Back to the Seilgeviert

Alle, die jetzt mit unkoordinierten Hausfrauenpatschern versuchen, auf den Comebacker Henry Maske rumzukloppen, sollten sich in der medialen Ringecke mal ein wenig Frischluft zufächern lassen. Ist schließlich bannig heiß derzeit, da kann man schnell mal kollerkommunizieren.

Henry Maske ist 42 Jahre alt und wird demnächst einen Boxkampf bestreiten. Sein Gegner Virgil Hill ist genauso alt und amtierender WBA-Weltmeister im Cruisergewicht. Rein sportlich betrachtet hat der Fight genau so viel Wert wie Wrestling, die Tour de France oder Gewichtheben bei Olympia. Wer Männer sehen will, die sich vor ihrer demnächst anstehenden Mittlebenskrise nochmal prügeln, muss dafür aber nicht unbedingt RTL einschalten.

Doch wen stört’s?

Wenn Wilfried Sauerland, der sich komischerweise hin und wieder selbst Promoter schimpft, den Kampf im Januar 2007 als „klamaukes Profiboxen“ bezeichnet, ist das ein gar sommerlochiges Hechelheucheln und nix weidda. Denn natürlich ist es das. Was sonst? Wenn Sauerland von „alles sehr seltsam“ spricht und von „nicht ganz glaubwürdig“, dann meint er, über den Maske-Kampf zu urteilen. In Wirklichkeit spricht er aber vom Profiboxen an sich.

Was bleibt?

Ein Masken-Mann, den ich nie ausstehen konnte, nie reden hören konnte, in seiner brandenburgisch-verklärten Aalglattheit. Dass ein Dschäntelmän wie Henry Maske zum Berufsboxen passte wie Lukas Prolldolski ins Philosophische Quartett gehört, fand ich dagegen grandios. Manchmal denke ich, Henry hat sie damals alle verarscht, RTL, Helmut Kohl, Johannes Rau – der ihm das Bundesverdienstkreuz an die breite Brust nagelte – und nicht zuletzt das vereinigte Deutschland.

Jetzt war ihm langweilig.

Seit fast 10 Jahren bin ich nicht mehr im Ring gewesen, in dem Seilgeviert, in dem ich mich 26 Jahre mehr als wohl und auch sicher gefühlt habe. Mein letzter Kampf hatte nicht den Ausgang, den ich mir für das Ende meiner Karriere gewünscht hätte.

Maske wendet sich an Freunde, Gegner und Skeptiker des Boxsports (Ansprache made by Werner Schneyder, geil!), und seine Worte purzeln staubtrocken wie der Rasen im Görlitzer Park aus dem Netz. Ob das Antritts-Geld nun in junge Menschen, neue Schnellimbisse oder die Maske`sche Rente fließt, interessiert mich wie das Stürmerproblem des HSV – kaum.

Ein anderer Aspekt wurde von den Heulhyänen bislang dagegen kaum bedacht. Was hat sich Michael Jordan seinen Ruf mit dem Comeback bei den Washington Wizards versaut. Wir erinnern uns (das wollte ich immer schon mal schreiben): Jordan klaut Karl Malone den Ball, lässt seinen Gegenspieler ausrutschen und entscheidet mit einem eiskalten Jumper Sekunden vor Schluss das NBA-Finale. Der perfekte Zeitpunkt, aufzuhören. Jordan hörte auf – und kam wieder. Warum?

Fragt Jordan. Er managt wohl bald sein zweites Team und hat die Trümmer seines Denkmals mittlerweile ordentlich mit Parolen beschmieren lassen. Vielleicht ist er jetzt einfach glücklicher als zuvor, als er im Sommer seines Lebens als lebende Legende über der Erde schwebte.

Das war bei Henry Maske ganz bestimmt nicht der Fall. Aber ich stempele ihn nicht als Spinner ab, weil er die Niederlage gegen Hill noch nicht abgehakt ab. Er wollte noch einmal boxen, und natürlich tut er das nicht vor den Augen der versammelten Nachbarschaft auf dem Marktplatz seines Wohnorts Overath (was für ein urkölscher Name).

Ich frage mich nur eins: Warum hat er nicht gleich gegen Axel Schulz geboxt? Dafür wäre sogar ich mal wachgeblieben.


1 Antwort auf “Back to the Seilgeviert”

  1. 1 Spielertrainer Henry Maske // Nachspiel Pingback am 24. August 2006 um 15:47 Uhr
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