abgefahren: Die Sommerspiele 2020 werden erst 2013 vergeben, die Winterspiele 2022 erst 2015.

Das zweite Problem: Das IOC hat mit der Wahl Sotschis klargemacht, dass Geld, Geld und Geld im Zweifel mehr zählen als Geschichte, Zuverlässigkeit und Alpenfolklore. München hat kein Öl, kein Aluminium, dafür aber einen ganzen Haufen Geschichte, Zuverlässigkeit und Alpenfolklore. Und wenn irgendein Scheich übermorgen auf die Idee kommt, in der Sahara Winterspiele zu veranstalten, dann ist das zwar verrückt, aber dennoch eine zumindest finanzstarke Konkurrenz.

Problem Nummer drei: der Klimawandel.

Klettert die Durchschnittstemperatur um vier Grad, schmilzt die Zahl der Skigebiete [von 609] auf 202. Für die deutschen Skigebiete wäre damit ganz Schluss. ‚Alles unter 1500 metern hat keine Zukunft‘, sagen Tourismusexperten, schon weil es für Investitionen unter dieser Grenze kein Geld von den Banken mehr gäbe.

In der jüngsten Zeit zeigt der Artikel „Das weiche Gold“ ausführlich auf, wie die Erwärmung die Wirtschaft in der Bergregion ins Rutschen bringt. Nun ist 2018 für Klimawandelbegriffe quasi schon überübermorgen, dennoch stellt sich die (noch) kleine Frage, ob das IOC ökologisch verheerende Schneekanonen-Spiele riskieren wird.

Alles in allem bin ich sehr, sehr skeptisch, ob München sich bewerben sollte. Für mich auch ein Grund: Viele Vorteile von Olympischen Spielen – Imageaufbesserung, wirtschaftlicher Anschub, Sportstättenrenovierung, Tourismus – würden sicherlich einigen Städte und Regionen in Europa, aber auch in Deutschland besser zupass kommen als dem vergleichsweise reichen München. Und wie man gesehen hat, müssen dazu nicht unbedingt schon Wintersportstrukturen vorhanden sein.

Es reicht ein 3D-Modell auf dem Laptop.

Nachtrag: Mehr Gedanken zu Bach und Olympia hier.