Archiv für Februar 2007

Löwen, gebändigte

Jena führt gegen geschwächte Löwen zu Hause mit 3:0. Nach zehn Minuten! Wann hat es sowas zuletzt gegeben?

(Das ist keine rhetorische Frage, ihr suchfaulen Webvagabunden! Antwortet! Pronto!)

Herr Eurosport trifft Frau Lifestyle

Mal mit Snoop Dogg in einer Fernsehsendung sein? Mal direkt nach Sly Stallone über den Bildschirm flimmern ellzehdehen pixeln? Möglich ab 3. März. Dann startet Eurosport das vollkommen innovative und dringend benötigte Magazin Eurosport Buzz unter dem prima Motto „Sport trifft Lifestyle“. Neben einem Sportmusikkinogamemix solls auch einen Fan-Blog-Check geben.

So gehet hin und dann in euch – Vermehren muss nicht sein – und tippet euch die Finger wund, auf dass ewiger Ruhm über eure kostbaren Fanblogs komme. Sollte Kunde von euch getan werden im Königreich Eurosport, sei euch steter Zuspruch auch der kroatischen oder katalanischen Anhänger von Mainz Nullfünf oder Union Berlin sicher. Von unique visitors ganz zu schweigen.

disclaimer: Das ist kein „Wort zum Freitag“

Saison Nullsechsieben ist Bundesliga-Durchschnitt

Bevor die Gutealtebundesliga wieder ein Wochenende lang die Massen unterhält, 138einhalb Sportjournalisten ernährt und zigtausend fröhliche Fans bunte Schals tragen lässt, wollnwa eine Sache noch mal genau klarstellen.

Jahr 1. 6. 15.
95/96 43 32 20
96/97 46 33 23
97/98 49 32 23
98/99 56 35 19
99/00 49 33 24
00/01 42 37 24
01/02 47 38 20
02/03 50 33 23
03/04 52 34 22
04/05 44 37 23
05/06 55 30 20
06/07 49 33 23
Schnitt 48,7 33,9 22,0

Das ist eine Tabelle. Sie zeigt einen Längsschnitt der Bundesliga-Tabelle jeweils am 22. Spieltag seit der Einführung der Dreipunkteregel 1995. Und wenn jetzt noch irgendjemand das Niveau der aktuellen Saison an den Abständen der Mannschaften zueinander glaubt beweisen zu können, und früher war sowieso alles besser und so, dem ist dann auch nicht mehr zu helfen.

Dieses Abtrainieren der Sportblogwoche wurde inspiriert von diesem direkten Freistoß. Hübsch der dort in den Kommentaren vorgeschlagene Vorschlag, statt des UEFA-Pokals einen Europäischen Ligacup oder regelmäßige Vergleiche von Ligateams zu veranstalten. Sehr verlockend. Aber da würde Kalle Rummenigge wohl so zornig drüber werden, dass ihm das Haarband platzte, wäre er Torsten Frings.

FC Langeweile

Eigentlich ist der 1.FC Köln der langweiligste Verein der Welt. Was soll man über so einen Club noch schreiben?

Dass es so schlecht um den Effzeh bestellt ist, hätte ich trotz Daum, Boulevard und Nullfünf nun nicht gedacht. Arme Südtribüne.

Bundestraßenbiathlon


foto_selfdestruct.net

Beantrage hiermit nach gut viertelstündigem Kratzeinsatz auf – leider dem populärwissenschaftlichem Trend zur globalen Erwärmung völlig entgegenstehend – so was von zugeisten Autoscheiben, und das ohne Schal und Handschuhe, die semantische Modifizierung des Begriffs Wintersport. Mann, bin ich durchgeschwitzt.

Aber immerhin Bronze hinter dem Unsympath von schräg gegenüber, der aber nur die Vorderscheibe – und die auch nur halb – bearbeitete; Silber ging an die dicke Außenseiterin von drei Häuser weiter rechts, die ihre offensichtliche Unsportlichkeit durch offensichtlich ehefrustbedingtes Engagement und eine hervorragend präparierte Kratzmaschine mehr als wettgemacht hat und knapp zehn Sekunden vor mir auf die Piste einbog.

Zwei Ampeln weiter hab ich sie kassiert. Wäre eine im Auto gelegen, hätte ich diese Genugtuung mit der aus dem Seitenfenster baumelnden Schwarzrotgelbfahne und tösendem Gehupe gefeiert. Und wenn der Unsympath morgen wieder bescheißt, gehe ich hin und kläre ihn mal über so Sachen wie Fairplay und Disqualifikation im Wintersport auf.

Heute kaufe ich jedenfalls erstmal Handschuhe. Diese Blamage passiert mir nicht nochmal.

Nachtrag: Die eben vorgestellte Sportart bitte nicht mit Wintertriathlon verwechseln, das ist etwas anderes, weiß der Heimvorteil.

Oldschool

Menschen, die einen zwölf Jahre alten Fernseher zu Hause stehen haben, aus dem einfachen Grund, weil er groß genug ist und noch funktioniert, die sollten die Ski-WM lieber bei Eurosport als bei Ardundzdf sehen, weil die schon 16:9 senden, was blöde Schwarzbalken oben und unten verursacht. Bei Eurosport gibts noch volles Bild fürs Geld für die Werbung.

El Freunde

Müsst ihr sein, und deshalb hier und jetzt Beitrag #11 für heute. Könnta nachzähln.

Ein UEFA-Pokal-Abend mit Nolookpass

22.50 Stam mutiert zum Spielmacher und Mittelstürmer in Personalunion, hilft aba nüscht: Werder verliert 1:3, watet weiter inner Krise und steht im Achtelfinale. So, dann mal fix den Deckel drauf und ab in die Heia. Und kann dem Wiese nachher mal jemand ein Pils bestellen, danke. Bis neulich!
22.40 Wiese hat zwar ne scheiß Frisur, fischt aber soeben das sichere vierte Ajax-Tor von der Linie. Noch zehn Minuten. Dass die Restspielzeit überhaupt noch mal wichtig sein würde …
22.30 Boah, eben prallte Jaap Stam auf Torsten Frings, und meine Vollmilch erzitterte im Glas. Bremen zu verspielt, Babel fährt einmal sein Bein aus, durchschlitzt die Werder-Abwehrkette und bläst mit seinem 3:1 zur zwanzigminütigen Schlussoffensive. Aber immer noch: No way!
22.20 Huntelaar dreht sich am Fünfer um Naldo und trifft zum 2:1. Fehlen noch drei Dinger. No way! Auch wenn Ajax jetzt aufdreht: Leonarde fallrückzieht gegen Naldo, Wiese kann noch retten. Genau so, wie kurz darauf allein gegen Babel.
22.05 Werder jetzt mit Vranjes für den angeschlagenen Diego. Borowski jetzt Spielgestalter. Wiese jetzt mit Gelb für Sekundenschinderei. Und ich jetzt noch verschwunden in Richtung zweites Abendbrot.
21.45 Almeida köpft nochmal knapp neben das Tor. Klose spielt aber auch mit, echt jetzt. Sieht übrigens so aus, als träfe Leverkusen auf RC Lens, die nach 3:1 im Hinspiel zur Pause bei Panathinaikos Athen ein 0:0 halten. Und Ajax verschleudert wieder eine 95-Prozentige. So wird dat nix. Halbzeit, 1:1.
21.30 Ganz nett, was die jungen Amsterdamer da noch veranstalten. Aber ich glaube, ich muss jetzt noch unbedingt unsere Abstellkammer aufräumen, Blumen gießen und auch mal wieder früh schlafen gehen. Am aktivsten noch die Bremer Fans, is aber wohl auch kalt dort. Almeida verschenkt mit seinem linken Aussenrist einen prima Klose-Tiefenpass, was Thomas Schaaf mit dem Zusammenzucken seines dritten Nasenhaares von rechts oben quittiert.
21.15 Toll, Tim. Der Borowski verarscht die linke Ajax-Defensive recht formidabel, seine Hereingabe verwandelt Almeida zum 1:1-Ausgleich. Amsterdam fehlen jetzt vier Tore, huihuihui. Das scheinen die noch nicht verinnerlicht, Womé verweigert kurz darauf Leonardos Kopfball die Einreise ins Bremer Tor.
21.10 Das Antwörtchen gibt Hugo Almeida, sein Schuss zu hoch jedoch. Die Anfangsoffensive der Holländer dünkt mir schon vorbei, vielleicht auch nur ein Luftholen. Werder traut sich jedenfalls wieder Kurzpassspiel zu, weit in der eigenen Hälfte. Und Frings macht italienische Gesten, komisch sieht das aus.
21.00 1:55 gespielt, und Wesley Sneijder donnert Wiese aus 20 m fast in dessen Tor. Das 1:0 für die Gastgeber fällt eine Minute später, als nach missratener Mertesacker-Abwehr plötzlich drei Ajaxusse mit Ball vor der Werder-Linie auftauchen und Leonardo vollendet. Da warens nur noch zwei Tore Vorsprung.
20.55 Glückwunsch, Leverkusen schindet sich ins Achtelfinale. 0:0, aufgrund des Hinspiels ist das Weiterkommen verdient. Blackburn gegen routiniert verteidigende Bayeraner zu wenig durchschlagkräftig. So, und jetzt ab zu Hippie Frings und seinen Buben.
20.45 So kann man die Zeit auch rumbringen: Sie rudeln sich, es ist ein fröhliches Schubsen und Fallen. Ramelow und Barbarez versuchen es mal, und Blackburn ist so dumm und steigt drauf ein. Kostet gut zwei Minuten sowie Gelb für Barbie und den linken Rover-Verteidiger Warnock.
20.40 „Der Druck wird immer wilder“, sagt der Fernsehmann, und was soll man dem Geschwafel noch Großes hinzufügen. Noch ne Viertelstunde. Und die Schluss-Schwalbereien haben bereits begonnen.
20.35 McCarthy rutscht drei Zentimeter an der sicheren Führung vorbei. Puh. Doch Barbie bleibt kühl: In einer brodelnden Fußballertraube köpft Sergeij die Kugel mal locker anderthalb Meter auf den knapp vor der Torlinie postierten Butt zurück. Bei Blackburn jetzt Stürmer für Flügel, bei Bayer Barnetta für Freier rechts.
20.30 Wie erwartet drückende Briten. Besonders Spielchenmacher Mortengamstpedersen lässt den Herrn Castro auf links oft richtig scheiße aussehen. Butt muss hektisch per Fuß klären. Die Leverkusender Konter verdienen diesen Namen noch nicht. Und wenn das hier so weitergeht, stecke ich es wieder rein, das Netzkabel.
20.20 Butt geleitet einen labbrigen, aber sehr platzierten Kopfball von Blackburns linkem Flügel David Dunn ins Seitenaus. Das war jetzt mal wirklich eine Torchance. Neverkusen muss sich vorsehen: Eine halbe Stunde lang halten sie das sich langsam streckende und räkelnde Druck- und Kraftspiel der Gastgeber nicht durch. Is so. Und jetzt ham se mit Haggui einen Bayer-Innenverteidiger rausgetreten. Für ihn kommt Jan-Ingwer Callsen-Bracker. Jan-Ingwer. Hmm, schade dass ich schon einen Sohn habe.
20.15 So, Tagesguck vorbei, Verbindung stabil, Holsten geöffnet. Die Rovers kontrollieren, aber dominieren nicht. Selbst beste Spielsituationen bleiben ungenutzt, meist hatte Juan seinen Zeh dazwischen. Dennoch: Bayer immer seltener mit Ball jenseits der Mittellinie.
19.50 0:0 zur Halbzeit. Schnicks Schneider könnte auch alleine gegen die Rovers spielen. Barbarez ist ein alter Mann. Das Publikum pfeift, die DSF-Bilder laufen plötzlich rückwärts, und ich wusste gar nicht, dass man Fußballmoderationen mittlerweile bei SMS-Spielchen gewinnen kann. Und ich bin zu doof für kabellos, offenbar.
19.40 Blackburn natürlich am Zug, aber harmlos bis na ja. Meist über links oder mit scharfhohen Flanken, dann steht aber der Juan dort und macht seine Arbeit. Beide Teams recht nervösitiv und nickelig, torlos bleibt das hier nicht lange. Logisch, Rückspiel halt. Wenn auch nur Sechzehntelfinale.
19.30 Tach auch. Dauertest des heimischen WLANs dringend nötig. Warum also nicht jetzt und heute. Noch ruckelts ganz schön. Ach ja, Leverkusen hält das 0:0 gegen Blackburn (25.). Noch.

Vorzeitiger Namenerguss der Sportbild

Mal ein bisschen Bildblog:

Jan Ulrich macht jetzt doch weiter!
Ulrich zieht’s nach Österreich!
Die Sensation scheint perfekt

Und? Alles klar? Mitnichten, liest man den Text von Sven Beckedahl:

Volksbank-Team-Manager Thomas Kofler (34), der den Rennstall 1999 gegründet hatte, sagte auf Anfrage von SPORT BILD online: „Ich habe den Flug für Montag noch nicht gebucht. Es ist noch nichts unterschreiben und ich weiß noch nicht, ob es wirklich dazu kommen wird.“

Der Rest ist blablabla. Außer, dass noch nichts unterschrieben ist, erfährt man nichts. Und doch brüstet sich Sportbildonline, exklusiv erfahren zu haben dingeldangeldong. Entweder schreiben sie nicht alles, was sie wissen, oder sie schreiben mehr, als sie wirklich wissen. Beides Scheiße, irgendwie.

Selbst das Mutterblättchen nutzt das Fragezeichen. Und in der FAZ dementiert der Volksbank-Kofler. Und wer macht jetzt das Laken wieder sauber?

Der größte Tag im Leben von Tate Slater

Das ist Richard „Tate“ Slater. Er hat – und das können er und sein Gesicht gar nicht verheimlichen – gerade den größten Tag seines Lebens erlebt. Slater war der Spielgewinner – oder wie man in seiner Heimat sagt: matchwinner – des diesjährigen Royal Shrovetide Footballs, immerhin das älteste Fußballspiel auf dem größten Fußballplatz des Universums. Shrovetide heißt ja auch Fastnacht, und so findet das Spiel jedes Jahr am Faschingsdienstag und Aschermittwoch im englischen Ashbourne statt.

Hunderte von Dorfbriten, aufgeteilt in Up‘ards und Down‘ards, treiben den handbemalten Korkball durch die Gassen und Flüsse ihrer Heimat, und wer die Kugel als erstes dreimal gegen den Zielstein ballert, hat gewonnen. Slater wusste das, und er war clever. Nach sechs Stunden fröhlichen Umherbalgens schnappt er sich unbemerkt den Ball, hinterlässt den im Dreck umherwühlenden und vor allem ahnungslosen Mob, und rennt unbedrängt in Richtung Mühlstein. Dieser Glückspilz.

Jetzt wird in Ashbourne sein Name auf eine Ehrentafel gemeißelt und anschließend vermutlich hemmungslos weitergesoffen. So lieben wir sie, unsere britischen Freunde: Hart, fair, und immer auf Traditionen bedacht.

Mehr dazu bei der BBC, in Ashbourne und beim hiesigen News Telegraph.

Und so lasset uns miteinstimmen in die Shrovetide-Football-Hymne, auf dass sich auch in Bottrop oder Gera Ähnliches etablieren möge:

‚Tis a glorious game, deny it who can
That tries the pluck of an Englishman.

via fr

Und ja, auch dieses Spektakel wird aufgrund fehlender Alternativen mit Fußball bestempelt.

Wenn Handballer gerade Weltmeister geworden sind

Michael Kraus, der sich auch Mimi nennt, hat eine Homepage, so mit schwarz und weiß und schlank und schick. Nun ist der Junge nicht irgendwer, sondern Handballweltmeister. Dafür bekommt er dann auch weltmeisterliche 311 Kommentare. Und er darf so Jubelvideos drehen wie dieses:


Scheiß auf Sönke Wortmann.

via netzeitung