Archiv für Februar 2007

Gestatten: Ctvrtik. Bob Ctvrtik.

Es gibt Menschen, die Bob heißen. Viele sogar. Es gibt auch Menschen, die heißen Ctvrtik. Das dürften etwas weniger sein. Und ganz wenige heißen Bob Ctvrtik. Unter anderem ein amerikanisches Mitglied der IOC-Athletenkommission.

1. Platz: Hamburg und Köln

Bundesliga: HSV auf eins, danach Hannover und Bremen. Unten: Cottbus, Aachen und Dortmund.

2. Liga: Köln vor Rostock und Offenbach, unten: Karlsruhe, Greuther Fürth, Paderborn.

So siehts aus, wenn Menschen mit Geschmack im Auge die Logos der deutschen Profiklubs sezieren. Für mich erstaunlich: Null von 36 haben einen Fußball im Logo. Halt Traditionssportart.

Worte der Woche

Funktionsunterwäsche und Reifendichtungsmittel. Und dass darauf noch niemand vorher gekommen war …

Übrigens: Die für Ullrich schuftenden Pressemenschen, weiße Schafe wahrscheinlich, haben das Motto „Mensch als Marke“. Hat ja toll geklappt, das, am Montag.

Duisburg vs. Rostock

22.05 Ausdiemaus. Hansa gewinnt verdient und nach altem Muster: Routine, Arbeit, Kondition und gefährliche Nadelstiche. Nicht schön, aber irgendwie muss Cottbus in der Bundesliga ja ersetzt werden. Pagelsdorf flippt aus, er hebt seine massigen Arme und lacht, Ekstase pur.
22.00 Schober verschobert sich im Strafraum, doch Mokhtari zwirbelt knapp neben den Pfosten. Es wäre die erste Heimschlappe des MSV, der mit seiner Zebrakraft jetzt vollends am Ende ist.
21.50 Lavric sieht rot. Er kopfnusst in Richtung Beinlich, der oscarreif darniedersinkt. Und beide Teams machen gerade mit dem guten alten Laktat Bekanntschaft.
21.46 Pünktlich. Es ist die 75. Minute. Die Hansaschlussviertelstundenoffensive beginnt. Mit einem Tor. Von Shapourzadeh. Konter. 2:1.
21.43 Die Hansa-Abwehr wackelt jetzt bei nahezu jedem Eckball/Freistop wie zu warmer Waldmeister-Pudding. Hieße ich jetzt Pagelsdorf, ich würde meiner Mannschaft Fouls in Tornähe unter Androhung von Intervallläufen verbieten. Ach so: Ball wieder im Hansa-Netz, wieder Abseits, diesmal arg deutlich.
21.40 Es nebelt in Duisburg. Küstennebel quasi. Aus lauter Gastfreundschaft wurden den Hansa-Fans beim Einlass ihre Bengalos nicht weggenommen.
21.37 Hui, zwei krabbelige Schiedsrichterentscheidungen. Erst wird ein klares Foul an Tim Sebastian nicht geahndet, Gelb für Madsen wegen Meckerns, aus dem folgenden Freistoß entwickelt sich eine Szene, die den knapp 20.000 Zuschauern überhaupt nicht gefällt: Nach einem Distanzschuss beult sich das Hansa-Netz aus, der Treffer gilt aber nicht, weil Filipescu knapp im aktiven Abseits steht.
21.33 Lavric weicht mit einem einzigen Kurzpass den Hansa-Beton auf. Doch die Hereingabe wird nicht in einen Torschuss konvertiert, sondern landet bei einem Rostocker. Die lassen den Gastgeber sich jetzt müde angreifen und spekulieren auf die schon erwähnte Schlussoffensive.
21.25 Idrissou aus spitzem Winkel und Mokhtari im Vorwärtsstolpern lassen Schober nur kurz auflachen. Die Zebras schalten gerade vom zweiten in den dritten Gang, fahren aber noch untertourig. Und ja, nicht alles, was schief ist, ist auch ein Bild, dude.
21.20 Toller Konter eben vom MSV Duisburg. Vier gegen drei, und der öffnende Pass ist aber sowas von zu lang, dass dem gerade aufgewachten Gelegenheitszuschauer nur noch ein lautes Murrensauersein bleibt – ganz schwach, das.
21.00 Dass so ein Fußballschiedsrichter auf die Sekunde abpfeift, ist ein eigentlich eher seltenes Phänomen.
20.58 Der Zebras Respekt vor Hansa-Kontern ist deutlich zu spüren. Vorsichtiger Aufbau, kaum Risiko. Die gelbblauen Hanseaten nach kurzem Aufbegehren wieder im Winterschlaf. Sie lauern wohl wieder mal auf die Auswärtsschlussviertelstunde.
20.50 Duisburg jetzt mit Mühe, überhaupt mal am Rostocker Strafraum zu schnuppern. Trotz des Unentschieden gäbe es bei einem 1:1-Endstand einen Gewinner: Der 1. FC Kaiserslautern wäre drei an Rostock (3.), vier Punkte an Duisburg (2.) dran.
20.44 Gute Freistoßchance für Hansa, keine 20 Meter, halbrechts. Beinlich täuscht, Yelen schlenzt mit rechts, der von Schlicke abgefälschte Ball plumpst von der Querlatte zum 1:1-Ausgleich ins Tor. Dann wirds wild: Konter Hansa, Kern braucht die Kugel sechs Meter vor der Linie nur noch reingucken, scheitert aber am Beuckert-Reflex.
20.36 Der erste Angriff nach dem Gegentor landet am rechten MSV-Pfosten, nachdem Filipescu einen Distanzschuss von Yelen abfälschte.
20.35 Rahn schießt – daneben. Erste viertel Chance für Rostock nach einem Konter. Im Gegenzug Ecke für Duisburg, Kopfballverlängerung von Lavric, MSV-Kapitän Björn Schlicke ebenfalls per Kopf in den linken Winkel. Hätte Beinlich noch Haare, wäre er noch rangekommen. 1:0 (19.)
20.30 Wenn man flüchtig hinsieht, heißt Hansas Brustsponsor Neun Leben. Partie noch nicht auf Betriebstemperatur.
20.25 Erste dicke Chance für den MSV: Langer Ball auf Lavric, dessen Kopfball pariert Schober an den sich total verschätzt habenden Gledson, der knapp an einem Eigentor vorbeischrammt.
20.20 Stark grippebedingtes Gewurschtel zu Beginn. Die Torhüter bislang nur dazu gut, den Ball wieder aufs Spielfeld zu werfen.
20.15 Die Gäste haben es jetzt in der Hand, durch eine gute Vorstellung bei den Zebras die langsam auf Sparflamme hochkochenden atmosphärischen Störungen zwischen Trainer Pagelsdorf und Manager Stefan Studer zu pulverisieren. Jedes Krisengerede könnte im Keim erstickt werden.
20.08 So wolln wir das haben: Man kann den Kommentator sehen, aber nicht hören. Und das ohne Mute-Taste! Da hat jemand mitgedacht beim Sender. Schade, schon wieder vorbei.

Die berufliche Zukunft des Jan Ullrich

Es ist sehr einfach. Ullrich, Doping, Anwälte, Polizei, Speichelprobe, EU-Recht, DNA-Test, Pressekonferenz, Rücktritt. Klingt gut. Passt. Ist eine Geschichte. Fertig.

Wer es sich schwer machen will mit Jan Ullrich, der muss lesen. Sehr viel lesen. Redundantes, Unwichtiges, Heuchlerisches, Manipuliertes, Halbwahres. Und zwischendurch immer wieder die Wahrheit. Und darum gehts doch. Nicht um Ullrich, der meines bescheidenen Eindrucks nach ohnehin ein Spielball einer Vielzahl von Freunden, Beratern und angeblichen Beiständen geworden ist. Ulle ist reich, mehr oder weniger gesund und hat Familie. Also.

Es geht auch um das Ansehen einer ganzen Sportart in Deutschland. Wer es sich leicht macht, sagt, Profi-Radsport und Doping sind eins und fürn Arsch damit. Wer empfänglich für Verschwörungen aller Art ist, weist darauf hin, wie wenig schwierig es wäre, Gerüchte zu streuen, Indizien zu fälschen und somit unangenehme Konkurrenten aus dem Weg zu räumen. Wer sich selbst belügt, sagt, interessiert mich nicht, der Scheiß, und sitzt nächsten Sommer wieder vorm Flachbild, der Landschaft wegen. Natürlich.

Klappe Jan Ullrich – ein Rostocker in Hamburg.

10.58 N24 mutmaßt vor sich hin.
11.00 Blitzlichtgewitter. Ullrich scherzt. Die Frisur des Pressemenschen sitzt nicht.
11.02 Jan Ullrich:

Ich will auch noch mal alle begrüßen heißen. (…) Einige schwarze Schafe unter euch [Medien] sind hier heute nur geduldet. (…) Sollen wir anfangen?

11.05 Oh je, er hat Unterpunkte! Einiges zum 30.6.06, dem Tag des Ausschlusses bei der Tour de France. Ullrich spricht frei, kämpft um Worte wie früher sich die Alpen-Anstiege hoch.
11.10 Ullrich ist enttäuscht von den Verbänden UCI und Swiss Cycling. Die Schweizer hätten belastendes Material, warum haben sie das nie auf den Tisch gelegt. UCI – super Verein, haben die Drecksarbeit an die Landesverbände abgeschoben. Der spanische Dopingbericht ist nicht die Welt, darf nicht gegen die Sportler verwendet werden, „weil Unfug ist“, so Jan Ullrich.
11.15 „Schlaft ihr alle schon? Die Vergangenheit ist gleich vorbei.“ Dann Medienbashing, Ulle scheint nur Bild zu lesen, die von ihm erwähnten Fakten wurden durchaus in Print und Funk aufgearbeitet. Er hat sich nichts vorzuwerfen, er habe niemanden betrogen oder beschädigt. Findet die Abgabe seiner DNA-Probe nicht alltäglich. Versucht immer wieder blöde Auflockerungen einzustreuen, scheiß Medienberater, Ullrich ist dafür nicht der Richtige.
11.20 Der Arme. Beklagt sich, dass drittklassige Trittbrettfahrer im Zuge des Dopingwirbels seine Popularität ausnutzen wollten. Nennt Doping-Franke „zerstreuten Professor aus Heidelberg“, Radsportpräsident Rudolf Scharping „einen meiner besten Kumpels“, ein Absteiger, der sich nur darstellen will.
11.23 Ullrich will nicht verbittert wirken, er will gar nicht so viel meckern, sagt er. Tja, Chance verpasst, Digger. Noch mal Scharping: Ullrich wehrt sich dagegen, den deutschen Radsport runtergerissen zu haben, weil er doch erst durch ihn gewachsen ist. Na ja, die Frage, ob Ulle dem Radsport geschadet habe, ist dadurch nicht beantwortet.
11.24 Jan Ullrich beendet seine aktive Karriere. Bleibt dem Sport aber irgendwie erhalten.
11.30 Killer-Angriff auf die Tränendrüse: Seine Tochter habe sich inniglich von ihm gewünscht, dass er mehr Zeit hat. Und „zusammenzuarbeiten“ ist ein schwieriges Wort. Ullrich wird zu Volksbank gehen, als Berater, Werbeträger, Repräsentant. Erst mal raus aus Sport-Deutschland. Der Rest ist PR-Krams. Und er sagt Scherriti.

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Jan Ullrich im Nachspiel:
Freie Fahrt für Ulle
Fernfahrer Ullrich
Jan Ullrich und seine neue Diestel
Flitterstop bei Ullrichs
Aufreger des Tages
Nicht geschont
Dampfende Anwaltskacke feat. Faxnummer

Ostmontag

Jan Ullrich (pfui) und Hansa Rostock (hui) heute live beim Nachspiel. Wir jammern vielleicht, haben aber schönere Natur, weissdu!

Immerhin Platz acht (oder zehn)

Die Bezeichnung Bäh für das sich selbst so nennende Deutsche Sportfernsehen ist in Bloggerkreisen nicht ungebräuchlich und besitzt bereits eine gewisse Suchmaschinenrelevanz. Immerhin Platz acht. Oder zehn. Sagen sich auch Bayer Leverkusen und der SV Blau-Weiß Borssum. Wo auch immer Borssum liegt. Egal. Deutschland oder so.

(Der Hackbraten heute Mittag kam mir gleich so überlagert vor.)

Klappe Ullrich, die letzte

Morgen gibt Jan Ullrich eine Pressekonferenz, auf der er keine Fragen beantworten will. Na prima, typisch Mecklenburger Sturkopf. Dafür verraten wir an dieser Stelle schon jetzt, was er der Welt eigentlich mitteilen will: Ulle wird sich in ein Flugzeug gen Westen setzen, sich in Lance Ullrich umbennen und ein Filmstar werden.

Und wer hats entdeckt? Die Inquisition des schlechten Geschmacks.

Apropos schlechter Geschmack: Die Investigativ-Attrappe wird Ulle am Abend vermutlich nach allen Regeln der Dampfplauderkunst noch auseinandernehmen, auch wenn die ARD behauptet, das Thema der morgigen Sendung stünde noch nicht fest.

Apropos Reinhold Beckmann: Er wollte eigentlich mal Gabelstaplerfahrer werden. Schade eigentlich.

„Was ist das Wichtigste, was Ihnen Ihr verstorbener Vater beigebracht hat?“

Eben zufällig auf dieses Welt-Interview mit Tiger Woods gestoßen. Und mal abgesehen von der Wahrscheinlichkeit, dass ein deutscher Journalist so ein umfangreiches Gespräch mit dem weltbekannten Golfer überhaupt führen hätte können – als ich das Interview las, hätte ich meinen unansehnlichen Arsch dafür verwettet, dass es ein amerikanischer oder wenigstens englischer reporter war, der Woods u.a. danach fragte, was er seinem demnächst geborenen Kind gerne weitergeben möchte.

Und siehe da, ich hätte die Wette gewonnen. Ohne es in Wissenschaft ausarten zu lassen oder zu werten: Vergleichen Sie jedes andere Sportler-Interview an diesem Wochenende mit diesem von Don Riddell, und Sie merken den Unterschied zwischen der deutschen Auffassung von Journalismus und der angloamerikanischen. Sofort und garantiert.

Ach, und die auch von Don Riddell angesprochene Siegesserien ist nach Auffassung von American Arena überhaupt erst aufgrund eines akuten Selektiven Seriensyndroms entstanden.

Danke, Schwerin!

Seufz! Das alte Blog, es ist noch nicht tot. Es lebt, na ja, ein kleines Bisschen zumindest, als leicht angeschimmelter Linkbahnhof. Dass ich das noch erleben darf.

Ich liebe Stadtblogs.

Lokomotive, zwei Wochen danach

Wusste gar nicht, dass Sido Fan von Lok Leipzig ist. Auch egal. Jedenfalls ist der offensichtlich frierende ZeitGenosse einer der von der Leipziger Polizei gesuchten Frustbewältiger. (Bild #9 der Fahndungsgalerie erinnert irgendwie daran)

Morgen gehts in der Bezirksliga Leipzig gegen Stötteritz, Zweiter gegen Vierter, ein Spitzenspiel quasi. 100 Polizisten, ein striktes Alkoholverbot und vermutlich sieben bis zwölf tolle Aktionen gegen Gewalt werden das Bruno-Plache-Stadion zu einem Hort des Guten werden lassen. Auch das Kamerateam, das im Auftrag des Bundesinnenministeriums einen Film über Hooligans dreht und laut Pressemitteilung Lok Leipzig bei den jüngsten Krawallen zufällig vor Ort war, dürfte sich an diesem verdammten Sonnabend ein anderes Stadion ausgesucht haben.

Übrigens gab es Ende 2006 Ausschreitungen bei einem A-Jugend-Lokalderby, welches den Vorstand veranlasste, einen geharnischten Brief ins Lok-Forum zu stellen:

Konnte man zu diesem Zeitpunkt noch froh sein, dass das Vorkommnis nicht in die Öffentlichkeit geriet und man ohne Druck von außen vermeintliche Beteiligte (nachweisen kann man wie so oft nichts) halbwegs sanktionieren konnte, holte einen dieses Spiel letzte Woche mit der Bekanntgabe der Einleitung eines Sportgerichtsverfahrens gegen den Verein wieder ein.

Bleibt Lok nur zu wünschen, dass sie schnell in die Regionalliga aufsteigen und sich dann endlich wieder aufs Fußballspielen konzentrieren können.