Topalows Taktik: Toiletten-Theater

Da duellieren sich in der Hauptstadt der Kalmücken die beiden besten Schachspieler der Welt, und niemand berichtet. Zumindest nichts über die Toiletten-Affäre.

Es ist nämlich so: Wesselin Topalow aus Bulgarien und der Russe Wladimir Kramnik ermitteln in zwölf Partien den wahren Schachweltmeister. Bislang gab es einen des Weltschachbundes FIDE und seit 1993 einen externen, meist war das der Bessere. Topalow (FIDE) und Kramnik (der Bessere) wollen nun im so genannten Wiedervereinigungskampf diese Zweiteilung beenden.

Dementsprechend zickig sind die beiden, was die äußeren Bedingungen der WM betrifft. Und hier kommen endlich die Toiletten ins Spiel. Topalow liegt aktuell 1:3 hinten und beschuldigt Kramnik des Toiletten-Schmus:

Die Topalov-Delegation beschwert sich, dass Kramnik während der Partien außergewöhnlich oft die Toilette aufsucht, den einzigen Raum ohne Videoüberwachung, und fordert, dass beide Spieler von nun an die öffentliche Toilette benutzen sollen. Andernfalls würde ernsthaft der Abbruch des Wettkampfes in Erwägung gezogen.

Der Protest zeigte Wirkung, beide Denksportler grübeln fortan auf derselben Klobrille. Damit aber nicht genug: Kramnik meckert nun seinerseits, weil das Beschwerdekommittee einfach mal eben die vorher vereinbarten Regeln ändert. Die eigene Toilette sei sehr wichtig für Mr. Kramnik:

The reasons that Mr. Kramnik is entering his own bathroom often is simple: The restroom is small and Mr. Kramnik likes to walk and therefore uses the space of the bathroom as well. It should also be mentioned that Mr. Kramnik has to drink a lot of water during the games.

Topalow wiederum ist ebenfalls nicht komplett zufrieden mit der Entscheidung und will Kramnik jetzt nicht mehr die Hand geben und mit ihm zur Pressekonferenz geben. Experten vermuten, das Toiletten-Theater ist nur Taktik von Topalow.

Aber wir sind immer noch nicht fertig.

Heute soll das fünfte Spiel stattfinden. Sicher ist das allerdings nicht:

Nachdem Partie 5 heute mit einer Verzögerung von 22 Minuten offiziell gestartet wurde, wartet Topalov am Spieltisch auf Kramniks ersten Zug. Kramnik ist nach 30 Minuten immer noch nicht erschienen. Anscheinend befindet er sich in seinem Ruheraum und wartet, dass die vertraglich fixierten Spielbedingungen wiederhergestellt werden, genauer: dass seine Toilette, die inzwischen wohl abgeschlossen wurde, wieder für ihn zugänglich gemacht wurde, so heißt es aus Elista.

Herrlich. Gibts das eigentlich irgendwo live? Netz, TV, Radio? Was gäbe ich für ein paar verruckelte Bilder aus Mr. Kramniks Ruheraum. Na immerhin ein Bild:


fotos_worldchess2006.com

Bevor neue Nachrichten eintrudeln, noch zwei Links zur geistigen Erbauung: Die Zeit beschrieb anlässlich der WM 2004 unter anderem die Rolle von Kramniks Manager Carsten Hensel und der autonomen Republik Kalmückien im Schachbetrieb. Und schließlich: Die 10 schönsten Schachfrauen der Welt.

Nachtrag: Auf der Live-Seite von worldchess2006.com wird Topalow derzeit als Sieger von Partie fünf geführt. Offenbar ist Kramnik nicht angetreten. Kramnik ist laut chessbase.com nicht angetreten. Das Duell stünde steht somit 2:3:

Im Moment ist unklar, wie es in Elista weiter gehen soll.


3 Antworten auf “Topalows Taktik: Toiletten-Theater”

  1. 1 Dülp 29. September 2006 um 20:23 Uhr

    Wo findest nur immer solche kranken Geschichten? Da macht sogar Schach Spaß. Ich spreche diesem Figurengeschiebe allerdings immer noch den Sportstatus ab.

  2. 2 nolookpass 29. September 2006 um 21:44 Uhr

    Meist bei den einschlägigen Sport-Portalen und -Ressorts unter Buntes. Und dein dritter Satz könnte auch durchaus einem Fußballbericht über ein ödes 0:0 entstammen.

  1. 1 Überschattet // Nachspiel Pingback am 25. Januar 2008 um 10:20 Uhr
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