Archiv für Juli 2006

Urlaub, jetzt

Muss ja auch mal sein. Und wenn ich hier vorbeipromenier, winke ich vielleicht.

Gut, dass wir nicht gewettet haben

Kommentar vor sechs Tagen:

Aber wer würde seine Großmutter plus Briefmarkensammlung verwetten, dass gerade Herr Landis oder Herr Klöten Klöden so sauber sind wie ein frisch gepuderter Babypopo?

Der Sieger des größten Profi-Radrennens der Welt hat einen zu hohen Testosteronwert. Kann man diesen Sport künftig überhaupt noch Ernst nehmen? Welche Relevanz (außer der schönen Landschaft) hat ein Rennen, wo jede Leistung permanent relativiert werden muss?

Keine sportliche zumindest. Klar, als Spektakel, als Sportshow, als „spannende Inszenierung eines Radwettbewerbes“ wird die Tour immer leben, dafür steckt zuviel Geld in der Maschine. Aber welcher halbwegs interessierte Vater wird künftig nicht schlucken, wenn sein begeisterter Sohn mit leuchtenden Augen sagt: „Das will ich später auch mal machen.“

In der zweiten Halbzeit Klopp für Bierhoff

Übrigens ist es gerade so heiß, dass man selbst beim Gefrierfach-vom-Eise-befreien ordentlich ins Schwitzen kommt.

Außerdem möchte ich vorschlagen, Oliver Bierhoff schnellstmöglich durch Jürgen Klopp zu ersetzen. Der Mainzer Trainer legt immer wieder eine erstaunliche Fähigkeit an den Tag, mit der ganzen Welt umzugehen, ohne dabei zum schmieriganten Lackaffen zu mutieren:

Als er das Gebäude verließ, bat ihn ein Funktionär, er möge doch kurz mit seiner Tochter sprechen, das Mädchen war schon am Handy. Auch diese Plauderei übernahm er noch. „Dem Mann zu erklären, warum ich so etwas normalerweise nicht tue, hätte genauso lange gedauert“, sagte er später.

Back to the Seilgeviert

Alle, die jetzt mit unkoordinierten Hausfrauenpatschern versuchen, auf den Comebacker Henry Maske rumzukloppen, sollten sich in der medialen Ringecke mal ein wenig Frischluft zufächern lassen. Ist schließlich bannig heiß derzeit, da kann man schnell mal kollerkommunizieren.

Henry Maske ist 42 Jahre alt und wird demnächst einen Boxkampf bestreiten. Sein Gegner Virgil Hill ist genauso alt und amtierender WBA-Weltmeister im Cruisergewicht. Rein sportlich betrachtet hat der Fight genau so viel Wert wie Wrestling, die Tour de France oder Gewichtheben bei Olympia. Wer Männer sehen will, die sich vor ihrer demnächst anstehenden Mittlebenskrise nochmal prügeln, muss dafür aber nicht unbedingt RTL einschalten.

Doch wen stört’s?

Wenn Wilfried Sauerland, der sich komischerweise hin und wieder selbst Promoter schimpft, den Kampf im Januar 2007 als „klamaukes Profiboxen“ bezeichnet, ist das ein gar sommerlochiges Hechelheucheln und nix weidda. Denn natürlich ist es das. Was sonst? Wenn Sauerland von „alles sehr seltsam“ spricht und von „nicht ganz glaubwürdig“, dann meint er, über den Maske-Kampf zu urteilen. In Wirklichkeit spricht er aber vom Profiboxen an sich.

Was bleibt?

Ein Masken-Mann, den ich nie ausstehen konnte, nie reden hören konnte, in seiner brandenburgisch-verklärten Aalglattheit. Dass ein Dschäntelmän wie Henry Maske zum Berufsboxen passte wie Lukas Prolldolski ins Philosophische Quartett gehört, fand ich dagegen grandios. Manchmal denke ich, Henry hat sie damals alle verarscht, RTL, Helmut Kohl, Johannes Rau – der ihm das Bundesverdienstkreuz an die breite Brust nagelte – und nicht zuletzt das vereinigte Deutschland.

Jetzt war ihm langweilig.

Seit fast 10 Jahren bin ich nicht mehr im Ring gewesen, in dem Seilgeviert, in dem ich mich 26 Jahre mehr als wohl und auch sicher gefühlt habe. Mein letzter Kampf hatte nicht den Ausgang, den ich mir für das Ende meiner Karriere gewünscht hätte.

Maske wendet sich an Freunde, Gegner und Skeptiker des Boxsports (Ansprache made by Werner Schneyder, geil!), und seine Worte purzeln staubtrocken wie der Rasen im Görlitzer Park aus dem Netz. Ob das Antritts-Geld nun in junge Menschen, neue Schnellimbisse oder die Maske`sche Rente fließt, interessiert mich wie das Stürmerproblem des HSV – kaum.

Ein anderer Aspekt wurde von den Heulhyänen bislang dagegen kaum bedacht. Was hat sich Michael Jordan seinen Ruf mit dem Comeback bei den Washington Wizards versaut. Wir erinnern uns (das wollte ich immer schon mal schreiben): Jordan klaut Karl Malone den Ball, lässt seinen Gegenspieler ausrutschen und entscheidet mit einem eiskalten Jumper Sekunden vor Schluss das NBA-Finale. Der perfekte Zeitpunkt, aufzuhören. Jordan hörte auf – und kam wieder. Warum?

Fragt Jordan. Er managt wohl bald sein zweites Team und hat die Trümmer seines Denkmals mittlerweile ordentlich mit Parolen beschmieren lassen. Vielleicht ist er jetzt einfach glücklicher als zuvor, als er im Sommer seines Lebens als lebende Legende über der Erde schwebte.

Das war bei Henry Maske ganz bestimmt nicht der Fall. Aber ich stempele ihn nicht als Spinner ab, weil er die Niederlage gegen Hill noch nicht abgehakt ab. Er wollte noch einmal boxen, und natürlich tut er das nicht vor den Augen der versammelten Nachbarschaft auf dem Marktplatz seines Wohnorts Overath (was für ein urkölscher Name).

Ich frage mich nur eins: Warum hat er nicht gleich gegen Axel Schulz geboxt? Dafür wäre sogar ich mal wachgeblieben.

Heute vor 75 Jahren …

… ist Paavo Nurmi seinen letzten Weltrekord gelaufen. Am 24. Juli 1931 benötigt der flinke Finne für die zwei Meilen keine neun Minuten. Im kommenden Jahr wird der Sportler Nurmi von einem Amerikaner getötet.

statueAvery Brundage, Präsident des US-amerikanischen NOKs findet es ganz schlimm, dass die laufende Legende für Geld antritt. Das taten andere schon längst und länger, an Paavo Nurmi sollte jedoch ein Exempel statuiert werden. Nurmi ist vor den Olympischen Spielen 1932 in Los Angeles 35 Jahre alt. Er möchte seine grandiose Karriere mit einem Sieg beim olympischen Marathon krönen. Doch weil er nicht mehr als Amateur eingestuft wird, darf Nurmi nicht laufen. Nicht 1932, nicht später – gesperrt auf Lebenszeit.

Der Mann, der schön laufen erst zum Begriff machte, kam nie über diesen schon damals heuchlerischen Skandal hinweg. Und er starb als einer der wenigen Menschen, denen eine 2,7 Millionen teure Oper gewidmet wurde und deren Nachruf der aktuelle Staatspräsident mit dem Satz schloss:

Er war kein glücklicher Mensch!

Bundesliga-Weicheier

Hat man ja selten, dass sich Sport und Homosexualität offen zueinander bekennen. Warum hat es bis heute eigentlich noch kein Bundesliga-Fußballer geschafft?

Weicheier.

Traurige Clowns

Also ich gehe ja nicht ins Stadion. In welches sollte ich zwischen Berlin und Rostock bitteschön auch gehen können? Aber wenn ich gehen würde, und dann lese ich sowas, mein Gehirn würde ja sowas von laut SPIELTAGSBOYKOTT rufen, das glaubt man nicht.

Der andere Hamann

Jaja, die alten Ostkämpen. Barfuß auf der Hollywoodschaukel wodkatrunken noch rastellisieren. Neulich mal mit Erich Hamann gesprochen:
Er so: Bei der WM blüht mein Fußballherz.
Ich so: Hey, Herr Hamann. Sie flankten auf Sparwasser!
Er so: Aber das Land war nicht hinter uns.
Ich so: Verstehe.

Am Rande

Das Sport-Blog der Welt ist sanft entschlafen. Na ja.

Ach, Lothar

Hat Herr Matthäus für seine Frau betrügerischweise Anziehsachen eingekauft? Man weiß es nicht. Und eigentlich interessiert es einen auch nicht. Überhaupt nicht. Aber es würde zu gut ins Bild passen.

Es klingt

Zumindest aus phonetischer Sicht ist die Vernamenssponsorung der Bundesliga ab der Saison 07/08 gelungen: Alle fünf Hauptvokale in gerade mal 17 Buchstaben. Fantastisch.