Archiv für Januar 2007

Auf Wiedersehen, Wolfgang Magath!

Tja, lieber Jupp Heynckes, ich sach nur Scheiß Timing.

Der Zeitpunkt der Entlassung ist interessant.
So wenig Geduld hätte ich den Bayern nicht zugetraut.
Dann wissen wir ja auch, wer die Nachfolge vom Doll antritt, wenn es heute Abend keinen Sieg gibt.
Hitzfeld hingegen ist eine Verpflichtung der Kategorie Jürgen Röber (und Jupp Heynckes).
Ich bin baff.
Der Tag der Zäsuren?
Möchte nur mal kurz daran erinnern wie Hitzfeld vor einigen Jahren von Hoeneß und Co. abgesägt wurde.
Damit wären ja dann bitteschön die Berger-kommt-für-Doll-Horror-Szenarien gegessen, oder?

Auf Wiedersehen, Wolfgang Magath.

Handball-WM: Deutschland besiegt Spanien

19:05 Polen bezwingt Russland 28:27, Paderborn führt in Augsburg 1:0, so viel Zeit muss sein. Guten Abend noch!
19:00 27:25 gewinnt Deutschland das Viertelfinale gegen Nochweltmeister Spanien. Und abgesehen von der Schmeichelentscheidung zwei Minuten vor Schluss ein verdienter Sieg. Die aufgeputschten Brandjungs waren die wachere Mannschaft, das schnellere Team, mit Leidenschaft in der Wurfhand und Konzentration im Herzen. Henning Fritz hat seinen Job gemacht und eine Menge Gegentore verhindert. Jansen sechs, Glandorf fünf, Kehrmann vier Tore. Donnerstag, 17.30, Frankreich oder Kroatien. Plant schon mal das nächste Public Viewing. Ich bin dann auch wieder hier.
18:55 Na ja. 26:24, D in Überzahl, noch eine Minute. Auszeit. D profitierte von einer sehrsehrsehr gutmütigen Siebenmeterentscheidung für Kehrmann. Egal, Halbfinale!
18:50 Fritz leitet mit einer Parade die crunchtime ein (25:23). Spanien wankt.
18:40 Siebenmeter und Zweiminuten für Holger Glandorf. Spanien mit dem Anschlusstreffer. (22:21).
18:35 Henning Fritz rettet kurz vor Ende einer D-Unterzahl den Zwei-Tore-Vorsprung (21:19) spektakulär: Er kickt den nicht mal ungenauen Wurf per Hacke ins Aus.
18:30 Etliche torlose Minuten. Die Partie entscheidet sich gerade. Spanien von der 7m-Linie zum 17:19.
18:20 Weitere Halbzeitergebnisse: Polen-Russland 16:14, Augsburg-Paderborn 0:0.
18:15 Sind Heiners Handballer eine hässliche Tanzpartnerin? Wenn ja, dann sind die Rotgelben das hüftkranke männliche Pendant.
18:10 Spanien spielt langweilig, sagt der Günther Netzer des Handballs, Stefan Kretzschmar, in seiner, nun ja, Halbzeitanalyse. Er hat recht. Deutschland führt zur Pause verdient mit 15:12. Der spanische Torwart ist seiner Mannschaft keine große Hilfe. Florian Kehrmann sieht aus wie David Hasselhoff, jubelt aber wie Boris Becker. Rückraumriese Holger Glandorf hat einen schnellen Wurf. Einen verdammt schnellen Wurf. Der Köhler-Horst und DOSB-Präsi Bach im Publikum sind am Rande zum völlig totalen Ausgeflipptsein. Heiner Brand ist ganz ruhig. Und ich mir sicher, dass Spanien nicht das Halbfinale erreicht.
17:58 Spanien mit missglücktem und vor allem richtig Scheiße aussehenden Standsprünglein. Michikraus dribbelt und fummelt und produziert abschließend ein famoses Wembleytor – 13:9.
17:53 Keine 20 Minuten gespielt (10:7), und Köln brodelt. Erst hext Henning Fritz einen 7m neben das Tor, dann ein fantastischer, jahaa, nolookpass auf den unbarmherzigen Schwarzer.
17:50 Knappe Viertelstunde netto (7:4), und da passiert es wieder: Oliver Roggisch muss zwei Minuten raus. Mit seiner Tränen-aus-den-Augen-wisch-Bewegung beim Rausgehen hat er allerdings recht.
17:40 Nach 7:30 gespielt (3:2) die erste Rangelei, danach kassiert D in Überzahl den Ausgleich.
17:35 Die deutsche Querlatte ist mit uns und hält einen spanischen Weichei-Siebenmeter auf seinem Weg ins Tor auf – Ätsch!
17:32 Spanien behäbig, Block, Konter – 1:0 nach 75 Sekunden. Nächster Block, toller Bodenpass – 2:0, kaum sehr viel später. Es läuft.
17:00

Im Kopf ist: Spanien ist positiv.

Sagte Kapitän Markus Baur vor dem Spiel. Leider wird er es deswegen nur auf der Bank verfolgen können. Als Spielemacher die beiden Michaels Kraus und Haaß.
16:50 Ich habe eben zum ersten Mal während dieser Weltmeisterschaft eine deutsche Fahne an einem Auto gesehen. Sie fror und klebte schlaffdurchnässt am rechten hinteren Fenster des mindestens eine Dekade alten Opels. Aber immerhin.
16:25 Ungarn, Slowenien, Tunesien, Tschechien. Soweit die Plätze neun bis zwölf. Wird Zeit, dass das richtige Spiel anfängt.
14.30 Bei dieser Einleitung hätte man schon stutzig werden können:

Die riesige Euphorie rund um die XX. Männer-Weltmeisterschaft hat auch auf das Internet übergegriffen. In den letzten Stunden haben wir dies wieder eindrucksvoll erlebt.

Natürlich ging es darum, dass Online-Experten beim Handballbund die Zugriffs-Peaks offenbar unterschätzt haben:

Unsere Techniker arbeiten derzeit mit Hochdruck an einem Update der Server und Infrastruktur …

Na ja. Und einen Live-Ticker jibbet ooch nich. Da Zeit und Lust vorhanden, deshalb hier heute Live-Handball.
14.00 Sind die Namensrechte für Hanniball überhaupt mit dieser Billard Bar geklärt?

Alles versoffen

Der NDR ist auch nicht mehr das, was er nie war. Und offenbar bezahlt er seine freien Mitarbeiter zu gut.

Passen Platinis Füße in Johanssons Stapfen? Ja.

Nachtrag_2: Hihi:

Nur Franzosen weit und breit. Und dann noch so gut vernetzt. Herrje, das kann einem deutschen Kaiser natürlich nicht gefallen.

Nachtrag: 27:23 für Michel Platini. Und jetzt geht er definitiv zu weit.


foto_flickr

Am Freitag wird der Präsident des europäischen Fußballverbandes gewählt. Es gibt zwei Kandidaten. Für Lennart Johansson spricht, dass er einen Hund hat. Gegen ihn spricht, dass er angelt. Der zweite Kandidat, Michel Platini, kann für sich verbuchen, während der EM 1984 vom Autor vergöttert worden zu sein. Minuspunkt: Platini war mal Blatter-Berater.

Der Schwede ist 77 Jahre alt, dirigiert die UEFA mittlerweile länger als anderthalb Jahrzehnte, und tritt eigentlich nur noch einmal an, weil es niemand anderen gibt, der künftig seine eher wirtschaftlich orientierte Sportpolitik weiterführen kann. Johansson hat schlicht versäumt, sich rechtzeitig einen Nachfolger zu basteln, der in einer Stichwahl gegen jemanden wie Platini bestehen könnte.

Der Franzose setzt – ganz dem Klischee seines Heimatlandes folgend – auf das Fußballerherz. Er will die Familie des Fußballs wieder einigen (das sagt der Blatter auch immer wieder, akute Mafia-Gefahr), dem Präsidenten wieder mehr Macht geben, die Chancengleichheit zwischen kleinen und großen Mitgliedsverbänden bewahren, rigoroser gegen Pfui-Abweichungen (Rassismus, Doping, Wettmanipulationen) vorgehen. Und: Die Champions-League soll eine offene Veranstaltung bleiben, gleichermaßen zugänglich für Schachtjor Donezk wie für Real Madrid.

Platini hat Blatter also nicht nur beraten, sondern auch viel von ihm gelernt: Hege und pflege die Kleinen. Zumindest, solange deren Stimme genausoviel zählt wie die eines Großen. Was bleibt? Nicht viel, die Neue Zürcher hat hier von Kai abgepinselt, es wird konstatiert: Außer der Diskussion um drei CL-Startplätzen ist Platinis Wahlprogramm eine Menge Bauchpinselei und heiße Luft.

Johansson sei zu alt und wohne in Schweden zu weit vom UEFA-Sitz Nyon, klagt Platini. Diese Kritik sei hinterhältig, findet Johansson und setzt nun alles daran, Platini zu verhindern. Auch schon deswegen, um einen Blatter-Freund an der Spitze der Fifa sehen zu müssen. Johansson wollte 1998 Fifa-Präsident werden, Blatter-Mauscheleien verhinderten dieses. Später scheiterte eine Palastrevolution.

Für den alltäglichen Fußballbetrieb mögen die Unterschiede also nicht beträchtlich sein. Allein aus moralischen Gründen und – wie DFB-Zwanziger immer wieder betont – aus Dankbarkeit für die WM Nullsechs sehe ich aber lieber jemanden an der Spitze des europäischen Fußballs, der nicht mit einem korrupten Betrüger unter einer Decke steckt. Was Integrität betrifft, dürfte Platinis Füße also noch zu schmal sein, um in Johanssons Stapfen zu passen.

Borussia Dortmund in blau-schwarz

Es wurde höchste Zeit, dass den unzähligen Fußballspruch-Seiten wieder ein neuer Klassiker geschenkt wird. Hier ist er, verbrochen vom offenbar schneller als vermutet alternden Bayern-Trainer Felix Magath:

An Dortmund habe ich nur gute Erinnerungen: 80.000 Fans – und alle blau-schwarz.

Der Haupthaardurchkraulte

Kleines Rätsel am Nachmittag: Um welche Person der Sport-Zeitgeschichte handelt es sich? Wer eine Ahnung hat, bitte vor der Auflösung kommentieren, ich will auch mal meinen Spaß haben.

Er liest Zeitung … ist für jeden Spaß zu haben, keine Anfrage, keine Bitte ist ihm zuviel.
Aber er trinkt. In Riesenzügen Schampus aus kleinen Flugzeuggläsern. Irgendwie hat er auch Hummeln im Hintern. Kann nicht stillsitzen. Nach einer Weile tritt er dem Vordermann ständig die Füße in den Rücken, zerrt an der Lehne, sucht irgendwas, will telefonieren, bestellt was zu essen, das es an Bord nicht gibt, droht ungehalten zu werden – da kommen sie aus anderen Sitzreihen und kümmern sich um ihn. Durchtrainierte Jungs in knappen T-Shirts kraulen ihm das Haupthaar, Betreuer reden beschwichtigend auf ihn ein, sein Arzt reicht ihm zwischen zwei Glas Rotwein einen kleinen Cocktail, von dem er sich offenbar eine beruhigende Wirkung auf seinen Schutzbefohlenen erhofft. Vergebens.

Die Königlichen im Pott

Wie tief ist Real Madrid gesunken. Ronaldo verlässt das sinkende Schiff, im Netz kursiert ein Spaß-Bildchen mit Michael Ballack als real-Supermarktsverkäufer, und jetzt nehmen sie einem zweitklassigen Zebra noch den Stürmer weg. ¡madre mía!

6 aus 14: Printmedien und Sportblogs

Schade, das. Möge es dazu beitragen, mit Heimvorteil einen der wenigen regelmäßig befüllten Printmediensportblogs in Deutschland am Leben zu erhalten.

Hier mal ne fix zusammengekleisterte Übersicht:

Focus im September eingestellt
Berliner Zeitung frisch, aber noch dürftig
Bild nix
FAZ nix
Frankfurter Rundschau nicht übel: Ein belebtes Eintrach-Blog, dazu ein weniger bevölkertes, dennoch regelmäßiges Ironman-Trainingstagebuch
Financial Times letzter Beitrag 15. November
Handelsblatt nix
Spiegel nix
Stern nix
Süddeutsche nix
Tagesspiegel Heimvorteil und das Oberligafanblog. So geht das
Taz Volk ohne Raumdeckung (Sonderpreis für Blogtitel)
Welt nix
Zeit nix

Philipp Lahm hört alles

Wertfreie Erkenntnisse eines außergewöhnlichen Interviews mit Philipp Lahm:

  • Philipp Lahm hört alles. Also Musik. Deswegen kann er auch den Naidoo nicht richtig scheiße finden. Weil er ja alles hört. Also der Philipp. Musik.
  • Im Gegensatz zu dem Naidoo nervte Sönke Wortmann nie.
  • Philipp Lahm hat überhaupt keine Angst vor Oliver Kahn. Denn der sei ein netter Mensch. Wobei: Als der Lahm das sagte, blickte er nach unten. Als würde ihm gerade einfallen, was passiert war, als er aus Versehen mal im P1 („Nicht so meine Disko.“ Ja, er hat wirklich Disko gesagt) Verenas Arsch touchiert hatte. Ollis Reaktion auf die Lahmsche Frechheit führte im Endeffekt zu dem tollen Armverband, den dieser bei der WM trug.
  • Warum verschränkt Philipp Lahm permanent seine Hände hinter dem Rücken? War er gefesselt? Skandal!
  • Milky way ist tot.
  • Und immerhin: Eine von neun.

Haben Sie Mut! Nennen Sie Ihre Söhne Waldimir!

So wie Waldimir Kaminer, Waldimir Putin oder auch Waldimir Klitschko und nochmal Waldimir Klitschko.

Apropos Klitschko: Vitali kommt zurück.

Nachtrag: Der Umstand, dass die Titelform der Beiträge keine Umlaute zulässt, führt zu mancher obskuren Verdadaisierung der sorgsam ausgetüftelten Überschrift. Guckst du:

Der Krankenhauskrieg: Schalke vs. Dortmund

Also an seiner Stelle würde ich jetzt, hm, vielleicht das neue BVB-Banner klauen?