Wem gehört der Fußball?

Eine große Frage. Sie ist es wert, nicht beantwortet, sondern immer wieder gestellt und gerne auch mit einem schnippischen … eigentlich? vollendet zu werden.

Im Prinzip ist es ein Wirtschaftskreislauf, der manchmal zum Teufelskreis mutiert. Guter Fußball interessiert viele Menschen. Fußballvereine verkaufen ihre Rechte an Fernsehsender, um von dem Geld noch besseren Fußball bieten zu können. Dann sehen noch mehr Menschen zu und es fließt noch mehr Geld. Die Protagonisten sind allerdings abhängig voneinander. Und manchmal werden sie zu Gegenspielern.

Ohne Fans keine DFL, klar. Und ohne Fernsehrechte kein van Bommel und van der Vaart. Ohne professionelle Sportunternehmen (früher: Vereine) keine Fans.

Am längsten Hebel sitzen die Fans. Das Problem: Sie tun es nur in der Mehrzahl. Nicht ein Enttäuschter, nicht ein paar Fußballblogger, nicht ein paar Dutzend Ultras, nicht nur die Fans eines Bundesliga-Vereins – nein, die Fans. Für die Ökonomen sind Fans vor allem die Premiere- und arena-Abonnenten, die Fanschal-Käufer und die extra-für-11freunde-zum-Kiosk-Renner. Und die 5700 Haushalte, in denen hin und wieder die Sportschau angeschaltet wird.

Am kürzesten Hebel sitzt die DFL. Ist der allerdings erst einmal umgestellt, gibt es kaum ein Zurück. Es wird nie mehr erlaubt sein, mit dem privaten mobilen Wasauchimmerdingens Fußballspiele zu filmen und dann öffentlich zugänglich zu machen. Ob nun mit Vor- und Nachbericht in zweieinhalb Stunden oder verwackelt in zwölf Sekunden. Warum sollte es auch?

Der Fußball muss akzeptieren, dass er nicht ein urheberrechtlich geschütztes Werk, vergleichbar mit einem Film, ist. Fußball ist Gesellschaft, Fußball ist von so hohem öffentlichem Interesse, dass er Einschnitte in seine Rechte akzeptieren muss.

Der Kollege vom Bolzplatz formuliert es bei Unser Fußball sehr mutig. Ich gebe ihm Recht. Aber die Verhältnisse, sie sind nicht so.

Die WM war doch sowas von öffentliches Interesse, obwohl die Fifa vieles getan hat – nur nicht Einschnitte in ihre Rechte akzeptiert hat. Sie musste nach massivem Druck einige kleine Zugeständnisse machen, und vieles in puncto Kontrolle und Sicherheit war hinterher nichts von dem, was vorher viele befürchtet hatten. Aber wer die Miete bezahlt, bestimmt die Regeln.

Die müssen natürlich nicht festgemauert bis in alle Ewigkeiten gelten. Wer hindert die DFL daran, einen festen Rahmen abzustecken von dem, was an privaten Videos im Netz erlaubt ist? Was hindert Tom Bender daran, Reizwörter wie Gegenschlag oder kriminell erst mal zu überschlafen, bevor er sie den Kunden seines Produkts zumutet? Was hindert mich eigentlich daran, meine dezidierte Meinung der DFL hier und dort mal kundzutun?

Spätestens dann, wenn Fangruppen der DFL/den Rechteinhabern Verträge zur Ton-/und Bildverwertung von Aktionen, Gesängen und Choreographien anbieten und bei Nicht-Unterzeichnung a) mit dem Einstellen solcher Aktionen bzw. b) bei weiteren Bildern aus dem Fanblock mit Urheberrechtsklagen drohen, wird die Sache ziemlich schnell spannend.

Nicht nur wegen diesem Kommentar ist die Diskussion beim Sportexperten vom Handelsblatt interessant. Nicht wegen irgendwelcher blöden Urheberrechtsklagen (hat die DFL eigentlich schon irgendwo mit Klagen gedroht?), sondern wegen der juristischen Zieseligkeiten und des großen Zusammenhangs.

Und mittendrin der Verein. Meiner Ansicht nach sind jetzt die Fußballklubs am stärksten gefordert. Sie haben den Draht sowohl zu den Fans als auch zu den Benders dieser Welt, sie müssen vermitteln, damit Familienväter in Zukunft noch mit der Digiknipse den Fannachwuchs im Stadion auf Chip bannen kann, ohne dafür in Verwahrungshaft zu wandern. Die Klubs haben die Möglichkeit, zu verhandeln. Die Hinterhoftoiletten des Internets haben sie nicht. Wir können nur ungehorsam sein.

Also.



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